Analyse liegt vor

Dänischer Wolf reißt deutsche Schafe – Abschuss droht

Christian Uthoff/Cindy Ahrens/shz
Westerhorn/Heede
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Foto: Monika Skolimowska/ZB/dpa

Ein Wolf aus Dänemark riss mehrere Schafe im Kreis Pinneberg. Weitere Vorfälle werden noch untersucht. Das Aktionsbündnis Forum Natur fordert wolfsfreie Zonen.

Nun steht es fest: Der junge Wolf aus Dänemark, der seit Monaten durch den Kreis Pinneberg zieht, hat Ende November einen wolfssicheren Zaun in Westerhorn überwunden. Wie Martin Schmidt, Pressesprecher des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) am Montagnachmittag mitteilte, hat das Tier, das auch unter der Kennung GW 924m bekannt ist, am 28. November zwei Schafe einer Herde der Schäfer Nicole und Volker Kruse schwer verletzt. Beide mussten später eingeschläfert werden. Das Land hatte bereits nachgewiesen, dass es sich bei dem Angreifer im November um einen Wolf gehandelt hatte, nun steht auch das genaue Individuum fest.

Debatte über Abschuss

GW 924m ist laut LLUR außerdem für die Risse am 14. November bei Rethwisch, am 17. November bei Aukrug, am 26. November bei Moordiek und am 28. November bei Rethwisch verantwortlich. Bei weiteren Rissen wird noch untersucht, ob der Angreifer ein Wolf war – und wenn ja, um welchen es sich handelte. Gestern kam ein weiterer Fall in Heede dazu. GW 924m hat in der Vergangenheit immer wieder Nutztiere im Kreis Pinneberg attackiert und steht im Verdacht, auch weitere Weidetiere hinter wolfssicheren Zäunen gerissen zu haben. Mittlerweile wird sogar über einen Abschuss debattiert.

Weitere verletzte Schafe in Heede

Der Fall in Heede sorgte am Montagmorgen für Aufregung: Dort waren zwei gerissene Schafe entdeckt worden. Schafzüchterin Gabriele Belch fand die Tiere bei ihrem morgendlichen Kontrollgang: „Ein Schaf war schon tot, eines war so schwer verletzt, dass wir es erlösen mussten, und drei Tiere wurden am Hals verletzt.“ Letztere versuche sie noch zu retten, denn die Schafe sollen in 14 Tagen lammen. Ob es sich bei dem Angreifer um einen Wolf handelt, untersucht das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. „In zirka drei Wochen bekommen wir die Ergebnisse“, sagte Jens Matzen, Koordinator der Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein, auf Anfrage von shz.de.

Mehr als 1000 Wölfe gibt es nach Schätzungen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) inzwischen bundesweit. Foto: dpa

Für Belch waren es nicht die ersten Tiere, die von einem Wolf gerissen wurden. Der erste Vorfall in ihrer Herde ereignete sich im Oktober, damals wurden drei Schafe getötet. Mittlerweile habe die Züchterin schon zehn Tiere verloren – obwohl die Weide mit einem wolfssicheren Zaun mit 8000 Volt geschützt wird.

Forum Natur will Zahl der Wölfe begrenzen

Das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) fordert gar ein Wolfsmanagement mit begrenzten Beständen und wolfsfreien Zonen. Mehr als 1000 Wölfe gebe es nach Schätzungen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) inzwischen bundesweit, sagte DJV-Sprecher Torsten Reinwald. Ihre Zahl wachse jedes Jahr um etwa 30 Prozent. „Eine Verdopplung innerhalb von drei Jahren ist realistisch. Damit nehmen die Konflikte weiter zu“, meinte er.

Die im AFN zusammengeschlossenen Verbände der Grundeigentümer und Landnutzer forderten anlässlich der Agrarministerkonferenz in Berlin in einem eigenen Managementkonzept ein aktives Eingreifen in die Wolfsbestände. Danach sollen die einzelnen Bundesländer eine Obergrenze definieren, die auch die Weidetierwirtschaft garantiert.

Wolfsmanagement: Drei Kategorien

Die Initiatoren sprechen sich für drei Kategorien aus. So sollen sich die Wölfe in Schutzarealen wie großen Waldgebieten oder auf Truppenübungsplätzen unbeeinflusst entwickeln. In Managementarealen soll der Wolf grundsätzlich toleriert werden, seine Bestände sollen aber auf Basis der Akzeptanzgrenzen in den einzelnen Ländern reduziert werden. In Ausschlussarealen mit hohem Konfliktpotenzial sollen territoriale Rudel nicht geduldet werden. Dazu gehören etwa städtische Bereiche und Gebiete mit intensiver Weidetierhaltung.

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