Straffrei

Schleswig-Holsteiner geben 1.854 Waffen ab

Dieter Schulz/shz.de
Flensburg
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Grote betrachtet jede abgegebene Waffe als Erfolg. (Symbolfoto) Foto: dpa

Innenminister Grote ist mit der Bilanz insgesamt zufrieden. 258 der Lang- und Kurzwaffen waren in illegalem Besitz.

Deutlich weniger abgegebene Waffen als 2009 und trotzdem bewertet Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) die am 1. Juli zu Ende gegangen Waffenamnestie als wirkungsvoll. „Jede abgegebene Waffe ist ein Erfolg. Insbesondere im zweiten Halbjahr stiegen die Abgabezahlen noch einmal an. Insgesamt wurden 1854 Lang- und Kurzwaffen abgegeben, davon waren 258 in illegalem Besitz“, sagte Grote.

Zur „Halbjahresbilanz“ Ende Dezember waren erst 679 Lang- und Kurzwaffen abgegeben worden. Allerdings bei der Vorgänger-Amnestie, die unmittelbar nach dem Amoklauf von Winnenden durchgeführt wurde, waren allein in Schleswig-Holstein noch 6460 legale und illegale Waffen abgegeben worden. Bei der jetzigen Amnestie wurden unter anderen 975 Gewehre, davon 128 aus illegalem Besitz, abgegeben. Dazu 420 Pistolen und 252 Revolver. Davon insgesamt 121 illegal.

„Jede abgegebene Waffe ist ein Erfolg.“

Beachtlich dagegen war die Menge der bei Polizei und Waffenbehörden abgegebenen Munition. 23.064 Stück wurden abgeliefert, fast die Hälfte davon – 10.139 Stück - war illegal. Außerdem trennten sich die Schleswig-Holsteiner von 212 sonstigen Waffen – zum Beispiel von Dolchen oder Säbeln. Auch drei Kriegswaffen wurden abgeliefert. Die ältere Maschinenpistole sowie die beiden Handgranatenzünder stammen aus einem Nachlass.

Was passiert mit den abgegebenen Waffen und der Munition?

Im Landeskriminalamt (LKA) wird zunächst überprüft, ob sie zu Straftaten passen. Danach werden sie vernichtet. Laut Nationalem Waffenregister gibt es in Schleswig-Holstein nach neuestem Stand 37.900 Waffenbesitzer, denen 191.000 erlaubnispflichtige Schusswaffen zugeordnet werden.

Grote betonte bei der Vorstellung der Bilanz allerdings, dass eine Waffenamnestie das Problem nur in einem Teilbereich lösen könne. „Es wird weiterhin ein großes Dunkelfeld geben. Denn die kriminelle Szene wird ihre Waffen auch im Rahmen einer Amnestie nicht freiwillig abgeben. Da hilft nur die Aufrechterhaltung des hohen Fahndungsdruckes durch die Polizei“, so der Innenminister.

Sorgen macht Grote auch die hohe Anzahl von Kleinen Waffenscheinen. Deren Gesamtzahl hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt. Die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein will daher das Waffenrecht ändern. „Ich wäre schon froh, wenn man diesen kleinen Waffenschein nicht einfach übers Internet online beantragen könnte, sondern dass es eine Zuverlässigkeitsprüfung gibt“, so Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU). Die Landesregierung setze dabei auf eine bundesweite Regelung und werde das anstehende Gesetzespaket zur Änderung des Waffenrechts Ende 2018/ Anfang 2019 nutzen, um das Schleswig-Holsteinische Anliegen im Bundesratsverfahren weiter zu verfolgen, so ein Sprecher des Innenministeriums gestern.

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