SPD-Vorsitz

Simone Lange und Alexander Ahrens ziehen Bewerbung zurück

Simone Lange und Alexander Ahrens ziehen Bewerbung zurück

Simone Lange und Alexander Ahrens ziehen Bewerbung zurück

shz.de
Saarbrücken/Flensburg
Zuletzt aktualisiert um:
Alexander Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen, und Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, vor dem Beginn der Regionalkonferenz. Foto: dpa/Oliver Dietze

Die Flensburger Oberbürgermeisterin will stattdessen nun Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken unterstützen.

Riesenüberraschung, bevor es so richtig los geht: Der Rückzug als Kandidaten-Duo für die neue SPD-Spitze sei kein Abschied, betont Simone Lange gestern Abend, nachdem die Nachricht zunächst in den sozialen Medien die Runde machte.

Die Flensburger Oberbürgermeisterin und ihr politischer Partner und Bautzener Amtskollege Alexander Ahrens hätten ihre Entscheidung „ganz kurzfristig“ überlegt und ein paar Stunden diskutiert, sagte sie unserer Redaktion. Simone Lange erklärte, dass zum frühen Zeitpunkt ihrer Kandidatur noch überhaupt nicht absehbar gewesen sei, wie groß das Bewerberfeld für den neuen Vorsitz der Partei werden würde.

Statement für klares Votum

Bei inzwischen acht Paaren und einem Einzelbewerber, die antreten, „wollten wir sehr früh ein Statement abgeben“, weil die SPD „ein klares Votum“ brauche. Auch deshalb hoffe sie, dass sich im Verlaufe der 22 weiteren Regionalkonferenzen das Feld weiter sortiere.

„Es geht mir um die Sache“, unterstreicht Lange wiederholt und erklärt auch im Namen Ahrens’, „wir stehen weiterhin für unsere inhaltlichen Aussagen“. Dass die beiden beim Thema Umgang mit der AfD unterschiedlicher Meinung sind, verhehlt die Flensburger Verwaltungschefin und gebürtige Thüringerin nicht. „Das halten wir aus.“ Ahrens habe eine andere Herangehensweise und – in Bautzen – auch eine andere Situation. Dass es nichts gebracht habe, die AfD pauschal abzulehnen und deren Wähler als Nazis zu bezeichnen, sei deutlich. Der beste Weg müsse erst noch gefunden werden; zumindest medial wünsche sie sich eine differenziertere Betrachtung.

Unterstützung für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

Beide unterstützten nun aktiv ein Mitbewerber-Duo und seien in das Team eingeladen worden: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Hätte der frühere Finanzminister Nordrhein-Westfalens vor ihr kandidiert, sagt Simone Lange, wäre sie gar nicht erst angetreten. Borjans habe ihr gegenüber unter anderem einen entscheidenden Vorteil: „Er hat schlichtweg Zeit“, weil er kein Mandat habe. Er sei ein glaubwürdiger und standhafter Politiker, der inhaltlich genau treffe, was sie sich wünsche. Das Duo Esken/Borjans zeichne „eine integrative Kraft“ aus, genau das brauche die SPD jetzt. Alexander Ahrens und sie, sagt Lange, würden sich schließlich offenhalten, „ob wir am Ende für den Bundesvorstand kandidieren.“

Mitbewerber zeigen sich überrascht

Der schleswig-holsteinische Fraktionschef Ralf Stegner, der sich gemeinsam mit Gesine Schwan um den SPD-Vorsitz bewirbt, sagte am Mittwochabend unserer Redaktion: „Der Schritt war sicherlich für alle Beteiligten überraschend. Vor allem die Kreisverbände, die sie nominiert haben, werden verwundert sein.“ Stegner wollte das Thema nicht weiter kommentieren. Viel wichtiger sei der Auftakt in die Bewerbungsrunden gewesen. „Eine großartige Veranstaltung, ein klasse Abend. Ich bin sehr zufrieden.“ Der Rückzug Langes sei „eher eine Randnotiz“.

Die dritte Schleswig-Holsteinerin in der Runde, die Lauenburger Bundestagsabgeordnete Nina Scheer, die ein Tandem mit Karl Lauterbach bildet, kritisierte: „Wenn sich jemand aus dem Rennen nimmt, braucht er dafür keine Bühne.“ Sie habe darüber hinaus einen „reichhaltigen Abend“ mit vielen Positionierungen erlebt.

Die Suche nach einem neuen Vorsitz war nötig geworden, nachdem Andrea Nahles im Juni vom Partei- und Fraktionsvorsitz zurückgetreten war.

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