Corona-Krise

Wenn in Musikschulen nicht mehr gesungen werden darf

Wenn in Musikschulen nicht mehr gesungen werden darf

Wenn in Musikschulen nicht mehr gesungen werden darf

Anna Goldbach/shz.de
Wyk/Föhr
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Gesungen und musiziert wird aktuell nur online. Foto: Kreismusikschule Nordfriesland

Aus der Not heraus hatte die Kreismusikschule ein Online-Angebot gestartet. Almut Höncher über die Vor- und Nachteile.

Normalerweise ist das Haus in der Feldstraße 36 gefüllt mit Lachen und Musik. Seit dem 16. Dezember ist es wieder still geworden, denn mit der Lockdown-bedingten Schließung von Schulen und Kitas, ging auch die Schließung der Wyker Musikschule einher.

Wie bereits im ersten Lockdown im vergangenen Jahr reagierte die Bezirksstelle der Kreismusikschule Nordfriesland auf Föhr schnell und fuhr ihr Online-Programm vom einen auf den anderen Tag wieder hoch, wie Bezirksstellenleitung Almut Höncher berichtet. „Unterrichtet wird je nach Internetverbindung und fehlender Hardware notfalls sogar per Telefon. Oft werden zwischen Schülern und Lehrern auch nur einfache Audio-Aufnahmen getauscht“, so Höncher. Die Schüler der Kreismusikschule hätten zum überwiegenden Teil sehr positiv auf die Online-Angebote reagiert. „Besonders zu erwähnen ist auch das Engagement der Eltern, die neben Homeschooling jetzt auch den Musikunterricht zu Hause zu bewältigen haben.“

Musizieren ohne singen und tanzen?

Gut 270 Schüler besuchen die Musikschule auf Föhr. Die Jüngsten von ihnen, die Musikzwerge, sind gerade einmal eineinhalb Jahre alt. Sie trifft die Schließung besonders hart, erklärt Höncher, denn im dem Elementarbereich für Kinder konnte seit dem letzten März nur sehr eingeschränkt oder gar nicht unterrichtet werden, denn gemeinsames Singen, Tanzen oder Hüpfen war und ist coronabedingt nicht möglich: Die Musikzwerge und die Musikalische Früherziehung mussten daher größtenteils ausfallen. „Diese Arbeit stellt die Basis der Musikschularbeit dar und es ist zu befürchten, dass dies mit Langzeitfolgen für die Musikalisierung von Kindern und natürlich auch für die Arbeit der Kreismusikschule Nordfriesland verbunden ist“, gibt die 64-Jährige, die seit über 30 Jahren für die Musikschule tätig ist, zu Bedenken. Sie vermisst das Unterrichten in Präsenz – ebenso wie die Kinder, denen das Miteinander fehlt.

Zwar konnten Schülerinnen und Schüler zwischenzeitlich wieder vor Ort unterrichtet werden, doch der Musikunterricht in Gruppen konnte, bis auf wenige Ausnahme, nicht stattfinden. „ Viel Abstand und gründliches Lüften lautete die Maxime. Die Bläser wurden nur, nach schnell provisorisch gebastelten Trennwänden, hinter Plexiglaswänden unterrichtet“, erläutert Höncher. „Die Zwölfer-Gruppe habe ich dann in vier Dreier-Gruppen aufgeteilt.“

Immer neue Herausforderungen

Das hat zur Folge, dass für die unterrichtenden Lehrer , zum Teil festangestellt, zum Teil Honorarkräfte, ein höherer Arbeitsaufwand entsteht – denn diejenigen Schüler, die sonst in Gruppen unterrichtet würden, erhalten nun online Einzelunterricht. Das liegt vor allem daran, dass bei Töne zeitlich versetzt ankommen. Auch Bandproben sind aus diesem Grund nicht möglich. Die Lehrkräfte befänden sich nicht in Kurzarbeit:

Wir können nicht aufhören, die Existenz von Schule und Lehrern hängt davon ab.

Almut Höncher, Bezirksstellenleitung

„So schlimm die Situation auch ist, hat sie positive Dinge hervorgebracht“, findet die Föherin. In Zukunftwolle die Kreismusikschule auch Unterrichtsformate in der Kombination als Digital und Präsenz anbieten. Der Vorteil: Dadurch können die Inseln und Halligen besser versorgt werden. „Außerdem kann auf den Inseln bei extremen Wetterlagen oder Fährausfällen der Unterricht online angeboten werden.“ Und auch die Kommunikation zwischen den Lehrern auf Festland per Videokonferenz soll auch nach der Pandemie fetser bestandteil im Alltag der Kreismusikschule bleiben.

Das musikalische Herz der Musikschule sei im vergangenen Jahr durch den pandemiebedingten Ausfall aller Ensembleangebote hart getroffen worden. Denn gerade das gemeinsame Musizieren und der damit verbundene soziale Kontakt der Musizierenden seien das Kernstück der Musikarbeit.

Almut Höncher ist optimistisch – die Öffnung der Grundschulen machen ihr Hoffnung: „Denn auch wir sind eine Schule und kein Veranstaltungs- oder Kulturunternehmen.“

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