Corona-Maßnahmen

Mehr Präsenzunterricht für die Mittelstufe

Mehr Präsenzunterricht für die Mittelstufe

Mehr Präsenzunterricht für die Mittelstufe

Frank Jung/shz.de
Kiel
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Foto: Soeren Stache

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Das Bildungsministerium ändert seinen Corona-Reaktionsplan. Tendenziell holt er mehr Kinder und Jugendliche in die Schule.

Schleswig-Holsteins Schüler vor allem der Mittelstufe sollen ab nächster Woche mehr Präsenzunterricht erhalten. Das sieht ein überarbeiteter Corona-Reaktionsplan vor, mit dem Bildungsministerin Karin Prien (CDU) „verlässlichere und transparentere Regeln“ schaffen will. Demnach gilt in einem Kreis bei einer Inzidenz unter 50 Präsenzunterricht in voller Klassenstärke – und zwar nicht nur für Grundschulen und Orientierungsstufe, sondern auch für alle vom siebten Jahrgang an aufwärts. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 haben die Schüler ab Stufe 7 Wechselunterricht, die Klassen 1 bis 6 machen komplett in der Schule weiter. Oberhalb von 100 ändert sich nichts: Ab da bleibt Schleswig-Holstein beim Distanzunterricht. Die neue bundesweite Notbremse hätte den Spielraum eröffnet, die Schulen bis zu 165 Corona-Fällen pro 100 000 Einwohnern in dem betreffenden Kreis offen zu lassen.

Unter 100 trauen wir uns zu, mehr Unterricht zu erteilen.

Bildungsministerin Karin Prien

Schleswig-Holsteins vorsichtige Strategie ab dem Inzidenzwert 100 habe sich „schlicht als erfolgreich erwiesen“, so Prien, deshalb halte man daran fest. „Unter 100 aber trauen wir uns zu, mehr Unterricht zu erteilen.“ Die nur noch siebeneinhalb Wochen des laufenden Schuljahrs gelte es zu nutzen.

Bisher hatten die Kleinsten und die Abschlussschüler Vorrang

Unterm Strich wolle man mit dem neuen Reaktionsplan erreichen, „dass alle Schülerinnen und Schüler auf jeden Fall ein Angebot im Wechselunterricht erhalten, so lange die Inzidenz unter 100 liegt“, betonte Prien. Vor allem die Angehörigen der Mittelstufe hat die Ministerin dabei vor Augen. Bisher genossen die Kleinsten und die Prüfungsvorbereitung und die Abschlussprüfungen der Abschlussschüler Vorrang.

Nach drei Tagen rauf, nach fünf Tagen runter

Der neue Plan zieht insgesamt mehr Automatismen beim Reagieren auf das Infektionsgeschehen ein. Die Schulbehörden erhoffen sich davon, dass sie weniger als bisher mit den Gesundheitsämtern verhandeln müssen, wie es wann wo weitergeht. Der Übergang von einer Stufe des Reaktionsplans zur nächsthöheren erfolgt, wenn der Wert drei Tage lang über 50 oder 100 gelegen hat – und dann die eigentliche Umstellung zum übernächsten Tag. In der anderen Richtung läuft es langsamer: Da muss die Inzidenz fünf Tage unter 100 oder 50 verharrt haben, bevor es in die nächstniedrigere Stufe geht.

Mehr Automatismen, schnellere Reaktionszeit

Bisher musste sich das Infektionsgeschehens bis zu drei Wochen stabilisieren, um von Wechselunterricht auf durchgängigen Präsenzunterricht umzustellen. Anders als in der Vergangenheit bleibt die landesweite Inzidenz beim Vorgehen an den Schule komplett ausgeklammert. Die Zahlen auf Kreisebene werden allein ausschlaggebend. Bisher basierten die Entscheidungen laut Bildungsministerium auf einem Mix aus Land- und Kreisinzidenz.

Dass man bei überschaubarem Infektionsgeschehen mehr zulassen will, liegt laut Prien auch daran, „dass die zweimal pro Woche verpflichtenden Selbsttests gut laufen“. Lediglich rund fünf Prozent der Eltern machten von der Ausnahmemöglichkeit Gebrauch, ihr Kind statt in der Schule zu Hause zu testen.

Die Lieferanten liefern nicht immer das, was sie zugesagt haben.

Bildungsministerin Karin Prien

Wohl aber erwiesen sich Beschaffung und Verteilung des Testmaterials als harte Nuss: „Die Lieferanten liefern nicht immer das, was sie zugesagt haben oder nicht zu den zugesagten Zeitpunkten. Deshalb mussten wir als Land mehrfach spontan umschwenken“, erklärte die Ressort-Chefin. „Wir alle hier wissen, dass dies manchmal große organisatorische Herausforderungen vor Ort bedeutet. Aber wir arbeiten Tag und Nacht daran, die Schulen mit den Tests zu versorgen. “

Infektionsgeschehen an Schulen öffentlich aufbereitet

Ein großes Stück mehr Transparenz schafft das Bildungsministerium beim Infektionsgeschehen an Schulen. Ab sofort ist eine Internet-Seite für die Öffentlichkeit freigeschaltet, die ein tagesaktuelles Lagebild nach Kreisen und Schularten liefert: https://schuldashboard.sh.polyteia.de/ .

Stand Mittwoch waren acht Schulen wegen Corona-Fällen geschlossen, 190 beeinträchtigt. Die geschlossenen Schulen liegen allesamt im Kreis Stormarn. Unter beeinträchtigt versteht die Schulaufsicht, dass einzelne Kohorten vorübergehend zu Hause bleiben müssen, weil positive Testergebnisse dazu einen Anlass liefern. Am stärksten von Beeinträchtigungen betroffen sind Stormarn mit 32, Segeberg mit 29, Pinneberg mit 25 und das Herzogtum Lauenburg mit 19 Standorten. In dieser Woche wurden bisher 86 positive Selbsttests gemeldet, 79 von Schülern, sieben von Lehrkräften. Am Mittwoch gab es 29 neue positive PCR-Tests, drei weniger als am Vortag. Die meisten davon verzeichnet mit fünf Nordfriesland. 14 der PCR-Tests betreffen Gemeinschaftsschulen, zehn Grundschulen, vier Gymnasien und einer eine berufsbildende Schule.

Unterrichtsart nach Kreisen

Regional gelten ab nächster Woche diese Unterrichtsformen:

Flensburg, Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Plön: voller Präsenzunterricht für alle Schüler

Kiel, Lübeck, Neumünster, Dithmarschen, Steinburg, Ostholstein, Rendsburg-Eckernförde: Jahrgangsstufen 1 bis 6 Präsenzunterricht, Jahrgangsstufen 7 bis 13 Wechselunterricht, Abschlussklassen aller Schularten und Q1 (Q1 ist der Oberstufen-Jahrgang, der nächstes Jahr Abitur macht): Präsenzangebote unter Hygienebedingungen

Segeberg: Jahrgangsstufen 1 bis 6 Wechselunterricht, Jahrgangsstufen 7 bis 13 Wechselunterricht, Abschlussklassen und Q1: Präsenzangebote unter Hygienebedingungen

Stormarn und Pinneberg: Jahrgangsstufen 1 bis 6 Distanzlernen und Notbetreuung, Jahrgangsstufen 7 bis 13 Distanzlernen, Abschlussklassen und Q1: Präsenzangebote unter Hygienebedingungen

Herzogtum Lauenburg: Die Entscheidung erfolgt am Freitag.

Quelle: Bildungsministerium

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