Bildungspolitik

Wer soll medizinische Masken für Schüler zahlen?

Wer soll medizinische Masken für Schüler zahlen?

Wer soll medizinische Masken für Schüler zahlen?

Kay Müller/shz.de
Kiel
Zuletzt aktualisiert um:
Wer soll den medizinischen Mund-Nasen-Schutz für Kinder bezahlen? Darüber sind sich auch Elternvertreter untereinander nicht einig. Foto: Gregor Fischer

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Der Landeselternbeirat für Grundschulen ruft zu zivilem Ungehorsam auf, damit Schüler kostenlose Masken bekommen.

Volker Nötzold ist auf Zinne. „Es kann nicht sein, dass der, der die Musik bestellt, nicht dafür zahlt“, sagt der Landeselternbeirat Grundschulen und Förderzentren. Er kritisiert, dass das Land jedem Schüler in der Schule das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes vorschreibt, aber kaum Masken bereitstellt.

In der Praxis bekommt laut Bildungsministerium jeder eine Maske, der seinen Mund-Nasen-Schutz nicht dabei hat. „Deswegen fordere ich alle Eltern zum zivilen Ungehorsam auf: Schickt Eure Kinder mit Stoffmasken in die Schulen“, sagt Nötzold. Denn dann müsste das Ministerium dafür sorgen, dass alle Kinder den richtigen Mund-Nasen-Schutz bekommen – und zwar so viele wie nötig sind. Die Schule dürfe die Kinder nicht nach Hause schicken. Nötzold: „Denn es gibt eine Beschulungspflicht.“

Ist verärgert: Volker Nötzold, Vorsitzender des Landeselternbeirates. Foto: Privat

Der Verweis auf die Schulpflicht sei an dieser Stelle nicht zutreffend, sagt Ministeriumssprecher David Ermes. „Nach dieser Logik müsste ja jegliche Ausstattung von Kindern durch den Staat finanziert werden.“

Ministerium: Eltern sollen Masken bezahlen

Es sei Aufgabe der Eltern, ihre Kinder mit Masken auszustatten. „Für Grundsicherungsempfänger stellt zudem der Bund Masken und weitere finanzielle Mittel in der Pandemie zur Verfügung“, so Ermes.

Nötzold reicht das nicht, er hält das Problem für dringend. Bei ihm häuften sich Beschwerden von Eltern, die sich die Masken nicht leisten könnten. „Wenn man davon ausgeht, dass eine einfache OP-Maske für Kinder 50 Cent kostet, und ein Kind pro Tag zwei davon braucht, sind wir schon für die Schultage bei 20 Euro pro Kind und Monat. Das geht schnell ins Geld – gerade bei Familien, die durch die Pandemie gebeutelt sind“, so Nötzold.

Eltern haben ohnehin viele Zusatzkosten, wie Papier, Druckerpatronen oder Endgeräte. Da kann nicht noch etwas drauf kommen.

Claudia Pick, Landeselternbeirätin

Seine Kollegin Claudia Pick vom Landeselternbeirat an Gymnasien verlangt eine Maske pro Kind und Tag. „Ich vermute, dass sonst manche die Masken länger tragen als es medizinisch sinnvoll ist.“ Das könne nicht Sinn der Pandemiebekämpfung sein. Für viele Eltern seien 30 bis 50 Cent pro Maske nicht viel, für andere aber schon. Pick betont: „Eltern haben ohnehin viele Zusatzkosten, wie Papier, Druckerpatronen oder Endgeräte. Da kann nicht noch etwas drauf kommen.“

Fordert kostenlose Masken für bedürftige Kinder: Irene Johns vom Kinderschutzbund. Foto: dpa

Ähnlich sieht das die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns. „Jedes Kind, das finanziell benachteiligt ist, sollte zumindest eine kostenlose Maske pro Tag bekommen.“ Das betreffe nicht nur Hartz IV-Empfänger, sondern alle Menschen, die in irgendeine Form von staatlicher Unterstützung bekämen.

Die Schutzausrüstung sollte an den Schulen verteilt werden, verlangt Johns. Das Land habe ja genug Masken gelagert, die bei Bedarf an Schüler ausgegeben würden, die ihren Schutz vergessen haben. „Ich bin dafür, dass diese Masken alle ausgegeben werden und zusätzliche beschafft werden“, fordert Johns. Im Oktober hatte das Bildungsministerium vom Bund die Zusage für die Lieferung von 35.000 FFP2- und 4,5 Millionen OP-Masken erhalten.

Grundsätzlich ist es Aufgabe der Eltern, ihre Kinder mit Masken auszustatten.

David Ermes, Sprecher des Bildungsministeriums

„Die Schulen halten einen gewissen Bestand an Masken vor für den Fall, dass einmal eine Maske kaputt geht oder ein Kind eine neue Maske benötigt. Grundsätzlich ist es aber Aufgabe der Eltern, ihre Kinder mit Masken auszustatten“, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums, David Ermes. Die Masken gehörten für Schüler zur notwendigen Grundausstattung, die sie derzeit brauchen, ob zum Beispiel im Nahverkehr, in der Schule oder auch in Geschäften.

An Masken-Beschaffung scheiden sich die Geister

Wir Eltern können auch mal etwas selbst bezahlen und müssen nicht immer nach dem Staat rufen.

Thorsten Muschinski, Landeselternbeirat

Christian Schultz vom Sozialverband Deutschland in Schleswig-Holstein unterstützt die Forderung der Kinderschutzbundvorsitzenden. „Bedürftige müssen so viele Masken bekommen, wie sie brauchen.“ Das betreffe nicht nur, aber auch Kinder. Das müssten nicht nur OP-, sondern könnten auch FFP 2-Masken sein, so Schultz.

Thorsten Muschinski, Landeselternbeirat an Gemeinschaftsschulen hält das Problem hingegen für nicht so gravierend: „Wir Eltern können auch mal etwas selbst bezahlen und müssen nicht immer nach dem Staat rufen.“

Ein Kommentar von Kay Müller

Masken nur für Bedürftige

Auf den ersten Blick klingt die Argumentation schlüssig: Der Staat verpflichtet die Schüler in den Schulen Masken zu tragen, deshalb muss er auch für den Schutz bezahlen. Denn schließlich müssen Schüler zur Schule und können nicht wie beim Nahverkehr darauf verzichten oder beim Einkaufen andere Menschen schicken.

Dennoch ist die Forderung des Landeselternbeirates an Grundschulen überzogen. Denn in der Pandemie müssen zuerst die geschützt werden, denen es am schlechtesten geht. Das gilt nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für den soziale Verwerfungen, die Corona für viele mit sich bringt.

Deswegen wäre es zwar vernünftig, wenn Benachteiligte kostenlose Masken bekommen, und das auch Menschen mit geringem Einkommen einbezieht, die gerade so über der Hartz IV-Grenze liegen.

Aber alle anderen, die in der Pandemie sogar Geld gespart haben, etwa weil sie weniger Reisekosten haben, sollten ihren Anteil leisten – und selber OP- oder FFP2-Masken kaufen. Alles andere kann man niemandem vermitteln.

Mehr lesen

Leserbrief

Niels Ole Bennedsen
„Verlorene Vereinsmitglieder zurückgewinnen“