Weißer Ring

Hilfe für 47 Kriminalitätsopfer im südlichen Nordfriesland

Hilfe für 47 Kriminalitätsopfer im südlichen Nordfriesland

Hilfe für 47 Kriminalitätsopfer im südlichen Nordfriesland

Herbert Müllerchen/shz.de
Husum
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Der Weiße Ring ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Foto: Weißer Ring

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Weißer Ring berichtet von Körperverletzungen und Sexualstraftaten als häufigsten Kriminalitätsdelikten in der Region.

Es sind ernüchternde Zahlen, die Ines Dirks für den Weißen Ring Nordfriesland-Süd vorlegt. Hinzu kommen die Corona-Regeln, die zum einen die Arbeit der Hilfsorganisation Weißer Ring für Kriminalitätsopfer erheblich erschwert haben und zum anderen die Zahl der Opfer und Betroffenen erhöht hat. Und so weist die Bilanz 2020, in der die Sexualdelikte und Körperverletzungen schwerpunktmäßig aufgeführt werden, auf Erschreckendes hin.

„Es sind nicht nur Zahlen, sondern Einzelschicksale, die Betroffen machen“, so Außenstellenleiterin Dirks bei der Bilanzpräsentation. „Unsere Betreuungsarbeit wurde aufgrund der Pandemie-Einschränkungen erheblich eingeschränkt und einige Informationsveranstaltungen mussten wir komplett absagen.“ Somit sei der eigentlich erforderliche sehr persönliche Kontakt zu den Kriminalitätsopfern nicht immer möglich gewesen. Zehn ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die Betroffenen, die sich hilfesuchend an den Weißen Ring wenden.

Außenstellenleiterin Ines Dirks. Foto: Herbert Müllerchen

„Im vergangenen Jahr haben sich 47 Opfer aus unserer Region bei uns gemeldet mit der Bitte um Hilfe“, so die Außenstellenleiterin. Neben persönlichem Zuspruch sei auch in 23 Angelegenheiten unbürokratisch Soforthilfe geleistet worden – insgesamt gut 6.800 Euro.

Dreiviertel der Betroffenen sind Frauen

Das größte Gewicht unter den gemeldeten Delikten mit 32 Prozent haben Körperverletzungen. 15 zum Teil schwere Körperverletzungen seien gemeldet worden, mehr die Hälfte davon in häuslicher Gewalt. Außerdem seien im gleichen Zeitraum 14 Sexualdelikte angezeigt worden, was 30 Prozent aller angezeigten Vorfälle entsprach, so Dirks weiter in ihrem Bericht. „Dreiviertel der betroffenen Personen seien Frauen gewesen.“

Zu den angezeigten Vorfällen gehörten auch Einbruch, Betrug und Bedrohung sowie Diebstahl und Stalking, wobei Letzteres die dritthäufigste Ursache von Anzeigen bildete. Am häufigsten werde der Kontakt mit dem Weißen Ring über die Polizei gefunden, geht aus dem Jahresbericht hervor. Hier lobt Dirks die gute Zusammenarbeit: „Ein erheblicher Teil der Betroffenen, immerhin 23 Prozent, nutzen private Hinweise, um mit uns Kontakt aufzunehmen.“ Selbst über die Homepage des Weißen Ringes (https://weisser-ring.de/) melden sich bedrohte oder geschädigte Personen bei der Hilfsorganisation.

Der Weiße Ring ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Mehr als 3000 ehrenamtliche und professionell ausgebildete Opferhelfer bieten Menschen Hilfe nach einer Straftat an. Dabei bieten sie auch Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichten und anderen Behörden an. „Viele Betroffenen erfahren erst durch den Weißen Ring von ihren Rechten“, sagt Dirks. Der Weiße Ring geht davon aus, dass nur etwa zehn Prozent einen Antrag auf Opferentschädigung stellen. Selbst einen Opferanwalt auf Staatskosten zu bekommen, sei äußerst schwierig.

Wiedergutmachung mit vielen Hürden

Dieser wichtige Schutz der Persönlichkeitsrechte der Geschädigten ist bisher auf versuchte und vollendete Tötungsdelikte sowie Sexualdelikte beschränkt. Oftmals müssten die Opfer die Anwaltskosten aus eigener Tasche bezahlen. Aber auch die Möglichkeit der Schadenswiedergutmachung sei mit vielen Hürden verbunden. So haben Opfer eines jugendlichen Straftäters nicht immer die Möglichkeit, ihre Ansprüche bereits im Strafverfahren geltend zu machen.

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