EINGEFÜHRT UND UNERWÜNSCHT

Diese invasiven Arten sorgen für Probleme in Schleswig-Holsteins Natur

Diese invasiven Arten sorgen für Probleme in Schleswig-Holsteins Natur

Diese invasiven Arten sorgen für Probleme in SH

dpa/shz.de
Flintbek
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„Amerikanischer Stinktierkohl“ breitet sich in einem Moor in Deutschland aus. Foto: Imago images/shz.de

Muntjak, Asiatische Hornisse, Nandus oder Amerikanischer Stinktierkohl – sie alle stehen bei Umweltschützern auf der Bann-Liste.

Der Muntjak ist ein kleiner Hirsch mit Vampirzähnen. Ausgewachsen wird das ursprünglich in Asien lebende Tier nicht so groß wie unser heimisches Reh. Doch Schleswig-Holsteins Tierschützern bereitet das Tier mit dem wissenschaftlichen Namen Muntiacus reevesi große Sorgen.

Er gilt als invasive gebietsfremde Art, wie Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sagt. Spaziergänger entdeckten die Tiere erstmals Ende März dieses Jahres in einem Waldstück östlich von Kosel im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Er gilt als invasive gebietsfremde Art, wie Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sagt. Spaziergänger entdeckten die Tiere erstmals Ende März dieses Jahres in einem Waldstück östlich von Kosel im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Mindestens acht Muntjaks waren es damals, schätzt das Landesamt. Vermutlich brachen sie aus einem Privatgehege aus. Vier Tiere konnten wieder eingefangen werden, sagt Schmidt. „Zwei weitere Tiere sind im Straßenverkehr und ein Verfangen in einem Zaun verendet. Es ist nun wichtig, dass eine Fortpflanzung und damit eine Etablierung der Tiere in Kosel und Umgebung verhindert wird.“

In Kosel wurde mehrere sogenannte chinesische Muntjaks gesehen, zwei wurden sichergestellt. Foto: Privat/shz.de

Damit sollen negative Auswirkungen auf die vorhandenen Ökosysteme, Lebensräume und Arten verhindert werden. „Hier geht es vor allem um eine Konkurrenzsituation zum einheimischen Rehwild“, erklärt Schmidt. Naturschützer zählen den Muntjak zu den Neobiota – also Neubürgern.

Das sind alle gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern ab dem Jahr 1492 durch Menschen eingeführt wurden, heißt es beim Bundesamt für Naturschutz.

Heimische Tierarten werden bedroht

Zu den jüngsten Neubürgen Norddeutschlands zählt auch die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax). Ein einzelnes Tier wurde in Hamburg im September 2019 entdeckt, weiß Henrike Ruhmann vom Landesamt. Ein halbes Jahr später im Frühling 2020 fanden Naturschützer ein ganzes Nest in der Hansestadt.

„Der Fund in Hamburg stellt den bisher nördlichsten Fund in Deutschland dar“, sagt Ruhmann. Ursprünglich stammt die Asiatische Hornisse aus dem südostasiatischen Raum. Bei uns tritt sie in Konkurrenz zur einheimischen Hornisse (Vespa crabro). Naturschützer befürchten außerdem negative Auswirkungen auf die Honigbiene und andere Insekten, die in ihr Beutespektrum fallen.

Auch Neophyten machen erhebliche Probleme

Doch nicht nur Tiere, auch Pflanzen werden eingeschleppt. Es gibt über 2000 dieser so genannten Neophyten in Deutschland, weiß Simon Kellner vom Dezernat Biodiversität im Landesamt. „Nur ein kleiner Teil dieser Pflanzen schafft es, sich in der neuen Umwelt zu etablieren. Die meisten verschwinden wieder.“

Kleinblütiges Springkraut lässt bei Sonneneinstrahlung die Blätter hängen. – Quelle: https://www.shz.de/28502307 ©2020 Foto: wiki/ccO/shz.de

Einige finden eine Nische in den heimischen Lebensgemeinschaften, wie zum Beispiel, das Kleinblütige Springkraut (Impatiens parviflora), ein Neubürger aus Zentralasien. Andere etablierte Neuankömmlinge haben jedoch „erhebliche negative Auswirkungen auf das heimische Ökosystem, die Gesundheit oder die Wirtschaft“. Sie gelten als invasiv.

Dazu gehört die Gelbe Scheincalla (Lysichiton americanus), eine imposante Pflanze, die zurzeit in Schleswig-Holstein blüht. Ihre eiförmigen Blätter können über einen Meter lang und bis zu 70 Zentimeter breit werden. Wegen ihres unangenehmen Geruchs wird sie auch „Amerikanischer Stinktierkohl“ genannt. Die Pflanze kam Anfang des 20. Jahrhunderts als Gartenpflanze nach Deutschland.

„Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass die Scheincalla unkontrolliert große Bestände bildet und andere, weniger konkurrenzstarke Arten, wie das Sumpfveilchen (Viola palustris), den Rippenfarn (Blechnum spicant) oder die Torfmoose (Sphagnum sp.) durch Beschattung verdrängt“, sagt Kellner. Seit 2016 sind Handel, Transport, und Besitz der Gelben Scheincalla verboten.

Zu den bekanntesten invasiven Pflanzen gehört der Riesen-Bärenklau oder Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum). Sie kommt ursprünglich aus dem Kaukasus und kann bis zu vier Meter hoch wachsen. Noch bis in die 1980er Jahre wurde sie in Gartencentern angeboten. Heute führen Naturschützer einen heftigen Kampf gegen die giftige Pflanze.

Die Herkulesstaude oder auch „Riesenbärenklau“ – Quelle: https://www.shz.de/28502307 ©2020 Foto: Gemeinde Sylt /shz.de

Der Verband der „Naturfreunde Schleswig-Holstein“ rückt ihr in diesen Tagen mit dem Spaten zu Leibe. Mitte Mai haben die Naturfreunde an der Ostsee in Wackerballig (Kreis Schleswig-Flensburg) ihre Ausgrabaktionen gestartet.

Das Nadelkraut Foto: Rolf Ziehm/shz.de

Auch das Nadelkraut (Crassula helmsii) – eine immergrüne Wasserpflanze aus Australien und Neuseeland – gilt als invasiv. Sie wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Aquarien- und Teichpflanze angeboten. „Dass das Angebot im Handel invasive Arten wie das Nadelkraut beinhaltet, ist den Käufern oft nicht bewusst“, sagt Henrike Ruhmann vom LLUR: „Nur eine Handvoll invasiver Pflanzenarten unterliegt bisher einem europaweiten Handelsverbot.“

Auch die Nandus am Ratzeburger See stehen im Fadenkreuz, zumal die Laufvögel vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ein Problem im Straßenverkehr darstellen und bald bejagt werden dürfen. Landwirte klagen über Ernte-Einbußen, weil Nandu-Trupps vor allem Rapsfelder heimsuchen. Schleswig-Holstein ist beim Thema Jagdfreigabe bislang zurückhaltend. Das Umweltministerium sehe keine Notwendigkeit, hieß es Ende Januar aus Kiel. Wenn große wirtschaftliche Schäden vorlägen, sei aber ein vereinzelter Abschuss von Tieren möglich.

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