Klimaneutralität

Das Norddeutsche Reallabor wird vorgestellt

Das Norddeutsche Reallabor wird vorgestellt

Das Norddeutsche Reallabor wird vorgestellt

Michael Kierstein/shz.de
Kiel/Hamburg
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Grüner Wasserstoff könnte in Zukunft deutlich öfter eingesetzt werden. Foto: BMBF

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Am Mittwoch wurde das Norddeutsche Reallabor vorgestellt. Ziel ist, grünen Wasserstoff wettbewerbstauglich zu machen.

Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg gehen Hand in Hand bei der Suche nach alternativen Energien. Dazu haben sie am Mittwoch das Norddeutsche Reallabor ins Leben gerufen.

Mehr als 50 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wollen in den kommenden fünf Jahren die Weichen für eine klimaneutrale Energieversorgung für Industrie, Wärme und Verkehr stellen. Insgesamt sind Investitionen von mehr als 300 Millionen Euro geplant.

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert die Anstrengungen mit rund 52 Millionen Euro. Der Fokus der Zusammenarbeit liegt dabei auf grünem Wasserstoff, der durch Windenergie produziert wird.

Große CO2 Einsparungen

Pro Jahr könnte durch diese Technologie eine halbe Million Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Das große Ziel ist die Klimaneuträlität der Industrie. Dafür bildet der Norden eine ideale Testfläche. So wird in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern viel Energie aus Windstrom gewonnen, der sich zu Wasserstoff umwandeln lässt. Hamburg hingegen hat aufgrund ihrer Industrie einen Bedarf an großen Mengen Energie. In Schleswig-Holstein sind vor allem die Orte Brunsbüttel und Haurup Zentren des Labors.

An diesen beiden Knotenpunkten laufen leistungsstarke Stromnetze zusammen und es wird viel Windenergie erzeugt. Diese soll auch lokal genutzt werden, um beispielsweise wasserstoffbetriebenen Schwerlastverkehr zu testen. So ist in Haurup der Kern der Wasserstoffproduktion Schleswig-Holsteins.

Brunsbüttel vereinigt mehrere Stärken. Neben der Produktion von grünem Wasserstoff ist hier auch Industrie angesiedelt, die diese Energieform nutzen kann. Außerdem wird hier aus Wasser und Strom ein brennbares Gas zur Energieversorgung gewonnen. Hinzu kommen Tankstellen für Wasserstoff- oder Elektro-Fahrzeuge.

Ambitionierte Ziele

„Wir haben ambitionierte Klimaziele“, sagte Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Die Zusammenarbeit könne dazu führen, dass schon 2035 der CO2-Ausstoß um 75 Prozent reduziert werde. Gleichzeitig brauche man besonders für den Schiffverkehr Wasserstoff, um diese sauber betreiben zu können und so die Klimaziele zu erreichen.

Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht stimmte dem Hamburger zu. „Um das zu erreichen, muss grüner Wasserstoff aber preislich wettbewebsfähig sein“, sagte er. Auch das soll in den kommenden Jahren erforscht werden. Am Ende sollen auch für andere Regionen Europas Aussagen darüber getroffen werden können, wie und vor allem bei welchen Projekten grüner Wasserstoff eine echte Alternative zu fossilen Brennstoffen sein kann. „Wir müssen jetzt Dampf in die Wasserstoffindustrie bringen“, fordert Albrecht.

Die Weichen dafür sind gestellt. Denn schon jetzt produziert der Norden deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien, als er verbraucht. Nun soll erforscht werden, wie dieser anderweitig nutzbar gemacht werden kann.

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