KUNSTSTOFF AUS SCHLESWIGER KLÄRWERK

Plastik in der Schlei: Umweltverschmutzung weitet sich aus

Sven Windmann/ Edwin Weißbeck/ shz.de
Schleswig
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Viele kleine Plastikteilchen finden sich entlang den Ufern der Schlei. Foto: shz.de

Der Kreis untersucht das komplette Schleiufer auf abgelagerte Plastikteilchen. Erste Reinigungsmaßnahmen wirkungslos.

Wie groß die Katastrophe tatsächlich ist, zeigt sich auch am stetig wachsenden öffentlichen Interesse. Am Montagabend wurde im Rahmen der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ (in der Mediathek ab Minute 25) erstmals vor einem bundesweiten Publikum über die Verschmutzung der Schlei mit Millionen von Plastikstückchen berichtet. Inzwischen arbeitet auch das Magazin „Der Spiegel“ an einer Geschichte über den Umweltskandal.

Und tatsächlich: Wer einmal etwa über die Wiese an der Schlei-Badestelle in Brodersby-Burg spazieren geht und dabei aufmerksam seinen Blick nach unten richtet, der wird entsetzt sein. Allein dort liegen unzählige der wenige Millimeter kleinen Teilchen. Und man fragt sich unweigerlich: Wie konnte das passieren – und wie bekommt man diesen Müll jemals wieder raus aus der Natur?

Um beide Fragen zu beantworten, arbeitet man bei der Unteren Naturschutzbehörde im Schleswiger Kreishaus jetzt auf Hochtouren. Leiter Thorsten Roos hat eine sogenannte Task-Force gebildet, die besetzt ist mit Experten aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Umweltschutz und Technik. „Wir müssen jetzt genau ermitteln, welche Bereiche der Schlei besonders betroffen sind. Dabei haben wir keine Zeit zu verlieren“, erklärte Roos am Dienstag bei einem Pressegespräch mit anschließendem Ortstermin in Brodersby.

Uferbereiche werden genau untersucht

Inzwischen haben Mitarbeiter der Behörde damit begonnen, verschiedene Uferbereiche genau unter die Lupe zu nehmen. Dazu wurde die gesamte Schlei in ein Rastergitter mit je einem Kilometer Kantenlänge eingeteilt. Die einzelnen Bereiche werden jetzt nach und nach abgegangen und begutachtet. Dazu haben die Kreismitarbeiter einen sogenannten Referenzquadranten (ein ein Quadratmeter großer Holzrahmen) dabei, der alle 100 Meter postiert wird. Dann wird nachgezählt, wie viele Plastikteilchen innerhalb des Rahmens zu finden sind. Das wird hochgerechnet auf den jeweiligen Uferabschnitt, die GPS-Koordinaten werden gespeichert und dann sämtliche Daten im Kreishaus erfasst.

„Wir haben eine ganz neue Systematik entwickelt. Wir erhalten hierdurch fundierte Kenntnisse über das Ausmaß der Verschmutzung und können den Stadtwerken so genau sagen, wo, wie und wann sie zu reinigen haben“, erklärte Roos, der noch einmal betonte, dass seine Behörde sämtliche Reinigungsarbeiten sowohl koordiniere als auch begleite und bewerte.

Erste Reinigungsmaßnahmen ohne großen Erfolg

Dass die Stadtwerke am Dienstag ein Unternehmen beauftragt hatten, in Brodersby am Strand aufzuräumen (was offenbar nur unzureichend klappte), ohne dass man im Kreishaus davon wusste, stieß bei Roos und seinen Kollegen entsprechend auf wenig Verständnis. „Zumal die bisherigen Einsätze leider nur bedingt erfolgreich waren“, so Roos. Auf Reesholm etwa, wo am Freitag fast 100 Helfer säckeweise Schilf eingesammelt hatten, in dem sich die Plastikstücke verfangen hatten, müsse man wahrscheinlich von vorne anfangen. Bereits am Dienstag wurde dort deshalb erneut gearbeitet, ebenso wie am Brautseegraben.

Verschmutzung weiter fortgeschritten als gedacht

Nach den ersten Begehungen steht indes schon fest, dass die Verschmutzung der Schlei bereits weiter fortgeschritten ist, als bislang gedacht. So haben Proben ergeben, dass in der Kleinen und Großen Breite sowohl das nördliche als auch das südliche Ufer betroffen ist. Da auch Plastik im Bereich Fleckeby gefunden wurde, sind inzwischen auch die zuständigen Behörden des Kreises Rendsburg-Eckernförde alarmiert. Zudem wurden auch in Arnis Plastikstücke gefunden – also deutlich östlich der Missunder Enge, von der man bislang annahm, dass dort die Verschmutzung endet.

Am Mittwoch wollen sich Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs, Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen und Landrat Wolfgang Buschmann gemeinsam den Fragen der Presse zu dem Umweltskandal stellen. Am Nachmittag tagt dann der Werkausschuss in der Kläranlage.

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