KZ-Gedenkstätte

Ladelund: Neuer „Weg des Gedenkens“

Ladelund: Neuer „Weg des Gedenkens“

Ladelund: Neuer „Weg des Gedenkens“

Dorthe Arendt/SHZ.de
Ladelund
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Enthüllten das Schild zum Weg des Gedenkens in Ladelund: Michael Kooij und Lutz Martensen. Foto: Dorthe Arendt

Leid und Unrecht der Vergangenheit zum Trotz: Putten und Ladelund sind seit Sonntag offiziell Partnergemeinden.

Zeichen setzen – unter diesem Motto stand der Volkstrauertag in Ladelund mit rund 150 Gästen aus den Niederlanden. Denn seit gestern weist ein Straßenschild auf den „Weg des Gedenkens“ hin. Er markiert eine Strecke, die mit Gewaltherrschaft, Leid und Tod verknüpft ist, vor allem für den niederländischen Ort Putten. Und doch haben am Sonntag die Orte Ladelund und Putten ihre Gemeindepartnerschaft offiziell besiegelt.

SS ließ 2.000 Häftlinge zwischen Humptrup und Ladelund Panzerabwehrgräben ausheben

Zusammengeführt hat die beiden Orte das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Vor 75 Jahren, vom 1. November bis 16. Dezember 1944, bestand in der Gemeinde Ladelund ein Konzentrationslager. Die SS ließ 2.000 Häftlinge aus zwölf Nationen zwischen Humptrup und Ladelund Panzerabwehrgräben ausheben. Innerhalb von sechs Wochen starben hier 300 Häftlinge aus zwölf Nationen, davon 110 aus Putten.

Schon wenige Jahre nach Kriegsende wurden von beiden Gemeinden erste Kontakte geknüpft, inzwischen sind Freundschaften entstanden. Das wurde gestern bei einer groß angelegten Gedenkaktion rund um die Ladelunder Einrichtung unter Leitung von Dr. Katja Happe mehr als deutlich.

Im Gedenken an die KZ-Opfer wurden Kränze niedergelegt. Foto: Dorthe Arendt

Besondere Geschichte von Putten und Ladelund

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“, zitierte etwa Pastor Hans-Joachim Stuck Dietrich Bonhoeffer im Gottesdienst mit Beträgen auf Dänisch, Niederländisch und Deutsch.

Bischof Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, ging auf die besondere Geschichte der Verbindung von Putten und Ladelund ein.

Versöhnung trotz Unrechts und Leids

Pastor Johannes Meyer und auch sein Nachfolger Harald Richter hätten Kontakt und die Begegnung mit Menschen aus Putten gesucht. „Und auch auf der anderen Seite wurde die Hand der Versöhnung ausgestreckt, trotz des Unrechts und Leids, das in Ladelund geschehen ist.“

Weiter erinnerte der Bischof daran, dass am Volkstrauertag das Gedenken auf alle ausgeweitet werde, die weltweit Opfer von Gewalt geworden sind und immer noch werden. Zu betrauern sei zudem „die hartnäckige Unfähigkeit, eine friedliche Welt zu schaffen.“

Junge Generation übernimmt Verantwortung

Unter anderem die Wichtigkeit, auch junge Menschen in die Gedenkarbeit einzubeziehen, betonte Hylke Huibert Boerstra, Honorarkonsul des Königreichs der Niederlande. „Und ich bin sehr froh zu erfahren, dass das hier schon passiert.“

Das beste Beispiel dafür stand wenig später selbst am Rednerpult: Denn die Idee, Versöhnung und Freundschaft in Form einer Gemeindepartnerschaft ganz offiziell zu bekräftigen, stammt vom jungen Ladelunder Felix Hansen.

Zeichen setzen

„Ich bin mit der Versöhnung aufgewachsen, aber auch mit dem Bewusstsein, wie wichtig es ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen“, sagte der junge Ladelunder. Auch wenn er persönlich keine Schuld trage, so aber doch Verantwortung, Zeichen zu setzen, auch mit Blick auf aufkeimenden Nationalismus.

Zeichen setzten dann auch Puttens Bürgermeister Henk Lambooij und Ladelunds Gemeindechef Lutz Martensen mit ihrer Unterschrift unter den Partnerschaftsverträgen. „Hier geschieht etwas Denkwürdiges“, sagte Martensen.

Ladelunds Gemeindechef Lutz Martensen (l.) und sein Puttener Amtskollege Henk Lambooij besiegelten gestern die Verbundenheit beider Orte. Die Idee dazu hatte Felix Hansen (r.). Foto: Dorthe Arendt

Dem Ladelunder Bürgermeister kam im Anschluss noch eine besondere Aufgabe zu. Gemeinsam mit Michel Kooij, dem Vorsitzenden der niederländischen Stiftung „Samen Verder Putten“, enthüllte er ein neues Straßenschild.

Der letzte Weg der Todesopfer

Der Name „Weg des Gedenkens“ markiert den letzen Weg der 300 KZ-Todesopfer, die in neun Gräbern am Rande des Ladelunder Dorffriedhofs begraben wurden. Die Gräber sind Ausgangspunkt und Zentrum der Gedenkstätte. „Wir können niemals das Leid nachempfinden, das diese 300 Menschen erfahren haben“, sagte Michel Kooij. „Aber wir können gemeinsam immer neue Wege der Versöhnung gehen.“

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