Corona-Pandemie

Notfall-Patienten wagen sich weniger oft in Ambulanzen

Notfall-Patienten wagen sich weniger oft in Ambulanzen

Notfall-Patienten wagen sich weniger oft in Ambulanzen

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Kiel
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Auch im zweiten Lockdown haben Patienten offenbar Bedenken in Bezug auf Klinikaufenthalte - das legen aktuelle Zahlen der AOK Nordwest nahe. Foto: AOK/hfr

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Die Studie der AOK Nordwest betrachtet Deutschland – liefert aber auch Anhaltspunkte für den Norden.

Die AOK Nordwest hat jetzt ermittelt: Im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahreszeiträumen fiel der Rückgang der Fallzahlen trotz höherer Corona-Infektionszahlen zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 mit 17,4 Prozent geringer aus als von März bis Mai 2020 mit 24,2 Prozent. Psychiatrische Kliniken wurden bei der Studie nicht berücksichtigt.

Deutlich weniger Notfallbehandlungen

Anlass zur Sorge bereitet laut Pressesprecher Jens Kuschel vor allem der erneut hohe Rückgang bei den Notfall-Behandlungen: So gingen die Behandlungsfälle aufgrund von Schlaganfall und Herzinfarkt in der zweiten Pandemiewelle weiterhin zurück.

Lag der Einbruch bei den stationären Schlaganfall-Eingriffen in der ersten Pandemiewelle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 21 Prozent, betrug das Minus in der zweiten Pandemiewelle zwölf Prozent. Umgekehrt entwickelten sich die Werte bei den Herzinfarkten.

In der ersten Pandemiewelle von März bis Mai 2020 gingen die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent zurück, in der zweiten Pandemiewelle betrug der Rückgang sogar 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das gibt Anlass zur Sorge. Wir appellieren dringend an die Bevölkerung, bei Notfallsymptomen auch unter den Bedingungen der Pandemie nicht zu zögern und umgehend den Notruf zu wählen.

Tom Ackermann, AOK-Vorstandsvorsitzender

Zahl der ambulant-sensitiven Behandlungen durchgängig gesunken

Bemerkenswert ist laut AOK auch die deutlich rückläufige Entwicklung bei den „ambulant-sensitiven“ Indikationen. Dies sind Erkrankungen, die nach Einschätzung von Experten nicht zwingend im Krankenhaus behandelt werden müssen. Oftmals wäre auch eine qualifizierte ambulante Behandlung ausreichend.

Beispielhaft wurde die Herzinsuffizienz ausgewertet. Die Fallzahlen sanken in der ersten Pandemiewelle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent, im Sommer betrug der Rückgang zwölf Prozent und in der zweiten Pandemiewelle erneut 20 Prozent. „Wir wissen nicht, ob diese Patienten, die nicht ins Krankenhaus gekommen sind, bei Bedarf ambulant versorgt worden sind. Der durchgängige Rückgang in der Pandemie könnte aber auch ein Hinweis auf eine stationäre Überversorgung dieser Patientengruppen sein. Es wird sich zeigen, ob die Corona-Pandemie in diesem Bereich der Versorgung eventuell einen dauerhaften Strukturwandel befördert“, so Ackermann.

Weiterhin hohe Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten

Die AOK-Auswertung beleuchtet außerdem die Versorgung der stationär behandelten Covid-19-Patienten, bei denen weiterhin eine hohe Sterblichkeitsrate von 14 Prozent zu verzeichnen ist. Das durchschnittliche Alter der Covid-19-Patienten in schleswig-holsteinischen Kliniken liegt bei 65 Jahren.

Experten befürchten aber, dass mit dem erneuten Anstieg der Infektionszahlen und der Verbreitung der neuen Virusvarianten zunehmend jüngere, noch nicht geimpfte Menschen im Krankenhaus und auf den Intensivstationen behandelt werden müssen.

Tom Ackermann, AOK-Vorstandsvorsitzender

Rettungsschirm für Kliniken weit aufgespannt

Die Einnahmeausfälle der Kliniken im Land wurden bislang durch Ausgleichszahlungen aufgefangen, die durch den Gesundheitsfonds vor- und aus Bundesmitteln refinanziert werden. Zusätzlich wurde der Ausbau der Intensivbetten-Kapazitäten aus dem Gesundheitsfonds finanziert. Zudem bezahlen die Krankenkassen zusätzlich die Corona-Testungen und übernehmen die Kosten für Schutzkleidung in den Krankenhäusern.

„Der Rettungsschirm ist weit aufgespannt worden. Liquiditätsengpässe konnten so vermieden werden. Die meisten Krankenhäuser sind dadurch bislang gut durch die Krise gekommen“, so Ackermann. Das bestätigt auch eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums. Und auch für dieses Jahr sind weitere Ausgleichszahlungen für die Kliniken vorgesehen. Wichtig ist nach Ansicht von Ackermann, dass der Finanzierungsrahmen die Kliniken, die die Versorgung von Covid-19-Patienten aufrechterhalten und sich stark engagieren, finanziell auffängt.

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