Insel Amrum

Als das Dorf Nebel an einer Katastrophe vorbeischrammte

Als das Dorf Nebel an einer Katastrophe vorbeischrammte

Als das Dorf Nebel an einer Katastrophe vorbeischrammte

Gerd Arnold/shz.de
Nebel/Amrum
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Thea und Heinz Andresen vor dem alten Ekke Nekkepenn. Foto: Lutz

Ein Großbrand im eng mit Reetdachhäusern bebauten Nebeler Ortskern vernichtete ein Promi-Lokal.

Ein schmuckes altes Reetdachhaus stand einst am Waasterstigh in Nebel, in diesem Haus befand sich das Restaurant „Ekke Nekkepenn“. Eigentümer und Betreiber waren Thea und Heinrich Andresen. Oma „Retje“ Henriette Henningsen hatte das Haus ihrer Enkelin Thea überlassen. Der Vertrag wurde am 14. November 1947 mit angereistem Notar von der Nachbarinsel Föhr in „Quedens Gasthof“ unterzeichnet. Fast zwei Jahrzehnte wurde es als Wohnhaus genutzt, dann im Oktober 1966 wurde angebaut und zum Sommer 1967 eröffnete das Restaurant.

Es sollte ein Restaurant werden, in dem die Inselprominenz verkehren sollte, so stellte es sich jedenfalls Heinrich „Hein Neck“ vor. Kehrten doch bereits prominente Wahl-Amrumer bei ihm ein, das waren unter anderem der Schauspieler Peer Schmidt und der Opernsänger Hermann Prey. Und auch der Schauspieler Hansjörg Felmy und der Maler Hans Jaenisch zählten zu den Freunden des Hauses Andresen.

Prominent war auch der Besuch am Unglücksabend, dem 31. März 1971: Die Andresens spielten mit Hermann und Barbara Prey zusammen Skat, als sie Brandgeruch und Rauch bemerkten. Zu spät, es stand bereits alles in Flammen und so konnten sie nur noch auf die alarmierte Feuerwehr warten. Inmitten des historischen Ortskerns von Nebel stand nun eines der ältesten historischen Friesenhäuser, es war 1735 erbaut worden, in Flammen. Schnell verbreitete sich die Meldung: „Ekke Nekkepenn“ brennt.

Die Brandruine am 31. März 1971. Foto: Gerd Arnold

Alle Inselwehren waren im Einsatz und gaben alles zur Rettung der umliegenden Reetdachhäuser, immerhin gab es da schon ein Tanklöschfahrzeug auf Amrum. An diesen Abend kam der Wind zum Glück aus östlicher Richtung. Die Funken flogen über ein leeres Feld, allerdings in Richtung des reetgedeckten neuen Pastorates im Prästerstigh. Das Haus wurde mit Planen abgedeckt und so vor dem Funkenflug geschützt.

Großeinsatz für die Inselwehren

Auch das direkt nördlich sehr nah angrenzende Reetdachhaus, das heutige Restaurant „Preesters Hüs“, musste besonders geschützt werden. Ein Übergreifen auf weitere nahestehende Reetdachhäuser konnte verhindert werden. Das „Ekke Nekkepenn“ war allerdings nicht mehr zu retten und so ließ es die Feuerwehr „kontrolliert“ niederbrennen. Brandgeruch lag bei Tagesanbruch noch in der Luft, das schöne Haus lag in Schutt und Asche, die Schornsteine ragten einsam empor. Viel konnte aus dem Haus nicht gerettet werden. Nebel hatte Glück, weil zum einen der Wind nicht zu stark blies und aus der richtigen Richtung kam und weil die freiwilligen Feuerwehren alles Menschenmögliche taten um ein Großfeuer zu verhindern.

Die Falschmeldung

Eine große deutsche Tageszeitung titelte voreilig: „Jetzt zittert man auf Amrum vor dem Sylter Feuerteufel“. Im Artikel, der zehn Tage nach dem Brand erschien, stand, dass Ermittler Brandstiftung festgestellt hätten. Auch Heinz Andresen wurde darin zitiert: „Der Feuerteufel hat auf unserer Nachbarinsel offenbar Angst bekommen und sucht sich jetzt auf Amrum seine Objekte aus“. Doch tatsächlich wurde als Ursache für das Feuer nach Abschluss der Untersuchungen ein Kabelbrand in der alten Verkabelung festgestellt.

Wiedereröffnung zu Weihnachten

Die Brandkasse übernahm den Schaden und nun konnte zügig mit den Planungen eines Neubeginns und dem Wiederaufbau begonnen werden, bereits im Spätsommer 1971 fand das Richtfest statt. Damit war für die Familie Andresen ein Ende der Zeit der „Notunterkunft“ im Hause ihres Freundes Peer Schmidt abzusehen. Anstelle des Friesenhauses wurde ein großer Neubau mit Schieferdach errichtet. Ein Reetdach wurde vom Kreisbauamt wegen der Nähe zu den umliegenden Reetdachhäusern nicht genehmigt.

Heute wird das „Ekke Nekkepenn“ als Frühstückspension betrieben. Foto: Gerd Arnold

Thea und Heinrich Andresen führten das zu Weihnachten 1971 neu eröffnete Restaurant „Ekke Nekkepenn“ bis 1976. Dann erfolgte die Übergabe an Tochter Annegret und Schwiegersohn Gerd Lutz. 2007 erfolgte ein Besitzerwechsel, seither betreiben Christina Breuer und Dirk Dümmel das Frühstückshotel „Ekke Nekkepenn“.

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