Corona-Virus

Flensburg könnte Auslöser einer dritten Corona-Welle werden

Flensburg könnte Auslöser einer dritten Corona-Welle werden

Flensburg könnte Auslöser einer dritten Corona-Welle werden

Antje Walther/shz.de
Flensburg
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Foto: shz

Der St. Franziskus-Geschäftsführer, Klaus Deitmaring, mahnt, Hygiene-Maßnahmen konsequent zu beachten, um eine dritte Welle zu verhindern.

Seit Klaus Deitmaring das Wort der „dritten Welle“ in den Mund genommen hat, steht sein Telefon kaum noch still. Am Dienstagabend stand der Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses St. Franziskus-Hospital in Flensburg dem Schleswig-Holstein-Magazin im NDR Rede und Antwort.

Deitmaring machte im Fernsehbeitrag eine ganz einfache Rechnung auf: Wenn man die Verbreitung der Virusvariante nicht zum Stillstand bringe, verdopple sich alle 14 Tage die Zahl der Neuinfektionen. Damit komme eine Riesenwelle, ja eine Sturmflut auf uns zu, skizzierte er.

Zwei Sorgen: Große Ansteckungsgefahr und schwere Verläufe

Nach der Konzentration zunächst in einem Stadtteil sei die Virusvariante inzwischen in allen Postleitzahl-Bereichen Flensburgs verbreitet und werde es die Umlandgemeinden und beide benachbarten Kreise ebenfalls erfassen. Das fächere sich auf über das Land hinaus und zusammen mit ähnlichen Vorgängen anderenorts entwickele sich das wie Wellen auf dem Wasser. „Das ist der Auslöser der dritten Welle“, sagte Deitmaring.

Für Flensburg gehe man davon aus, dass es sich um die britische Variante des Coronavirus handele. Diese Mutation finde ihren Weg, ihr Schlupfloch, wenn man beispielsweise im direkten Kontakt die Maske für wenige Minuten nicht trage, erläutert der Geschäftsführer des St. Franziskus-Hospitals die große Ansteckungsgefahr.

Vor allem zwei Sorgen treiben ihn deshalb um: Die einfachere Übertragung des Virus als zuvor und die schwereren Verläufe der Covid19-Erkrankung. 11 Prozent der neu infizierten Patienten erforderten inzwischen die stationäre Behandlung.

Patienten sind jünger und brauchen Intensivmedizin

Für das Flensburger Krankenhaus mit der spezialisierten Station für Corona-Fälle brach mit dem ersten Auftritt der Mutation am 16. Januar eine neue Zeitrechnung an. Seither, sagt Klaus Deitmaring, seien die Patienten im Durchschnitt jünger und müssten mehr intensivmedizinisch behandelt werden. Die sonst sehr selten und nur in schweren Fällen notwendige „ECMO“-Therapie, wenn „die Lunge komplett versagt“ und eine künstliche „Lunge“ übernimmt, sei bei drei von vier mit der Virusvariante infizierten Patienten notwendig gewesen. Dafür werden die Erkrankten nach Kiel überwiesen.

Vor dem 16. Januar habe das Durchschnittsalter der Covid-19-Patienten bei 63 gelegen, blickt Deitmaring zurück. Wer jetzt mit der Virusvariante infiziert sei, sei zwischen 29 und 57. Anhand der Analyse der eigenen Patienten kann er vorrechnen, dass das Durchschnittsalter damit in den letzten vier Wochen auf 55 gesunken sei.

Und noch eine Zahlenkombination übermittelt der Geschäftsführer: Während innerhalb von zehn Monaten in der ersten Pandemiephase 44 Patienten behandelt werden mussten, seien es jetzt in einem Monat allein schon 40. „Da ist eine Dynamik“, sagt Deitmaring, die nicht nur die Zahl der Neuinfektionen betrifft.

„Überall Limits“

Die zwangsläufig längere Behandlungsdauer, zusätzliche Patienten auch aus den Kreisen und „überall Limits“, lassen den langjährigen Geschäftsführer der Malteser Norddeutschland gGmbH deutlich werden: „Das muss man sagen dürfen“, um einen Engpass in der Versorgung zu verhindern. „Deshalb sagen wir das um 5 vor 12.“

Die Kapazitäten bemisst Klaus Deitmaring für Corona-Fälle im Franziskus auf 50 Behandlungsplätze und 15 intensivmedizinische Plätze - dank der „sehr aktiven Unterstützung der Diako“ und wenn sein Krankenhaus nicht - wie kürzlich selbst - mit 40 bis 50 Prozent Krankheitsausfällen unter den Mitarbeitern zu tun habe. „Das ist eine der Unbekannten.“

„Dem Hang, raus aus der Isolation zu gehen, nicht so schnell folgen.“

Die Zusammenarbeit als „festes Mitglied im Corona-Krisenstab klappt seit dem 1. März 2020 hervorragend“, lobt er und will keineswegs Panik schüren. „Am Ende will man Leben schützen“, sagt er ganz sachlich und mahnt dazu, so sorgfältig und konsequent wie zu Beginn der Pandemie die Hygienemaßnahmen einzuhalten. Andere Länder zeigten, dass man das Geschehen so in den Griff bekommen kann, das werde auch bei der dritten Welle mit den gleichen Maßnahmen gehen, betont Deitmaring. Seine Empfehlung lautet zudem, gerade jetzt und hier, „dem Hang, raus aus der Isolation zu gehen, nicht so schnell folgen“.

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