Pferde

Trotz Pandemie: Sophie Martensens Leben ist ein Ponyhof

Trotz Pandemie: Sophie Martensens Leben ist ein Ponyhof

Trotz Pandemie: Sophie Martensens Leben ist ein Ponyhof

Arndt Prenzel/shz.de
Tinningstedt
Zuletzt aktualisiert um:
Sophie Martensen hat sich mit dem Pony- und Pferdehof einen Traum erfüllt. Foto: Arndt Prenzel

Sophie Martensen hat sich mit einem eigenen Reiterhof und 16 Ponys und Pferden ihren Lebenstraum erfüllt.

Es ist fast wie in den Weiten Sibiriens. Kein Mensch weit und breit, dicke Flocken wehen ins Gesicht. Beim letzten heftigen Schneesturm vor dem Tauwetter fühlt sich der Langenberg noch einmal wie eine eigene Welt an. Wenn einem dann eine Kolonne aus Ponys mit Schlitten voller Kinder und dick vermummten Erwachsenen entgegenkommt, ist die Realitätswahrnehmung endgültig verschoben.

Die muntere Schar ist aber keineswegs gerade aus Ostpreußen über das Haff gekommen, die „Großfamilie“ macht nur einen Ausflug in die Wälder von Klintum und Umgebung. Die Ponys werden ordnungsgemäß zuerst vorgestellt: Es sind Kaschi, Priscilla und Filou, mit 27 Jahren der Senior der Shetland-Ponys.

Shetland-Ponys waren ursprünglich Arbeitspferde

Der Oldie gehört mit Priscilla zu Sophie Martensen, während Kaschi mit Sina Hinrichs und deren Mutter unterwegs ist. „Die sind richtig froh, wenn sie etwas zu tun haben“, erklärt Sophie Martensen. „Eigentlich sind es Arbeitspferde, die in England in Kohlegruben als Zugpferde zum Einsatz kamen.“

Die junge Frau verrät, dass sie noch mehr Pferde im Stall hat. „Es sind insgesamt 16.“ Da stellt sich wie von selbst die Frage, ob sie vielleicht einen Ponyhof führt. Und tatsächlich: Der nordfriesische „Immenhof“ liegt nicht weit entfernt in Tinningstedt. Der „Lindenhof“ entpuppt sich als ein spannendes Lebensprojekt, das rund um die Pferdewelt, die Familie und den früheren Bauernhof gestrickt ist.

Die Pferde sind entspannt, neugierig und gar nicht scheu. Zur Begrüßung wird die warme Pferdenase entgegengestreckt, mal schauen, ob der Gast was mitgebracht hat. Foto: Arndt Prenzel

Reiterhof als Lebenstraum

Sophie Martensen kam über ihre Eltern und die Großmutter, die in Kampen eine Pension namens „Seepferdchen“ führte, aus Hessen in den hohen Norden. „Meine Eltern übernahmen das etwas marode Gebäude“, erzählt sie. „Und ich wusste gleich, hier will ich bleiben, hier fühle ich mich wohl.“

So wohl, dass sie einen ganz konkreten Lebensplan entwarf: Schule, Ausbildung und Reiterhof als letztes Ziel. Nach einer Lehre auf Sylt im Hotelfach holte sie ihr Abitur nach und absolvierte eine Ausbildung als Reitlehrerin mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendtraining.

Reithalle, Ferienwohnungen, Bistro

Nach der Heirat und der Geburt zweier Kinder erfolgte 2019 die Übernahme des Hofgebäudes. Hier hatte die Mutter bereits mit der Sanierung des Resthofes und dem Einbau und Betrieb der Ferienwohnungen, eines Bistros und der Errichtung von Stallungen und Reithalle die Basis geschaffen.

„Wir haben alles nochmals modernisiert und nach unseren Wünschen renoviert, das Drumherum familienfreundlich gestaltet, sind aber der Linie meiner Mutter und somit auch dem Charme vom Hof treu geblieben“, berichtet Sophie Martensen von der Anfangszeit. „Alles andere entwickelte sich fast von allein.“

Liebevoller Umgang mit dem Tier

Kinder von Freunden suchten Reitmöglichkeiten, so dass der Stamm der vier Shetlandponys mit den beliebten, größeren Welsh-Ponys und Deutschen Reitponys mit einer Größe von bis zu 148 Zentimetern aufgestockt wurde. „Die Kinder haben die Möglichkeit von klein auf mit einem Pony vertraut zu werden“, sagt die begeisterte Reiterin.

„Mein Konzept ist dabei, abseits von aller Hektik und Stress einen ruhigen Ort zu entwickeln, an dem alle mit viel Herz für eine Sache brennen: dem liebevollen Umgang mit dem Tier.“

Auch vor dem Schlachthof gerettete Pferde sind dabei

Und so tut sich auch beim Hofbesuch eine eigene Welt auf: Die Pferde sind entspannt, neugierig und gar nicht scheu. Zur Begrüßung wird die warme Pferdenase entgegengestreckt, mal schauen, ob der Gast was mitgebracht hat.

Unter den Tieren sind auch vom Schlachthof gerettete Jungpferde, ein schöner Haflinger, der es sich in der „Männer-WG“ mit den jungen Ponys gemütlich macht. Zu den Ponys gesellen sich weitere Pferde auf der Koppel, der Auslauf ist weiträumig.

Ponys sollen auch Spaß am Unterricht haben

„Wir unterrichten so, dass auch die Ponys Spaß an ihrer Arbeit haben“, sagt Sophie Martensen, deren Mann gleich nebenan sein Baugeschäft führt. „Ein Tag Pause ist Pflicht!“

Es bedeutet, dass die kleinen Pferdefreunde aus der Umgebung in der Woche mehrfach zum Lindenhof kommen, allerdings natürlich nur, wenn es die Corona-Restriktionen erlauben.

Reitstunden und Ponycamp

Manche sind von Beginn an dabei, können auf größere Tiere wechseln, ehe mit 16 bis 17 Jahren zumeist Schluss ist. „Wir wollen hier kein professionelles Reitunternehmen betreiben“, so die Gründerin. „Es soll alles klein, überschaubar und familiär bleiben.“

Genauso ist auch das Urlauberangebot mit hochwertigen Apartments für zwei bis sechs Personen konzipiert. Für alleinreisende Kinder gibt es ein abenteuerliches Ponycamp, die erwachsenen Gäste können eine Reitstunde nehmen. Natürlich kann man auch an geführten Ausritten oder geführtem Ponyreiten teilnehmen.

Kutschfahrten, Fitnessraum, Sauna und Yoga

Wer nicht selbst aktiv reiten will oder in Reitkursen das Reiten erlernen möchte, kann bei einer Kutschfahrt die Seele baumeln lassen, sich im Fitnessraum auspowern oder tiefenentspannt in der Sauna oder beim Yoga im Bauerngarten den Altagsstress vergessen.

Jedoch: Derzeit liegt coronabedingt alles brach. „Ich habe die Zeit genutzt und meine Ponys trainiert“, sagt die Reitlehrerin. „Kleinere Unarten lassen sich so austreiben.“

Von der angeblichen Sturköpfigkeit der Shetlandponys war bei der ersten Begegnung nichts zu merken. „Vielleicht waren sie alle wie wir von der Winterwunderwelt fasziniert“, sagt Sophie Martensen zum Abschied und lacht.

Mehr lesen