Grippewelle

Grippewelle in SH bleibt aus – Impfstoff kaum nachgefragt

Grippewelle in SH bleibt aus – Impfstoff kaum nachgefragt

Grippewelle in SH bleibt aus – Impfstoff kaum nachgefragt

Margret Kiosz/shz.de
Kiel
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Es haben sich weniger Menschen gegen die Grippe impfen lassen. Foto: Imago/Christian Ohde

Apotheker werfen dem Bundesgesundheitsministerium Planungsfehler vor und wollen Entschädigung.

Abstand und Mundschutz halten uns nicht nur die Covid- Viren vom Leib, sondern schützen auch vor Influenza. Die Krankschreibungen wegen der sonst in dieser Jahreszeit grassierenden Grippe haben sich mehr als halbiert, teilte die Barmer Krankenkasse gestern mit. Die Zahl der an Influenza erkrankten Schleswig-Holsteiner ging zwischen November und Weihnachten gegenüber dem gleichen Vorjahrszeitraum um 61 Prozent zurück.

Für Bernd Hillebrandt, Chef der Barmer-Landesvertretung in Kiel, ist das ein positiver Effekt:

Je weniger schwere Grippe-Fälle es gibt, desto mehr der dringend erforderlichen Kapazitäten blieben den Krankenhäusern, um Corona-Kranke zu versorgen.

Bernd Hillebrandt, Chef der Barmer-Landesvertretung in Kiel

Millionen Influenza-Impfdosen

Die Kehrseite der Medaille: Apotheker sitzen auf Millionen Influenza-Impfdosen, die möglicherweise demnächst sogar vernichtet werden müssen. Einige Apothekerverbände werfen dem Bundesgesundheitsministerium nun Planungsfehler vor und wollen entschädigt werden. Der Grund: Im Herbst rief Minister Jens Spahn (CDU) zur großen Grippe-Impfkampagne auf. 26 Millionen Dosen wurden bestellt – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Doch zunächst gab es Lieferengpässe. Deshalb wurden viele Impftermine abgesagt. Als der Impfstoff dann endlich Ende November bei den Apotheken ankam, war das Impfinteresse mangels akuten Krankheitsgeschehens bereits wieder abgeflacht.

Influenza-Saison geht bis in den Mai

Vergeblich weisen Mediziner seitdem darauf hin, dass die Influenza-Saison bis in den Mai geht und sich die Impfung auch jetzt noch lohnt–der Impfstoff liegt wie Blei in den Kühlschränken der Apotheken. Es sei nicht akzeptabel, dass sie, die in finanzielle Vorleistung gegangen sind, auf den Kosten sitzen bleiben, argumentieren nun die Apothekerverbände.

Zu allem Überfluss kündigt sich neuer Streit zwischen Spahn und dem Berufsstand an an. Der Minister will nachträglich die Honorare für die 15 vom Bund an Senioren abgegebenen Masken kürzen und statt 5,04 nur noch 3,30 Euro netto pro FFP2-Maske (Abkürzung für filtering face piece) zahlen. Verbandsjuristen halten das für verfassungsrechtlich unzulässig, zumindest aber für einen Verstoß gegen den Vertrauensschutz.

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