Minderheit

Erneut Übergriffe auf sorbische Jugendliche

Erneut Übergriffe auf sorbische Jugendliche

Erneut Übergriffe auf sorbische Jugendliche

Janek Schäfer, Serbske Nowiny
Schönau
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In Schönau gab es eine Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe von Personen, die aus dem rechten Spektrum stammen sollen, und sorbischen Jugendlichen. Foto: Politi.dk

In der Oberlausitz ist es erneut zu Übergriffen auf sorbische Jugendliche gekommen.

Wie die Polizei bestätigte, kam es in der Nacht zum 8. Febraur in Schönau (Gemeinde Ralbitz-Rosenthal) zu „verbalen Auseinandersetzungen und Körperverletzungen“. Wie der erste Polizeihauptkommissar und Leiter des Görlitzer Direktionsbüros André Schäfer mitteilte, „wurden der Polizei in der Nacht zum Samstag körperliche Auseinandersetzungen an einer Lokalität in Schönau gemeldet“. Dabei wurden ein 20- und ein 21-Jähriger leicht verletzt.

Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen

Die Polizeidirektion Görlitz teilte auf Anfrage konkret mit, dass es vor dem Gasthaus in Schönau zu Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe von Personen, die aus dem rechten Spektrum stammen sollen, und sorbischen Jugendlichen gekommen war. „Bei Eintreffen der Beamten gab es keine Auseinandersetzungen mehr. So nahmen sie vor Ort die Ermittlungen auf“, erläuterte Pressesprecherin Katharina Korch.

Unter anderem wurden Beteiligte befragt, Identitäten festgestellt und auch Spuren gesichert. Unterdessen liegen der Polizei drei Anzeigen wegen des Verdachts und wegen versuchter Körperverletzung in Tateinheit mit Sachbeschädigung und Beleidigung gegen zwei mutmaßliche Täter vor. Mehr könne man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Mittlerweile hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Ein rechtsradikaler bzw. politisch motivierter Hintergrund werde nicht ausgeschlossen.

Domowina verurteilt Tat

Der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik hat die erneuten Attacken scharf verurteilt. „Es gibt offenbar einen harten Kern antisorbisch eingestellter Jugendlicher, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, um ihren Hass in krimineller Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Domowina verurteilt diese Taten aufs Schärfste und erwartet konsequente Strafverfolgung“, so Statnik. „Die Domowina werde weiterhin betroffenen Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite stehen und die Zusammenarbeit mit der Polizei fortsetzen.“

Domowina

Die Domowina ist der Dachverband sorbischer Vereine und Vereinigungen mit Sitz im Haus der Sorben in Bautzen.

Zumal sie in den letzten Jahren festgestellt hat, dass die Polizei zunehmend sensibler mit dieser Problematik umgeht. „Die Täter gehen offenkundig fälschlicherweise davon aus, dass sie im Einvernehmen mit vielen anderen handeln. Deshalb müssen solche Taten als Störung des Zusammenlebens in der Region unmissverständlich und nachdrücklich in der Öffentlichkeit geächtet werden. Zudem hoffen wir auf Gerichtsurteile, die ihre abschreckende Wirkung nicht verfehlen“, so Statnik.

Bereits 2014 und 2018 ist es zu Übergriffen auf sorbische Jugendliche gekommen. Diese sorgten in ganz Deutschland und im Ausland für Empörung. Nicht nur deutsche Medien, sondern auch Minderheitentageszeitungen aus ganz Europa haben darüber berichtet unter anderem in Spanien, Italien, Dänemark und Slowenien. Die damaligen Ermittlungen der Polizei blieben aber erfolglos und ohne große Auswirkungen.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Minderheiten-Paket“