Ministerium alarmiert

Schleswig-Holstein fürchtet die Afrikanische Schweinepest

Schleswig-Holstein fürchtet die Afrikanische Schweinepest

Schleswig-Holstein fürchtet die Afrikanische Schweinepest

Kiel
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Foto: dpa

Erste Fälle sollen so früh wie möglich erkannt werden. Ein Landrat will sogar eine Abschussprämie für Wildschweine.

Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher an Schleswig-Holstein heran. Nach Ausbrüchen in Russland und der Ukraine hat sich die Seuche bereits in Polen, Estland, Lettland und Litauen ausgebreitet und ist zuletzt in Tschechien bei Wildschweinen ausgebrochen. „Das Risiko ist hoch, ein Ausbruch ist kein unrealistisches Szenario“, warnt Landwirtschaftsminister Robert Habeck. „Ein Ausbruch im Land würde bedeuten, dass infizierte Schweine in kurzer Zeit an der Seuche sterben, Bestände getötet werden müssen, und es könnte den Schweinemarkt zum Erliegen bringen.“

Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Landesbauernverbands, ist alarmiert. Für ihn und seine Kollegen ist klar: „Es ist nicht mehr die Frage, ob die Schweinepest kommt – sondern wann.“

Neben stärkerer Kontrolle von Tiertransporten sollen Jäger nach dem Willen Habecks nun verstärkt Schwarzwild schießen und zudem Proben von jedem tot aufgefundenem Wildschwein nehmen. „Wir müssen so früh wie irgend möglich erkennen, wenn die Seuche im Land ist. Das ist die beste Voraussetzung, um sie einzudämmen“, betont der Minister. Die Landesregierung habe die Kreise daher gebeten, auf die Gebühren bei der Trichinenschau zu verzichten, um die Jäger finanziell zu entlasten.

Abschussprämie gefordert

Dem Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, Rolf-Oliver Schwemer, geht das jedoch nicht weit genug. Er fordert jetzt eine Abschussprämie für Wildschweine nach dem Vorbild von Mecklenburg-Vorpommern. Der Schweriner Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hat einen Sonderfonds in Höhe von zwei Millionen Euro aufgelegt, aus dem die Jäger für jedes geschossene Wildschwein 25 Euro erhalten. Mit dieser „Pürzelprämie“ sollen in Mecklenburg-Vorpommern zusätzlich 30.000 Schwarzkittel zur Strecke gebracht werden.

In Kiel ist zu einer „Abschussprämie“ noch keine Entscheidung gefallen. Allerdings laufen die entsprechenden Verhandlungen zwischen Landwirtschafts- und Finanzministerium. Zudem prüft das Landwirtschaftsministerium, ob Jägern unter engen Voraussetzungen die Nutzung von Nachtzielgeräten ermöglicht werden kann. „Das wäre eine ergänzende Maßnahme zur Tierseuchenbekämpfung. Sie kann aber nur erlaubt werden, wenn das Innenministerium keine Sicherheitsbedenken hat. Hier werden wir uns eng mit den Kollegen abstimmen“, erklärt Habeck. Der Einsatz von Nachtsichtgeräten gilt unter Jägern jedoch grundsätzlich als unwaidmännisch.

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