Wachstum und Entwicklung

Viele Kinder und Jugendliche leiden an Jodmangel

Viele Kinder und Jugendliche leiden an Jodmangel

Viele Kinder und Jugendliche leiden an Jodmangel

Sina Wilke/shz.de
Köln
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Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leidet an Jodmangel. Foto: imago images/Julenochek

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Viele Kinder nehmen nicht ausreichend Jod zu sich – Schuld sind auch Fertiggerichte.

Es steckt in Meeresfisch und Milch, und besonders für Ungeborene und Kleinkinder ist es immens wichtig: Jod. Das Spurenelement sorgt für den Aufbau von Schilddrüsenhormonen und damit für zahlreiche Stoffwechselprozesse, die etwa Wachstum, Knochenbildung und Gehirnentwicklung steuern. Fehlt einem Ungeborenen, Baby oder Kind zu viel davon, können sich seine intellektuellen und motorischen Fähigkeiten verschlechtern.

Bei Salz sollte man auf den Hinweis "Jodsalz" oder "jodiertes Salz" achten. Foto: imago images/Panthermedia

Mehr als die Hälfte der Kinder haben einen Jodmangel

Daher nennt Prof. Dr. Matthias Schmidt vom Bundesverband der Nuklearmediziner (BDN) „problematisch“, was aktuelle Monitoring-Daten zeigen: Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen ist in Deutschland nicht ausreichend mit Jod versorgt. Zwischen dieser Untersuchung und dem letzten Monitoring, das das Robert Koch-Institut vorgenommen hat, liegen elf Jahre.

In diesem Zeitraum hat sich die Jodversorgung deutlich verschlechtert.

Nuklearmediziner Prof. Dr. Matthias Schmidt

Lag die durchschnittliche Jodausscheidung der Probanden bei der Basiserhebung noch bei 116 Mikrogramm pro Liter Urin, war sie beim zweiten Monitoring auf 89 Mikrogramm pro Liter gesunken. Zudem blieben mehr als 58 Prozent der Kinder und Jugendlichen unterhalb des WHO-Grenzwertes von 100 Mikrogramm. „Damit ist Deutschland wieder ein mildes Jodmangelgebiet geworden“, warnt Schmidt.

Prof. Dr. Matthias Schmidt. Foto: Michael Wodak/MedizinFoto Köln

Das größte Problem: verarbeitete Lebensmittel

Für besonders beunruhigend hält er, dass vor allem ältere Mädchen unterversorgt sind – jene also, die womöglich selbst bald Kinder bekommen, welche schon im Mutterleib dringend Jod brauchen. Ein Grund, so der Experte, liegt womöglich in der vegetarischen und veganen Ernährung, die vor allem bei Mädchen und jungen Frauen immer beliebter wird, und in der die Jodlieferanten Fisch und Milch fehlen.

Das größte Problem seien aber verarbeitete Lebensmittel: Diese sind zwar meist sehr stark gesalzen, allerdings in der Regel mit unjodiertem Salz. Wünschenswert wäre es daher, so Schmidt, nicht nur den Jodgehalt in jodiertem Speisesalz anzuheben, sondern auch, Lebensmittelhersteller zur Verwendung desselben zu verpflichten. Ob das allerdings je passieren wird, ist fraglich. Daher sind Eltern umso mehr gefragt.

Je nach Alter liegt die empfohlene Jod-Zufuhr für Kinder zwischen 100 und 180, für Jugendliche und Erwachsene bei 200 Mikrogramm am Tag. Die genauen Werte finden Sie hier.

Fisch ist ein wichtiger Jodlieferant

Werte, die schwer zu erreichen sind, wie Schmidt einräumt: „Es ist schwierig, kleine Kinder mit Jod zu versorgen, insbesondere, wenn sie keinen Fisch essen.“ Dass die Deutschen den Jodmangel bald in den Griff bekommen, glaubt er daher nicht: „Wir haben immer einen gewissen Jodmangel in Deutschland. Das sehen wir auch an den vollen Schilddrüsenambulanzen. Und es wird nicht besser werden.“

So bekommen Sie ausreichend Jod

  • Verzehren Sie täglich Milch und Milchprodukte – in einem Liter Milch oder Quark stecken rund 100 bis 150 Mikrogramm Jod
  • Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Meeresfisch; auch Fischstäbchen enthalten Jod
  • Verwenden Sie Jodsalz im Haushalt
  • Kaufen Sie bevorzugt Lebensmittel, die mit Jodsalz hergestellt wurden – in der Zutatenliste sollte „Jodsalz“ oder „jodiertes Speisesalz“ und nicht nur „Salz“ stehen
  • Fragen Sie in Schulmensa und Kantine nach dem Einsatz von Jodsalz
  • Algen enthalten zum Teil sehr viel Jod – hier sollte man darauf achten, die bedenkliche Maximalzufuhr nicht zu überschreiten
  • Verwenden Sie jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt

Quelle: Verbraucherzentrale, Bundesinstitut für Risikobewertung

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