Homeschooling

Online-Unterricht für Omid und Arezu in der „Klönstuuv“

Online-Unterricht für Omid und Arezu in der „Klönstuuv“

Online-Unterricht für Omid und Arezu in der „Klönstuuv“

Ursel Köhler/shz.de
Hasselberg
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Sind gerne in der „Klönstuuv“: Omid, Arezu und ihr Vater Mirajan Nazari. Foto: Ursel Köhler

Omid und Arezu holen sich ihre Homeschooling-Aufgaben in der „Klönstuuv“. Dort ist das Internet besser aus zuhause.

„In der Corona-Pandemie ist mir vieles klar geworden. Insbesondere braucht jeder Mensch die sozialen Netzwerke und Kontakte zu den anderen Menschen.“ So die Aussage des zwölfjährigen Omid, der ebenso wie seine drei Jahre jüngere Schwester Arezu gerne in die „Klönstuuv“ kommt - zum Online-Unterricht.

Hier verbringen die Geschwister täglich mehrere Stunden, um via Laptop am Unterricht ihrer Schulen – sechste Klasse des Gymnasiums in Kappeln und dritte Klasse der Gorch-Fock-Grundschule in Ellenberg – teilzuhaben.

Besseren WLan als Zuhause

Seit Februar 2018 leben sie mit ihren Eltern im Dorf Gundelsby der Gemeinde Hasselberg und sind seit Anfang dieses Jahres in diesem Unterricht der anderen Art. Aber auch ihre Eltern Mirajan und Sikan Nazari nutzen die „Klönstuuv“ – einst Haus der ehemaligen Feuerwehr Gundelsy –, um per App ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Sie alle kommen in Absprache mit Bürgermeister Hans-Heinrich Franke und Petra Haase als ihre Ansprechpartnerin hierher, um zu lernen. Warum „Klönstuuv“? Dieses Gebäude hat einen sehr viel besseren W-Lan-Anschluss als jenes Haus, in dem die Familie im Dorf wohnt.

Während die Kinder für die Schule lernen, besucht ihre Mutter das Berufsbildungszentrum in Kappeln und peilt einen Schulabschluss an, während der Vater sich zum Ziel gesetzt hat, Dachdecker zu werden. Im Prinzip lebt die Familie gerne in Gundelsby: „Ein schönes Dorf, nette Leute.“ Manko jedoch ist die Abgelegenheit. Wollen sie in die Stadt, so geht das nur mit dem Bus oder mit dem Fahrrad.

Angesichts des Lern-Eifers der Kinder und ihrer Eltern sind sich Franke und Haase einig, dass sie zusammen eine Familie, die weiß, was sie will, bilden. Und das wollen sie im Rahmen ihrer Möglichkeit unterstützen – deshalb die Online-Lern-Möglichkeit in der „Klönstuuv“.

Über Norwegen nach Deutschland

Vater Mirajan stammt aus einem Dorf so groß wie Gundelsby im „Behsod“ von Afghanistan – ein Bereich so groß wie Schleswig-Holstein. Ihn, ein Händler in Sachen Metall, verschlug es nach Isfahan im Iran. Dort gründete er eine Familie. Von dort aus machten sie sich alle auf den Weg in Richtung Westen, lebten eineinhalb Jahre in Norwegen. Weiter ging es 2017 nach Deutschland, in Gundelsby trafen sie im Februar 2018 ein. In Norwegen machte sich Sohn Omid mit der deutschen Sprache vertraut. Beherrschte sie bald so gut, dass er für die Familie als Dolmetscher tätig wurde.

Nachdem die Kinder zunächst DAZ-Kurse – spezielle Lehrgänge, um die deutsche Sprache zu erlernen – besucht hatten, wechselten sie zu den Schulen, die sie jetzt normalerweise besuchen. Doch dann wurden diese corona-bedingt geschlossen. Da blieb nur noch der Internet-Unterricht. Und weil WLan in der „Klönstuuv“ optimal ist, sind sie hier mit ihrem Laptop, um die Aufgaben entgegenzunehmen.

Deutschkenntnisse gehen verloren

Die Hausaufgaben werden anschließend daheim erledigt. Und weil der Weg von ihrem Zuhause zum Lernort relativ kurz ist, können sie immer wieder ganz schnell hierhin. In der Regel kommen sie zu unterschiedlichen Zeiten, damit jeder in aller Ruhe arbeiten kann. Das funktioniert und so sind alle zufrieden.

Aber, so der zwölfjährige Omid: „Ich werde mich freuen, wenn wir wieder Präsenzunterricht haben.“ Der Distanzunterricht ist für ihn eine Notlösung. Was ihn derzeit sehr betroffen macht, war, wie er sagt, das Verstehen von Themen im Online-Unterricht. Und er fügt hinzu, dass man sich mit keinen anderen Menschen treffen durfte und darf: „Ich konnte und kann mit niemandem reden und das hat dazu geführt, dass ich vieles an meinen deutschen Kenntnissen verloren habe, weil ich ein Ausländer bin und Deutsch nicht meine Muttersprache ist.“

Meinungsaustausch fehlt

Er verhehlt nicht, dass der Online-Unterricht für ihn mit Problemen verbunden war und ist. Und er zählt auf: Störungen im Internet, kein Meinungsaustausch zwischen den Schülern, „wenn man irgendwas nicht verstanden hat.“ Und deshalb hofft er, dass sich das bald ändert. In der Schule, so Omid, lernt es sich beim Präsenzunterricht besser und man kann Freunde treffen.

Was die Sprache betrifft, fügt er hinzu, dass „es für uns deutscher wird“. Doch die Muttersprache ist nicht nur für die Eltern, sondern auch für deren Kinder „Dari“. In dieser Sprache unterhalten sich Zuhause Vater und Mutter, während die Geschwister miteinander Deutsch reden, aber „Dari“ durchaus nicht vergessen haben.

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