Film-Doku

Wie aus dem Kriegs-Flugplatz ein Bio-Energie-Park wurde

Wie aus dem Kriegs-Flugplatz ein Bio-Energie-Park wurde

Wie aus dem Kriegs-Flugplatz ein Bio-Energie-Park wurde

Klaus-Dieter Rauhut/shz.de
Eggebek/Eggebæk
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Die Gemeinde entschied sich, aus dem Flugplatz einen gewerblichen Bio-Energie-Park zu machen. Foto: GPC-Gewerbepark Eggebek

Hans-Peter Carstensen möchte die Geschichte des heutigen Gewerbegebiets aufarbeiten. Der ehemalige Tower soll restauriert werden.

Filmisch möchte Hans-Peter Carstensen, Eigentümer der GPC-Gewerbepark Eggebek GmbH und damit des etwa 400 Hektar großen Areals des ehemaligen Flugplatzes in Eggebek, die wechselhafte Geschichte des Geländes lebendig erhalten.

Die Filmcrew auf dem Tower bei den Dreharbeiten: Im Tower des ehemaligen Flugplatzes soll eine geschichtliche Ausstellung entstehen. Foto: Klaus-Dieter Rauhut

„Derartige Veränderungen, Ereignisse und Zusammenhänge der Vergangenheit, die unsere Region mit geprägt haben, geraten schnell in Vergessenheit", sagte Carstensen. „Wir haben in der Vorbereitung viel Material und Wissenswertes vom Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum der Marine in Flensburg, von ehemaligen Piloten des Marinefliegergeschwaders 2 und dem Chronisten Christian Sönnichsen aus Langstedt zusammentragen können, um die ersten Anfänge des Flugbetriebs in Eggebek darstellen zu können”, erzählt der rührige Handewitter Speditionsunternehmer.

Foto: GPC-Gewerbepark Eggebek

Bau des Feldflugplatzes

Zu Filmaufnahmen auf dem Gelände traf sich die Crew der Falkenberg-Filmgesellschaft. Sie ist seit vier Jahren von Flensburg aus tätig und hat auch schon weltweite Reportagen, z.B. über gefährliche Schulwege für Galileo/Sat 1, gedreht hat. Zu Beginn des Films wird der Bau des Feldflugplatzes Eggebek kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs mit drei Startbahnen im Dreieck anhand von Archivmaterial geschildert. Anfänglich wurde er vorwiegend zur Pilotenschulung genutzt, später wurden Fliegergeschwader stationiert, die sowohl zur Versorgung Deutscher Truppen in Skandinavien als auch für Bombardierungen in England eingesetzt wurden.

Gegen Ende des Krieges wurde der Flugplatz durch Bombenangriffe der Alliierten zum größten Teil zerstört. Daher werden in den beiden Gemeinden Eggebek und Langstedt noch Blindgänger im Boden vermutet, so dass Bauvorhaben in den beiden Gemeinden nach einer Verordnung des Landes der Prüfung des Kampfmittelräumdienstes bedürfen.

Das Areal von oben. Foto: GPC-Gewerbepark Eggebek

Neuaufbau bis 1960

Nach der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik wurde der Flugplatz Eggebek neu aufgebaut und im November 1960 durch den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß eingeweiht. Eggebek wurde Standort des Marinefliegergeschwaders 2 (MFG 2), dass die Aufklärung über der Nord- und Ostsee für die Marine mit dem Starfighter und später dem Tornado sicherstellte. Die Infrastruktur sowie die Kasernen wurden aufgrund einer Nato-Richtlinie im fünf Kilometer entfernten Tarp errichtet.

2005 wurde der Flugplatz geschlossen

Im Rahmen der Abrüstung wurde das MFG 2 unter großem Protest aus der Bevölkerung dieser Region unter Verteidigungsminister Peter Struck aufgelöst und der Flugplatz Eggebek Ende 2005 geschlossen. Bereits vor der endgültigen Schließung gaben Amt und Gemeinde Eggebek umfangreiche Untersuchungen und Studien zur zukünftigen Nutzung des Geländes in Auftrag.

Eine der größten Solaranlagen

Aus einer Vielzahl unterschiedlicher Vorschläge entschied sich die Gemeinde mit Unterstützung des Landes für die Ausweisung eines gewerblichen Bio-Energie-Parks. So wurden im Rahmen der Konversion in den letzten 15 Jahren auf über 120 Hektar eine der größten Solaranlagen Deutschlands errichtet, die mit ihrer Leistung 25.000 Haushalte mit Strom versorgen kann.

Die Solaranlage kann bis zu 25.000 Haushalte mit Strom versorgen. Foto: GPC-Gewerbepark Eggebek

Eine Windkraftanlage dient auch für Forschungszwecke der Flensburger Fachhochschule, verschiedene kleinere und größere Gewerbebetriebe siedelten sich an, Recyclingunternehmen bereiten Resourcen sparend Materialien wieder auf, die Dekra führt Materialtests durch und die Landespolizei unterhält ein Übungs- und Ausbildungszentrum.

Ein kurzes aber besonderes Kapitel war die Schaffung einer Gemeinschaftsunterkunft für 1000 Asylsuchende seitens des Landes, die nach drei monatigem Betrieb wieder geschlossen wurde und deren Container zum Teil noch heute aus dem Gelände stehen.

Tower soll saniert werden

Mit der bisherigen gewerblichen Entwicklung des Bio-Energie-Parks ist Hans-Peter Carstensen ganz zufrieden, obwohl die Gewerbeansiedlung im nördlichen Schleswig-Holstein aufgrund der Infrastruktur sehr schwierig ist, wie er betont. Neben dem Film möchte er auch den Tower als markantes Wahrzeichen des ehemaligen Flugplatzes sanieren und für repräsentative Zwecke herrichten.

„Ich möchte dort eine Bildergalerie installieren mit historischen Aufnahmen über die Entwicklung des Geländes in den letzten fast 100 Jahren. Eine Fülle von Aufnahmen und Dokumenten haben wir bereits, würde mich aber freuen, wenn wir von privater Seite noch Aufnahmen, Dokumente oder persönliche Erlebnisse übermittelt bekommen würden”, hofft Hans-Peter Carstensen auf Unterstützung für sein Projekt der Aufarbeitung der wechselhaften Geschichte des Flugplatzes Eggebek.

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