Fastenzeit

Nur so viel Du brauchst

Nur so viel Du brauchst

Nur so viel Du brauchst

Kay Müller/shz.de
Elmshorn
Zuletzt aktualisiert um:
Vereint im Fasten: Jens, Martin und Cornelia, Julia, Henrike, Wolfgang, Carola und Peter (im Uhrzeigersinn). Foto: Screenshot: Martin Jahr

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Sieben Wochen fasten – das gibt es in vielen Formen. Eine Gruppe aus Elmshorn fastet Klima – und empfindet das als Bereicherung.

Eins geht dann doch nicht. „Auf Schokolade könnte ich nun wirklich nicht verzichten“, sagt Peter Rodermund und lacht. Und seine Frau Carola ergänzt: „Das wäre auch für das Klima nicht gut.“ Und ihr Mann erwidert: „Vor allem für das Klima zu Hause.“

Doch ansonsten tun sie einiges fürs Klima und die Umwelt. Mit anderen Mitgliedern der Emmaus-Kirchengemeinde aus Elmshorn fasten sie Klima. Sieben Wochen lang verzichten sie auf Dinge, die der Umwelt schaden – jede Woche hat ein anderes Thema. Es geht ums Einsparen von Wasser, um weniger Fleischkonsum, das Vermeiden von Autofahrten und Flugreisen oder wie in dieser Woche um digitales Fasten, um Strom zu sparen.

Treffen einmal die Woche – digital

Einmal die Woche gibt es ein Treffen, wegen der Pandemie findet es digital statt – und das auch in der Woche, in der es um digitale Auszeiten geht. Schon wird klar, dass das korrekte Fasten auch immer eine Abwägungsfrage ist. Sieben Gemeindemitglieder haben sich an diesem Abend mit Pastor Jens Haverland zusammengeschaltet, der mit seiner Haarmähne, Bart und Kapuzenpullover so gar nicht pastoral daher kommt. Einige haben schon Erfahrung mit Klimafasten, vor drei Jahren hat Haverland das schon einmal angeboten, und es jetzt wieder aufleben lassen – als einzige Gruppe im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf.

Als wir vor vier Jahren damit begonnen haben, war die Nachfrage sehr groß, dann ist es etwas abgeflacht, nimmt jetzt aber wieder Fahrt auf.

Annette Piening, Klimaschutzmanagerin der Nordkirche

In der gesamten Nordkirche befassen sich nach einer vorsichtigen Schätzung von Klimaschutzmanagerin Annette Piening rund 70 Gemeinden mit dem Thema. „Als wir vor vier Jahren damit begonnen haben, war die Nachfrage sehr groß, dann ist es etwas abgeflacht, nimmt jetzt aber wieder Fahrt auf.“ Denn offenbar reift bei immer mehr Menschen die Erkenntnis, dass man in der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern nicht nur etwas für sich tun kann, in dem man bewusster lebt und auf Tabak, Alkohol oder Süßigkeiten verzichtet – sondern auch der Umwelt einen Dienst erweisen kann.

„Man bekommt in dieser Gruppe einen Impuls“, sagt Peter. Denn so richtig wissen die Fastenden auch nicht, was ihr Verzicht für das Klima bringt. Aber die Treffen motivieren sie, sich zu informieren – etwa was eine E-Mail an Stromverbrauch bedeutet, weil sie auf irgendeinem Server in der Welt liegt. Oder was es bringt, wenn man das Handy nachts ausschaltet.

Rief die Gruppe ins Leben: Pastor Jens Haverland von der Ökumenischen Arbeitsstelle. Foto: Screenshot: Martin Jahr

Den sieben Fastenden aus Elmshorn ist auch klar, dass sie so das Weltklima nicht retten werden, zumal sie alle schon sehr bewusst leben. Martin und Cornelia essen wenig Fleisch genauso wie Peter und Carola, die auf Flugreisen verzichten. Deren Tochter Henrike, studiert in Braunschweig Umweltmanagement und will ihr altes Handy zum Recycling bringen. Vollzeitmama Julia will nur noch Internetsuchmaschinen von Unternehmen benutzen, die Bäume pflanzen und ihr Vater Wolfgang das Smartphone häufiger in die Ecke legen. Dabei betrachten sie alle nicht nur den aktuellen Verbrauch, sondern auch was bei der Produktion der Geräte für Umweltschäden entstehen. Denn nachhaltig wollen die Teilnehmer sowieso alle leben.

Viele Menschen würden das als hart empfinden, wenn man alles das einhält, was in der kleinen Broschüre der Kirche vorgeschlagen wird. Die Fastenden aus Elmshorn sehen das aber eher als Bereicherung. „Manches wird anders und man lernt Dinge mehr zu schätzen – gerade weil man sie nicht so häufig hat“, sagt Jens Haverland. Nicht umsonst heißt das Motto der Fastenden „So viel du brauchst“. Man werde also etwas los, was man gar nicht benötige, sagt Haverland und viele in der Runde nicken.

Verzicht muss kein Verlust sein

Zum Schluss verbindet der Pastor das mit dem Christentum, das verpflichte, die Schöpfung zu bewahren. „Man hört Gott in der Stille“, sagt Haverland und trägt ein Zitat vor, dass das Motto des Abends ist, obwohl es aus dem 12. Jahrhundert stammt: „Es ist viel klüger, Du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst.“ Das sei ja total aktuell, wenn man es etwa auf unnötiges Surfen im Internet beziehe, meint Haverland, der sich dabei gar nicht ausnimmt. Und es schade auch nicht, einfach mal nichts zu machen, meint der Pastor. Obwohl: Ein kleines Stück Schokolade kann man vielleicht in der Stille essen.

Mehr lesen