79 MELDEPFLICHTIGE EREIGNISSE

Pleiten, Pech und Pannen in schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken

Kay Müller, SHZ
Kiel
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Foto: dpa

Die AKW in Brokdorf und Brunsbüttel liegen bei den meldepflichtigen Ereignissen bundesweit an der Spitze.

In Brokdorf waren es zehn, in Brunsbüttel acht. Die Rede ist von sogenannten meldepflichtigen Ereignissen in Kernkraftwerken, bei denen durchaus auch mal Radioaktivität im Sicherheitsbereich austreten kann. Bei diesen Pannen lagen die beiden schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke im vergangenen Jahr an der Spitze aller deutschen Meiler. In allen Atomanlagen kam es 2018 insgesamt zu 79 meldepflichtigen Ereignissen, kein Kernkraftwerk blieb davon verschont, erklärt Jochen Stay von der Anti-Atom-Initiative „Ausgestrahlt“: „Eine höhere Zahl gab es zuletzt 2011.“

Doch warum gibt es diese Ereignisse besonders häufig in schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken?

Die Pannen könnten sich sicherheitstechnisch stark unterscheiden. So sei der Defekt einer Elektronikbaugruppe, die ausgetauscht werden könne, nicht mit einer Rohrleitungsleckage in einem Sicherheitssystem vergleichbar. „Beide können jedoch als ein meldepflichtiges Ereignis gezählt werden.“

Es gab auch Leckagen

Allerdings gibt auch das Ministerium zu, dass es „in der Vergangenheit auch Ereignisse gab, bei denen „an Systemen mit radioaktiven Stoffen Leckagen entstanden sind“, so Touré. Die Systeme befänden sich im Kontroll- oder Überwachungsbereich. „Der Kontrollbereich ist für den Umgang mit radioaktiven Stoffen ausgelegt. Ein unkontrollierter Austritt von radioaktiven Stoffen aus der Anlage in die Umgebung lag dabei nicht vor.“

Für Jochen Stay steht dabei fest: „Manchmal ist es einfach nur Glück, dass ein defektes Bauteil erkannt wird, bevor es zu einem radioaktiven Leck kommt.“ Für die Atomkraftgegner ist klar, dass viele Mängel altersbedingt sind. Stay: „Je älter die Anlagen werden, umso anfälliger wird die Technik. Deshalb fordern wir, die sieben noch laufenden AKW jetzt abzuschalten und nicht darauf zu warten, bis ein unkontrollierbarer Störfall auftritt.“ Ministeriumssprecher Touré sagt hingegen: „Eine unzulässige Häufung von alterungsbedingten Ereignissen konnte in Schleswig-Holstein bisher nicht festgestellt werden.“

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