Sozialausschuss

Warmwasser für die Bewohner der Obdachlosenunterkunft

Warmwasser für die Bewohner der Obdachlosenunterkunft

Warmwasser für die Bewohner der Obdachlosenunterkunft

Marle Liebelt/shz.de
Schleswig
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In der Obdachlosenunterkunft im Ansgarweg gibt es 22 Wohneinheiten. Sie alle haben keinen Warmwasseranschluss. Foto: Joachim Pohl

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Warmwasserleitungen gibt es im Ansgarweg bislang nicht. Durchlauferhitzer in den 22 Wohneinheiten sollen das ändern.

Sie waschen sich mit kaltem Wasser, schlafen neben feuchten und schimmeligen Wänden und wenn sie heizen oder etwas kochen wollen, müssen sie sich Holz besorgen, um im Kachelofen ein Feuer zu machen. Was sich anhört wie der Alltag eines Dorfbewohners der 1960er Jahre, ist die Lebensrealität im Ansgarweg im Jahr 2021. Dort befindet sich die Obdachlosenunterkunft der Stadt.

Seit Jahren sind die Zustände der Unterkunft Thema im Sozialausschuss der Stadt. Dieser hat in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag der SPD beschlossen, der vorsieht, Durchlauferhitzer in den 22 Wohneinheiten zu installieren. Die Schleswigerin Ursula Eikmeier hat selbst bis vor Kurzem in einer der Zimmer gelebt. „Endlich tut sich was. Die Fenster sind einfach verglast, die Zimmer kalt und feucht und an den Wänden bildet sich Schimmel“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Tatsächlich – so die Rentnerin – käme die Stadt sogar den gesetzlichen Vorgaben nach. „Die sind das Problem. Sie sind veraltet und entsprechen nicht den heutigen Standards.“ Kommunen müssen also selbst die initiative ergreifen. Insofern freue Eikmeier sich, dass etwas über die Vorschriften hinaus passiert. Langfristig wünsche sie sich jedoch eine gesetzliche Grundlage, damit Obdachlose nicht dem guten Willen der Kommunen ausgesetzt sind.

Unter den einfachverglasten Fenstern bildet Schimmel. Foto: Ursula Eikmeier

„In der Unterkunft hatte ich ein Dach über dem Kopf. Viel mehr aber auch nicht“, sagt sie. Über die Zustände könne sie nur den Kopf schütteln. Obdachlose hätten sowieso mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Aber wenn jemand derart unwürdig leben müsse, sei es kein Wunder, wenn der ein oder andere irgendwann zur Flasche greift oder ungepflegt ist. „Stellen Sie sich mal vor, es ist Winter, das Zimmer feucht und kalt und sie müssen sich mit eiskaltem Wasser waschen“, so Eikmeier.

Ursula Eikmeier vor der Obdachlosenunterkunft im Ansgarweg im Januar. Im Hintergrund: Der Duschcontainer. Foto: Joachim Pohl

Zwar gebe es Duschcontainer, aber die sind draußen. Wegen der Pandemie hatte sie Angst, sich zu erkälten, was bei den Temperaturen und Hygienestandards in der Unterkunft schnell passiere. „Aber dann besteht ja gleich Verdacht auf Corona und man muss in Quarantäne.“

Für die Anschaffung und Installation der beschlossenen Durchlauferhitzer hat die Verwaltung rund 50.000 Euro veranschlagt.

Kritik seitens der CDU

Kritik an dem Vorhaben kam seitens der CDU, die für Diskussionsstoff sorgte. Helge Lehmkuhl merkte an, dass ihm die Summe recht hoch vorkomme und er dafür plädiere, andere Möglichkeiten der Warmwasserversorgung abzuwägen. Außerdem, so der CDU-Politiker, halte er die Durchlauferhitzer für keine geeignete Lösung, da diese anfällig für Vandalismus seien. Eine Annahme, die von den anderen Ausschussmitgliedern stark verurteilt wird: Den Bewohnern eine Affinität zum Vandalismus zu unterstellen sei vollkommen unangebracht, merkte Uwe Schröder von der Linken an. Auch Henrik Vogt von der SPD findet kein Verständnis für eine solche Annahme. Zumal sie völlig aus der Luft gegriffen sei, erklärt er auf SN-Anfrage. „Es gibt keine Zahlen, die ein erhöhtes Vandalismus-Problem in der Unterkunft belegen würden.“

Das sind keine Luxus-Forderungen, sondern einfach nur die Hoffnung auf eine würdige Unterkunft.

Ursula Eikmeier

Ursula Eikmeier kann sich dieser Kritik nur anschließen. Keiner der Bewohner habe ein Interesse daran, die eigene Warmwasserversorgung zu zerstören. „Natürlich kann mal was kaputt gehen, aber das passiert auch in Luxushotels.“

Sie freue sich jedoch, dass endlich Bewegung in die Sache kommt. „Das ist die richtige Entscheidung und längst überfällig. Hauptsache es geht voran“, sagt die Schleswigerin. Sie hoffe aber auch, dass die Installation der Durchlauferhitzer nur einer von noch weiteren Schritten sei. Besser isolierte Fenster, Heizkörper statt Kachelofen – „das sind keine Luxus-Forderungen, sondern einfach nur die Hoffnung auf eine würdige Unterkunft.“

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