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Blick nach 2040: Harrislee möchte Ortskern aufwerten

Blick nach 2040: Harrislee möchte Ortskern aufwerten

Blick nach 2040: Harrislee möchte Ortskern aufwerten

Antje Walther/shz.de
Harrislee
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Im Zentrum des Projekts steht der Ortskern unter anderem mit dem Marktplatz, der Süderstraße und dem Schulzentrum mit den umliegenden Freiräumen sowie die angrenzenden Wohnsiedlungen. Foto: Marcus Dewanger

Die Gemeinde gibt den Startschuss für Städtebauförderungsprojekt. Ein Hamburger Büro übernimmt die vorbereitenden Untersuchungen und setzt auf Bürgerbeteiligung.

Auch wenn Begriffe wie Städtebauförderung und „Soziale Stadt“ es nahelegen mögen: Harrislee zielt nicht darauf ab, Stadt-Status zu erlangen, stellt Martin Ellermann klar. Sicherheitshalber wolle er darauf hinweisen, betont der Bürgermeister der Gemeinde bei einem Pressegespräch am Donnerstag.

Er sei dankbar, dass das Land ein fast 1,5 Quadratkilometer großes Gebiet, den erweiterten Ortskern, in das Förderungsprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen habe. Harrislee hätte „dafür allein sonst keine Ressourcen“, sagt Ellermann und betrachtet die erfolgreiche Bewerbung deshalb als eine Chance. Das Projekt trägt den Namen „Gute Idee - Harrislee. Projekt Ortskern 2040“.

Bürger können sich beteiligen

Dass die Menschen diese Chance erkennen, hofft Hannah Lefel. Seit November ist sie in der Verwaltung Ansprechpartnerin für das Thema Städtebauförderung. Die Stelle in der Abteilung Gemeindeentwicklung ist für die Stadtplanerin geschaffen worden.

Städtebauförderung von Bund, Land und Gemeinden diene bereits seit einem halben Jahrhundert dazu, Wohnorte aufzuwerten und die Lebensbedingungen der Menschen dort zu verbessern. Bewohner und Gewerbetreibende entwickeln das Gebiet mit; deshalb sei es „wichtig, sich jetzt schon am Prozess zu beteiligen“, ermuntert Hannah Lefel.

Akteure mit Abstand vor dem Bürgerhaus in Harrislee: (von links) Hannah Lefel, Martin Ellermann, Heinz Petersen und Tobias Backen. Foto: Susanna Jacobs-Möhl

Wie das funktioniert, erklärt Tobias Backen von der Sweco GmbH, die mit den vorbereitenden Untersuchungen beauftragt ist. Der Stadt- und Regionalplaner stellt in aller Kürze das Unternehmen als größten Anbieter von Architektur- und Ingenieurdienstleistungen in Europa vor; über 1600 Mitarbeiter sind in 35 Standorten in Deutschland beschäftigt.

Tobias Backen, Jahrgang 1985, lebt und arbeitet in Hamburg. Er skizziert den Zeitplan der vorbereitenden Untersuchungen. Ziel sei, das finale Sanierungsgebiet festzulegen, wo verschiedene Maßnahmen (von einem Sanierungsträger) umgesetzt werden sollen. In dem bislang eingekreisten Ortskern leben etwa die Hälfte der Harrisleer.

Um diesen erweiterten Ortskern - in rot umgrenzt - geht es. Foto: Gemeinde Harrislee

Grundlage aller Planung sei eine „gründliche Analyse“, die im Frühjahr beginnt, aber eigentlich schon mit dem Erhalt der ersten Unterlagen von der Gemeinde begonnen hat und im Februar mit Ortsbegehungen fortgesetzt wird.

Einen Eindruck in seinen ersten vier Wochen hat der Hamburger Stadtplaner schon gewonnen. Beispielhaft nennt Backen die mögliche Neugestaltung der Süderstraße und der Schwimmhalle. Unter das Stichwort Aufwertung von Freiflächen könnten aus seiner Sicht Skatepark und Bürgerpark fallen; bei den Verkehrsflächen sind ihm Radwege aufgefallen und die Schulwegsicherung Holmberg.

Im Frühling 2022 soll ein Sanierungskonzept stehen, das zur Abstimmung der Politik und zur Genehmigung durch das Ministerium vorgelegt werden kann. Sämtliche Maßnahmen werden mit „Preisschildern hinterlegt“, betont Backen.

Der Gebäudekomplex der Schwimmhalle in Harrislee ist Stadtplaner Tobias Backen für die Neugestaltung bereits aufgefallen. Foto: Marcus Dewanger

Trotz der Ungewissheiten aufgrund der Pandemie „möchten wir eine sehr breite öffentliche Beteiligung anlegen“, sagt Tobias Backen. Die Website „www.guteidee-harrislee.de“ ist ab sofort online; im März soll hier eine Online-Umfrage stattfinden. Für weniger Computer-affine Bürger ist die analoge Version im Gemeindeheft gedacht.

Bürgermeister und Stadtplaner sind sich allerdings einig, dass der direkte Austausch - Ellermann: „mit allem, was dazu gehört, mit Mimik und Gestik“ - ihnen die liebste Form der Beteiligung ist. Sie wird vielleicht wieder möglich bei vier geplanten Workshops zwischen April und Juni mit je bis zu 20 Akteuren. Die Themen sind noch nicht festgelegt, sagt Backen, und können sachlich („Naherholung“) oder auch zielgruppenorientiert (Kinder und Jugendliche) sein.

Am Ende des Jahres ist eine Infoveranstaltung vorgesehen. Eine maximal zehnköpfige Begleitgruppe aus Vertretern der Verwaltung und der drei Fraktionen betreut die Prozesssteuerung, das ergänzt Ellermann.

Klimaschutz und andere Themen der Zeit werden mitgedacht

Große Themen wie Klimaschutz, demographischer Wandel und auch Pandemien bringt Tobias Backen zudem auf und unterstreicht: „Solche Dinge müssen wir Stadtplaner mitbedenken.“

Bürgermeister Martin Ellermann ist froh über diesen „Blick von außen“, andererseits aber auch über die „Expertise von Bürgern und Unternehmern“. Schließlich könne man gedanklich weit ausholen, wenn es um die Entwicklung Harrislees in den nächsten 15 bis 20 Jahren geht unter der Fragestellung: „In welchem Umfeld wollen wir uns in Zukunft im Ortskern bewegen und welche sozialen Herausforderungen können wir lösen?“

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