NAch Brand in Oeversee

Der Historische Krug entsteht neu

Gero Trittmaack/shz.de
Oeversee
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Lenka Hansen-Mörck Foto: Gero Trittmaack

Lenka Hansen-Mörck spricht über ihre Pläne nach dem verheerenden Feuer. Die Neueröffnung ist für 2019 geplant.

Lenka Hansen-Mörck hat sich ein Bündel Kunst-Reet nach Hause schicken lassen. Und sogar ein Feuerzeug an die zusammengebundenen Röhrchen gehalten, um ganz sicher zu sein, dass diese moderne Art des Dachbelags nicht brennt. Denn solch einen Tag wie den 30. Juli will sie nie wieder erleben.

Vor knapp sechs Wochen war ihr Historischer Krug in Oeversee bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Inzwischen werden zwar wieder einzelne Zimmer vermietet, aber nur an Stammgäste, die genau wissen, worauf sie sich einlassen und sowohl den Anblick der Brandruine und den immer noch deutlich wahrnehmenden Brandgeruch in Kauf nehmen.

Neueröffnung im Spätsommer 2019 geplant

Die Eigentümerin, die auch noch das Hotel „Altes Gymnasium in Husum“ leitet, brauchte nach eigenen Angaben einige Tage, um den Schock zu verarbeiten, dann aber stand der Entschluss schnell fest: „Der Historische Krug wird wieder aufgebaut. Das bin ich der Geschichte des Hauses und meiner Familie schuldig.“ Aber mit echtem Reet gedeckt, auch das steht fest, wird das neue Haus nicht.

Die 65-jährige Chefin arbeitet intensiv an ihrem Ziel, das 5-Sterne-Hotel spätestens im Spätsommer nächsten Jahres wieder eröffnen zu können. „An der Versicherung wird es nicht scheitern“, sagt Lenka Hansen-Mörck, „aber auch die Behörden müssen mitspielen und meine Kraft muss ausreichen, um es rechtzeitig zu schaffen.“

Der Termin im kommenden Jahr ist ihr wichtig, denn 2019 soll Jubiläum gefeiert werden – dann wird der Historische Krug 500 Jahre alt, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1519.

Kulturstätte und Teil der deutsch-dänischen Geschichte

An der grundsätzlichen Entscheidung für einen Wiederaufbau gab es für Lenka Hansen-Mörck keinen Zweifel. „Der Historische Krug ist weit mehr als ein Gasthaus, er ist ein Teil der deutsch-dänischen Geschichte, eine Kulturstätte und eine Wiege des humanitären Handelns.“

Lenka Hansen-Mörck erinnert daran, dass der Historische Krug 1864 nach dem Gefecht am Sankelmarker See zu dem Lazarett wurde, über dem erstmals eine Fahne des Roten Kreuzes flatterte. Ohne Ansehen der Nationalität wurden hier sowohl die verletzten Dänen als auch die verfeindeten Österreicher gepflegt. „Ein solches Haus muss man wieder aufbauen“, sagt Lenka Hansen-Mörck, „es wird den Historischen Krug wieder geben – und zwar zumindest äußerlich so, wie ihn die Menschen kennen.“

Zudem will sie die Gelegenheit nutzen, im Betrieb moderner und effizienter zu werden, ohne dass die Qualität von Hotel und Gastronomie darunter leiden.

Das Gasthaus brannte am 30. juli ab. Foto: Marcus Dewanger/shz.de

Schock sitzt immernoch tief

Bei aller Entschlossenheit ist der Schock des Brandes längst noch nicht überwunden. Lenka Hansen-Mörck erinnert sich noch genau daran, wie sie vor sechs Wochen die ersten feinen Rauchwölkchen unter dem First des Reetdaches entdeckte und nicht ahnte, dass das kleine Feuer ihr Haus in Schutt und Asche legen würde.

Die Erschütterung wird auch spürbar, wenn die Eigentümerin darüber spricht, was alles den Flammen zum Opfer gefallen ist. Die tatsächliche Schadenshöhe wird immer noch in Zusammenarbeit mit der Versicherung berechnet. Lenka Hansen-Mörck taxiert den Verlust auf fünf bis sieben Millionen Euro.

Verbrannt oder zumindest unwiderruflich beschädigt sind auch viele Dinge, deren Wert nur schwer zu beziffern ist. Die Sammlung aus 800 teilweise historischen Krügen beispielsweise, der eigens für den Historischen Krug in Nepal produzierte Bodenbelag oder 60 komplette Sets Silberbesteck von Robbe und Berking.

Auch viele der Gemälde wurden zerstört. „Etwa 20 Prozent der Kunstwerke haben wir aus dem brennenden Gebäude retten können, die werden zurzeit in Hamburg saniert. Aber wenn alles gut geht, werden sie schon bald Teil des neuen Historischen Kruges.“

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine Chance für DR“