Ärger um Rabatte

Sparpreise vor dem Aus? Bund findet die Bahn zu billig

Viktoria Meinholz/shz.de
Berlin
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Immer mehr Fahrgäste, immer weniger Gewinn: Beim Bund regt sich Widerstand gegen das Rabatt-Modell der Deutschen Bahn.

Die Übersicht im Rabatt-Dschungel der Deutschen Bahn zu behalten ist schwierig. Wer günstig verreisen will, der muss nicht nur frühzeitig planen, sondern auch viel recherchieren: Es gibt Sparpreise – manchmal sogar Super-Sparpreise –, Länder- oder Regional-Tickets, BahnCard-Angebote, Wochenendtickets oder Freifahrten in Kekspackungen.

Die Bundesregierung ist davon gar nicht begeistert. "Im Fernverkehr steigen die Passagierzahlen zwar, aber die Gewinne sinken". sagte der Bahnbeauftragte der Regierung, Enak Ferlemann von der CDU, gegenüber der "Welt". Er sei überrascht von der Menge an Rabatten und plädiere für eine Überprüfung des Systems. Womöglich würden von all den Sparpreisen und Sonderrabatten nur einige Wenige profitieren, gibt Ferlemann zu bedenken. Die Mehrheit müsse dafür einen höheren Normalpreis zahlen. Außerdem würden sich "mit diesem Preismodell die Kosten nicht decken lassen." Die Deutsche Bahn gehört zu 100 Prozent zum Bund.

Schuldenberg wächst

Das Unternehmen hat sich bisher nicht zu dieser Kritik geäußert. Doch die Fahrgastvereinigung "Pro Bahn" hält die Kritik des Bundes für Unsinn. "Wenn die Bahn ihre Sonderangebote streicht, verliert sie Kunden", sagte deren Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann dem "Tagesspiegel". Es gehe nicht ohne die Rabatte.

Die Bahn macht immer mehr Schulden, hat ein Dauerproblem im Schienengüterverkehr und im ersten Halbjahr im Regional- und Fernverkehr einen Gewinnrückgang zu verzeichnen. Bahnchef Richard Lutz hatte in einem Brief an seine Top-Manager zahlreiche Schwächen benannt und einen Kurswechsel angekündigt.
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