Plus von bis zu zehn Prozent

Die neue Lust an Politik: Parteien in SH haben starke Mitgliederzuwächse

Die neue Lust an Politik: Parteien in SH haben starke Mitgliederzuwächse

Die neue Lust an Politik: Parteien in SH haben starke Mitgliederzuwächse

Dieter Schulz/shz.de
Kiel
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Alle Parteien im Landtag können sich über Neumitglieder freuen. Foto: dpa

Seit diesem Jahr verzeichnen die Landesparteien so viel Neueintritte wie lange nicht.

Die Schleswig-Holsteiner interessieren sich wieder mehr für Politik: Nachdem bei der Landtagswahl am 7. Mai bereits wieder mehr Menschen an die Wahlurnen gegangen waren, vermelden jetzt die Parteien steigende Mitgliederzahlen. So wuchs der Landesverband der Grünen allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von 2360 auf 2480 Mitglieder. „Wir freuen uns darüber, dass sich immer mehr Menschen dafür entscheiden, sich aktiv bei den Grünen in Schleswig-Holstein einzubringen und die gesellschaftliche sowie politische Entwicklung mitzugestalten“, freut sich der Landesvorsitzende Arfst Wagner über das Plus von 5,1 Prozent und kündigt an: „Diese Verstärkung so kurz vor der Bundestagswahl ist ein starkes Signal für Grüne Politik und motiviert noch einmal mehr. Wir werden in den kommenden Wochen gemeinsam mit den vielen Neumitgliedern durchstarten.“

Auch bei der CDU registriert Landesgeschäftsführer Vitalij Baisel steigende Mitgliederzahlen – und das erstmals seit Jahren. Aktuell zählt der Landesverband 19492 Mitglieder (Stand 31. Juli) und damit knapp 50 mehr als zum Jahresbeginn. Als Gründe führt Baisel die erfolgreiche Arbeit der letzten Monate an: „Mit einem dynamischen Landtagswahlkampf konnten wir viele Menschen neu für die Inhalte der CDU gewinnen. Dabei beobachten wir, dass das Interesse der Menschen für Politik insgesamt wieder steigt und viele auch aktiv mitmachen wollen. Davon profitieren wir als CDU.“

Einen Mitgliederzuwachs kann auch Doris von Sayn-Wittgenstein für die AfD vermelden. Hier stiegen die Zahlen seit Januar um fünf Prozent auf jetzt knapp 1000. Die Landesvorsitzende ist jedoch skeptisch, ob bestimmte Ereignisse wie zum Beispiel die US-Wahlen den Mitgliederzuwachs ausgelöst haben. Nach ihrer Einschätzung passiere „vieles aus dem Bauch heraus.“ Allerdings würden viele Leute in Schleswig-Holstein erkennen, dass man sich engagieren müsse. Zudem habe sich die Landes-AfD gefunden und ihre Querelen hinter sich gelassen. Das würden die Menschen honorieren.

Bei der SPD traten im ersten Halbjahr 2017 fast doppelt so viele neue Mitglieder ein wie im gesamten Jahr 2016 – Landesgeschäftsführer Christian Kröning konnte sich über 861 Neueintritte freuen. Der SPD-Landesverband wuchs von 16911 auf 17382 Mitglieder. „Wir freuen uns über den positiven Trend bei der Entwicklung unserer Mitgliederzahlen. Ich denke, dass ein Grund dafür eine gewisse Repolitisierung der Gesellschaft ist. Gerade auch im Hinblick auf die jüngeren politischen Entwicklungen in Deutschland und in der Welt scheint es den Leuten wichtig zu sein, dass es in unserer Gesellschaft einigermaßen gerecht zugeht und darum, ein Zeichen gegen Rechtspopulismus zu setzen. Mein Eindruck ist, dass sich mehr Menschen wieder auf die demokratischen Werte besinnen und sich entsprechend engagieren wollen“, so Kröning.

Stark zugelegt haben auch die Liberalen. Der FDP-Landesverband zählt gewärtig 2281 Mitglieder, zum Jahreswechsel waren es nur 2061. Knapp elf Prozent Zuwachs, nachdem die Mitgliederzahlen im Jahr davor eher stagnierten.

Ein wachsendes Interesse an Politik und innerparteilicher Teilhabe registriert auch der SSW, so der Pressesprecher der Partei, Per Dittrich. Allerdings habe es die Partei generell schwer zu wachsen. Die Mitgliederzahlen lägen seit längerem bei etwa 3500 und seien stabil.

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