Forderung der SPD

Kostenloses Busfahren an jedem vierten Samstag im Monat

Kostenloses Busfahren an jedem vierten Samstag im Monat

Kostenloses Busfahren an jedem vierten Samstag im Monat

Julian Heldt/shz.de
Flensburg
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Das Fahrgastaufkommen bei Aktiv Bus ist seit Beginn der Corona-Krise stark zurückgegangen. Foto: Michael Staudt

Die Sozialdemokraten erhoffen sich hierdurch auch positive Effekte für die Innenstadt.

Es ist reichlich Platz in den Flensburger Stadtbussen. Home-Office, Wechselunterricht und Social Distancing haben die Zahl der Fahrgäste massiv reduziert.

„Hatten wir 2019 noch die Herausforderung, mehr Kapazitäten zu schaffen, stellt sich heute die Frage, wie wir wieder mehr Menschen in den Bus zurückbringen“, erklärt SPD-Fraktionschef Justus Klebe. Die Sozialdemokraten wollen wieder mehr Flensburger für die Fahrt mit dem Bus gewinnen und fordern ab der zweiten Jahreshälfte an jedem vierten Samstag im Monat eine kostenfreie Nutzung des ÖPNV.

Soziale Komponente

„Mit diesen kostenfreien Samstagen, wollen wir besonders den Weg in die Innenstadt attraktiveren“, so Klebe. Auch eine soziale Komponente stecke hinter diesem Vorschlag. „Wenn es am Ende des Monats knapp im Portemonnaie ist, kann die kostenlose Busfahrt am vierten Samstag des Monats eine kleine Erleichterung sein.“

Die SPD will die Maßnahme zunächst auf ein Jahr befristen. Sie erhofft sich, durch die kostenfreien Busfahrten auch neue Erkenntnisse zum Nutzungsverhalten der Flensburger zu gewinnen. Bei Aktiv Bus steht man dem Vorschlag offen gegenüber. „Wir müssen uns neu erfinden“, sagt Chef Paul Hemkentokrax.

Foto: Michael Staudt

Da an den besagten Tagen lediglich die Einnahmen durch Tageskarten entfielen, würden sich auch die Kosten der Aktion in Grenzen halten. „Das tut uns nicht großartig weh“, so Hemkentokrax. Letztlich sei es eine politische Entscheidung.

Laut Hemkentokrax liegt das Fahrgastaufkommen aktuell bei 50 Prozent. Was die Zukunft bringt? Unklar. „Wir wagen keine Prognose.“

Bustickets in Kiel werden günstiger

Wege wie in Kiel, wo man den Einzelfahrschein ab 1. August günstiger machen will (2,40 statt 2,70 Euro), sieht Hemkentokrax kritisch. „Ich halte es für richtig, an der Nutzerfinanzierung festzuhalten.“ Bei Aktiv Bus liege sie bei 80 Prozent.

Die Kieler Ratsversammlung hatte kürzlich beschlossen, auch die Tages-, Kleingruppen sowie Schüler- und Azubi-Tickets zu vergünstigen. Kostenpunkt für die Bezuschussung der Ticketpreise: 2,2 Millionen Euro jährlich. In Lübeck gibt es bereits ähnliche Pläne. Dort möchte der Senat die Preisgruppe 3 abschaffen. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel Fahrgäste aus Travemünde, Buntekuh, Kücknitz oder Schlutup für eine Einzelfahrkarte künftig 60 Cent weniger bezahlen würden.

Zusätzliches Geld will Hemkentokrax derweil lieber in die Angebotsausweitung stecken. „Zumindest würde ich das gerne zur Diskussion stellen. Am Ende entscheidet die Politik.“ Gerade in Corona-Zeiten müsse über die Frage nachgedacht werden: „Wie viel Nähe will man im Bus eigentlich haben?“

Kommentar

Mehr Tempo, mehr Innovationen

Damit die Verkehrswende gelingt, sind neue Ideen wichtig. Der SPD-Vorschlag für kostenloses Busfahren an einem Tag im Monat kann ein Mittel sein, um die Flensburger wieder für den Öffentlichen Nahverkehr zu begeistern. Ein Versuch schadet nicht und ist daher zu begrüßen.

Viel zu oft ist man bisher in Flensburg den Weg gegangen, die Menschen für den Wechsel aufs Rad oder den Bus zu begeistern, in dem man das Autofahren möglichst unattraktiv macht. Dies ist zu billig und wenig innovativ.

Die Menschen werden nur dann auf den Bus umsteigen, wenn er schneller, günstiger und in den Randzeiten öfter fährt. Gleichzeitig braucht es bei der Verkehrswende mehr Tempo. Es kann nicht sein, dass beispielsweise eine Pop-Up-Bike-Lane erst ein Jahr nach dem politischen Beschluss umgesetzt wird. Hier sind andere Städte deutlich schneller, gerade wenn es nur um ein paar Fahrbahnmarkierungen geht.

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