Bienenzucht

Imker Ingo Schmidt denkt schon an den Frühling

Imker Ingo Schmidt denkt schon an den Frühling

Imker Ingo Schmidt denkt schon an den Frühling

Jan C. Weck/shz.de
Schleswig
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Imker Ingo Schmidt kontrolliert die Bienenstöcke. Foto: Jan C. Weck

In einer dichten Traube zusammengedrängt durchstehen die Bienenvölker den Winter.

Ganz leise brummt es im Bienenstock. Wer sich auf wenige Zentimeter nähert, der kann es wahrnehmen. Vorsichtig hebt Imker Ingo Schmidt den Deckel und schaut hinein. Alles hat seine Ordnung: In einer dichten Traube zusammengedrängt durchsteht das Bienenvolk den Winter. Es geht ihm gut und es ist genug Futter da. Zu lange möchte Schmidt nicht stören, die Bienen sollen ihre Ruhe haben.

Alles ist in Ordnung: Die Bienen haben genug Futter für den Winter. Foto: Jan C. Weck

„Im Moment bleibt nicht viel mehr zu tun, als die Natur zu beobachten“, sagt er. Doch schon bald wird das Leben in diesem Bienenstand wieder richtig Fahrt aufnehmen. Denn die ersten Frühblüher werden schon in wenigen Wochen locken – Weide, Haselnuss und Birke etwa. Auch ist in direkter Nachbarschaft eine Wildblumenwiese, die sich über mehrere Hektar erstreckt. Steigende Temperaturen und Sonnenlicht sind für die etwa 30 000 Bienen das Signal, loszufliegen und nach Nahrung zu suchen. „Dann geht hier ganz plötzlich wieder richtig die Post ab“, erzählt Schmidt.

Jedes Jahr aufs Neue sei es faszinierend zu sehen, welche Dynamik sich da in den Bienenvölkern entwickele. Und dann stehe auch schon bald das sogenannte Wandern in die Frühtracht an. Das bedeutet, dass der gesamte Bienenstand umzieht an einen Ort, wo zu diesem Zeitpunkt rundum genug Blüten sein werden. Rapsfelder sind da ideal.

So gehen die Gedanken dieser Tage schon in Richtung Frühjahr. Schmidt ist immer in Kontakt mit Landwirten, die sich auf den Besuch der „wunderbaren Damen“ freuen. Denn eines ist ganz klar: Die Bienen nutzen nicht nur dem Imker. Auch die Landwirte profitieren davon, dass die Bienen als Bestäuber ihre Felder bevölkern.

Immer mehr Landwirte sehen Bienen als Partner

In den vielen Knicks der Schleswig-Holsteinischen Landschaft finden die Bienen ebenfalls Lebensraum. Häufig lassen Landwirte inzwischen auch am Rande ihrer Felder bewusst Grünstreifen stehen. Da habe über die Jahre schon ein Umdenken stattgefunden, so Schmidt. Aber auch Gärten, Balkone und Friedhöfe – die ja immer gut gepflegt werden und blütenreich sind – seien für die Bienen ein gutes Ziel während der Sommertracht.

Anfang August dann wird sich das ganze blühende Spektakel schon wieder seinem Ende zuneigen. „Die Bienen funktionieren einfach, unabhängig davon, was um sie herum passiert. Das ist schon ein einzigartig ges Naturerlebnis,“, sagt Schmidt. Dabei lerne er langsam immer mehr, den Plan der Bienen zu begreifen. Sie kämen im eisigen Winter scheinbar besser klar als viele Menschen.

Imkerei macht den Kopf frei

Und dann ist da noch etwas, das die Bienen geben können: Wer sich auf die Imkerei einlasse, der komme immer wieder für eine Zeit ganz raus aus dem Alltagsstress, bekomme den Kopf ganz frei, so Schmidt. Und worauf sich sowieso alle freuen könnten: guter Honig aus heimischen Landschaften.

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