Diako Flensburg

Corona: Wie die Notaufnahme die Herausforderung stemmt

Corona: Wie die Notaufnahme die Herausforderung stemmt

Corona: Wie die Notaufnahme die Herausforderung stemmt

Antje Walther/shz.de
Flensburg
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Die Zentrale Notaufnahme der Diako Flensburg betreibt enormen zusätzlichen Aufwand, um Patienten auch in der Pandemie sicher und gut zu versorgen sowie das Personal zu schützen. Foto: Ole Michel

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Die Diako Flensburg hat Isolierbereiche eingerichtet für Patienten, deren Hauptkrankheit eine andere als Covid 19 ist.

Derzeit (Stand am Donnerstag) werden im Diako-Krankenhaus vier Verdachtsfälle auf eine Corona-Infektion betreut, vier bestätigte Infektionen gibt es zudem bei Patienten. Das Hauptaugenmerk der Ärzte liegt bei diesen acht Menschen jedoch auf etwas anderem. Denn, so erklärt Friederike Hohmann: „Wenn das führende Krankheitsbild ein anderes ist, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch eine Entbindung, dann ist das ein Patient, der hier versorgt wird – und Covid kommt noch dazu.“ Die Pflegedirektorin weist auf einen „enormen Aufwand“, diese Erkrankten zu versorgen.

Friederike Hohmann ist Pflegedirektorin des Diako-Krankenhauses in Flensburg. Foto: Ole Michel

Der Aufwand wird deutlich, wenn Margot Dietz-Wittstock den Weg eines Patienten skizziert. „Das fängt bei der Anmeldung an“, sagt die pflegerische Leiterin der Zentralen Notaufnahme (ZNA), die an der Diako angesiedelt ist. Denn weil nicht klar sei, ob der neue Patient womöglich neben seinem Armbruch beispielsweise mit Corona infiziert ist, müsse er bis zur Klärung zunächst so behandelt werden, als hätte er das Virus. Das bedeute, dass der Patient sofort isoliert werden müsse.

An der Diako ist die Zentrale Notaufnahme angesiedelt, wo die Pandemie die Mitarbeiter vor extra Herausforderungen stellt. Foto: Ole Michel

Dieses Vorgehen bindet nicht nur räumliche Kapazitäten, sondern auch personelle über das Normale hinaus. Dietz-Wittstock nennt beispielhaft ein Szenario der Schockraum-Versorgung mit Reanimation, einem Fall also, in dem der Patient auch erst einmal keine Auskunft geben kann über eine mögliche Infektion sowie seine Kontakte. Aufgrund eines Kriterienkatalogs für Notfall-Patienten, die mit einer schweren Erkrankung oder nach einem Unfall die ZNA ansteuern, komme ein sechs- bis achtköpfiges Team in Vollschutz zum Einsatz und isoliere den Patienten.

Ich bin stolz auf diese Mannschaft.

Dagmar Paysen, Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme

Dagmar Paysen beschreibt die Belastung unter diesen Umständen, die auch körperlich anstrengend sei. „Man schwitzt, die Brille beschlägt“, schildert die ärztliche Leiterin der ZNA. Die Herausforderung bestünde darin, „einen guten und sicheren Weg sowohl für den Patienten als auch das Personal“ zu finden und so schnell wie möglich die Umstände einer möglichen Infektion herauszufinden.

Täglich seien es ungefähr 15 Patienten, die isoliert werden müssen, sagt Paysen und muss einen Dank an ihr „tolles Team“ loswerden, das die einjährige Ausnahmesituation „klaglos und routiniert abarbeitet.“

Auch ohne „exorbitant mehr Personal“, sagt Margot Dietz-Wittstock, wurde eine Zugangskontrolle eingerichtet und werden Mitarbeiter regelmäßig getestet. 2500 seien gerade durch die erste Impfung gegangen, ergänzt Pflegedirektorin Friederike Hohmann, die Hälfte seien bereits durchgeimpft. Die hohe Zahl der für das Krankenhaus Beschäftigten erklärt Hohmann unter anderem damit, dass dazu beispielsweise auch Reinigungskräfte zählten, die unmittelbar im Haus arbeiteten.

Im Jahr 2020 hat das Diako-Krankenhaus wegen der Pandemie eine weitere Intensivstation errichtet; Pflegedirektorin Hohmann beziffert die Zahl der Intensivbetten in Reserve auf ein Dutzend. Bei wöchentlichen Krisentreffen mit der Geschäftsführung und ärztlicher Leitung des benachbarten St. Franziskus-Hospitals werde von Woche zu Woche über die notwendigen Kapazitäten entschieden.

„Aus dem Nichts musste plötzlich eine Station aufgebaut werden, die es so nicht gab“, berichtet Torsten Körber von seinen Erfahrungen als pflegerischer Leiter der Station C5/D5; die D5 ist die Isolierstation im Diako-Krankenhaus (mit zwischen zwölf und 17 Betten, so Körber).

Erst wenn die Patientin negativ getestet wurde, kann die Arbeit des Teams in der ZNA ohne Vollschutz fortgesetzt werden. Foto: Ole Michel

Die Patienten, die - zur Erinnerung - wegen einer anderen Ersterkrankung hier sind als Covid 19 - teilt er in drei Gruppen: Corona-positive, Verdachtsfälle und Quarantäne-Patienten, die ohne bestimmten Befund seien. Der Aufwand sei immens, die Arbeit in Vollschutz erfordere zusätzlichen Material- und Zeiteinsatz.

Aus der Praxis nennt er auch vermeintlich banale Herausforderungen wie beim Patienten in Isolation, der wegen Nierensteinen im Krankenhaus liegt. Sein Zimmer darf er nicht verlassen, obwohl er viel trinken und sich vor allem „gern bewegen sollte, damit der Stein in Bewegung ist“, erläutert Körber.

Jetzt wird permanent telefoniert.

Torsten Körber, pflegerischer Leiter der Station C5/D5 im Diako-Krankenhaus

Aktuell werden unter anderem Dialyse-Patienten, einer mit Herzschwäche, ein anderer mit einer Lendenwirbelfraktur versorgt. „In sämtlichen Fachbereichen - außer in der Pädiatrie - machen wir alles, wo das Krankheitsbild im Vordergrund steht und Corona nur eine Nebendiagnose ist“, erläutert Körber. „Es sind zwei Fliegen, die wir (mit einer Klappe) schlagen müssen.“ Ihm fällt auch auf, dass viele Patienten ein Ein-Bett-Zimmer wünschten, die jedoch dem Corona-Bereich vorbehalten seien. Momentan gebe es sehr viel Kommunikation, stellt der Pflegeleiter der C5/D5 fest. „Jetzt klingelt das Telefon permanent.“

Pflegedirektorin Friederike Hohmann verdeutlicht: „Stellen Sie sich vor, da ist jemand, dessen Bein amputiert werden muss und er kann nur bedingt Besuch empfangen.“ Wut, Verzweiflung der Betroffenen und Angehörigen liegen nahe, das Krankenhauspersonal muss deeskalieren. Oder, so gibt Hohmann ein weiteres Beispiel, eine Schwangere sei kurz vor der Entbindung positiv auf das Virus getestet worden, womöglich sei ein Kaiserschnitt notwendig. Werdende Mutter, werdender Vater, Pflege und Ärzte - alle sind involviert.

In der Sondersituation empfindet Hohmann eine Aktion wie die der Stadtmatrosen als „Highlight“, weil es zeige, „die Leute denken an Sie.“

Nicht nur Menschen, die leicht erkrankt waren, haben die ZNA gemieden, sondern leider auch solche, die das Krankenhaus gebraucht hätten.

Dagmar Paysen, Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme

Dass Corona für viele inzwischen auch ein Teil der Normalität geworden ist, bemerkt die Ärztin Dagmar Paysen. Zu Anfang der Pandemie hatten die Leute deutlich mehr Angst, sagt sie. „Nicht nur Menschen, die leicht erkrankt waren, haben die ZNA gemieden, sondern leider auch solche, die das Krankenhaus gebraucht hätten.“ Dies hat sich geändert. Paysen betont, wer sich krank fühle, solle zum Arzt gehen: „Die Gefahr ist gering, viel geringer als eine ernsthafte Krankheit zu verschleppen.“

Respekt hält auch Torsten Körber für richtig, Angst aber für den falschen Ratgeber. Voller Zuversicht sagt er: „Es wird alles gut, das kriegen wir schon hin.“

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