Erdbeerbauer

Gewächstunnel: Nann Kühl erntet über sechs Monate Erdbeeren

Gewächstunnel: Nann Kühl erntet über sechs Monate Erdbeeren

Gewächstunnel: Nann Kühl erntet über sechs Monate Erdbeeren

Katharina Wimmer/shz.de
Kirchspiel Garding
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Der Landwirt Nann Kühl baut seit neuestem Erdbeeren unterm Gewächstunnel auf Eiderstedt an. Foto: Volkert Bandixen

Der Erdbeerbauer Nann Kühl im Kirchspiel Garding nutzt einen Gewächstunnel und kann so von Mai bis Oktober ernten.

Mit einem Strahlen im Gesicht steht Landwirt Nann Kühl (32) aus Kirchspiel Garding zwischen seinen Erdbeeren. Man sieht ihm an, dass er stolz über seine jüngste Errungenschaft ist. Der Jungbauer erntet ab sofort unter anderem in elf Gewächstunneln und verlängert damit die Erntesaison.

Bereits seit 1980 pflanzt die Familie Kühl auf dem Hof Erdbeeren an, doch lange althergebracht auf dem Feld unter freiem Himmel, ständig Wind und Wetter sowie Schädlingen ausgesetzt.

Im Mai 2020 übernahm der 32-Jährige den Hof mit 140 Hektar Land von seinem Vater. Insgesamt 15 Hektar Erdbeeren im Freiland hat Kühl derzeit. Doch diese sind Anfang April noch lange nicht erntebereit.

Die Familie Kühl pflanzt seit 1980 Erdbeeren im Freiland auf Eiderstedt. Foto: Volkert Bandixen

Erste Erdbeersaison mit Neuerung

Nun wagt der Jungbauer das erste Mal sein Experiment: Erdbeeren unter großen Gewächstunneln, geschützt vor Naturgewalten und einem vereinfachten Einsatz von Nützlingen zur Bekämpfung von Schädlingen für eine bessere Pflanzen- und Fruchtqualität und damit einen gesicherten Ertrag. Insgesamt 400.000 Euro hat er dafür investiert.

Im August 2020 fing Kühl an, seine Planungen umzusetzen. In Tunneln, ganz mit Folie bedeckt, stehen die Erdbeeren auf 1,30 Meter hohen Stahlrinnen, sogenannten Stellagen. „Ich erhoffe mir, dass ich so auch den Job als Erntehelfer attraktiver machen kann. Denn wer pflückt schon im Knien“, sagt der Jungbauer.

Erdbeerbauer Nann Kühl inmitten seiner neuen Pflanzen in seinem neuen Gewächstunnel auf Eiderstedt. Foto: Volkert Bandixen

Eine automatische Tröpfchenbewässerung versorgt die Planzen regelmäßig mit Wasser. „Je nach Pflanzengröße und Witterung erfolgen ein bis zehn Bewässerungsdurchgänge pro Tag“, erklärt Kühl. Wichtig ist der tägliche Kontrollgang durch die Kultur, um auf Abweichungen reagieren zu können.

Erdbeeren lieben eine Temperatur zwischen 20 und 25 Grad.

Nann Kühl, Erdbeerbauer aus Kirchspiel Garding

Wann gewässert wird, kann der Eiderstedter mit einer App auf seinem Handy festlegen. Per Fernwartung steuert er die Anlage. Auch das Klima in den Tunneln regelt er so. „Erdbeeren lieben eine Temperatur zwischen 20 und 25 Grad.“ Ist es wärmer, so fährt die Seitenlüftung der Tunnel automatisch bis zu 1,80 Meter hoch um kühlere Luft hereinzulassen.

Nicht jedes Wasser mag die Erdbeere

Sein Wasser speist Kühl aus einem 50.000 Liter Frischwassertank, den er nur nachts befüllt. Das Wasserversorgungssystem wird somit tagsüber nicht belastet und es bleibt immer eine Notfallreserve.

Erdbeerbauer Nann Kühl zeigt Anfang April die erste Blüte seiner neuen Erdbeeren unter Gewächstunneln auf Eiderstedt. Foto: Volkert Bandixen

Brunnenwasser könne er als Erdbeerbauer leider nicht nutzen. Denn das darin enthaltene Salzwasser von der Nordsee schade seinen Pflanzen. Für die Zukunft plant er, Regenwasser aufzufangen.

Das Drainagewasser, welches die Wurzeln der Erdbeerpflanze nicht aufgenommen haben, wird am Ende der einzelnen Hochstellagen aufgefangen und zum Gießen der Rasenfläche in den Gewächstunneln genutzt. Dadurch wird der untenliegenden Lebensraum für Insekten und Mikroorganismen erhalten und die Flächenversiegelung verringert.

Erdbeeren das ganze Jahr

Die neuen Erdbeerpflanzen im Gewächstunnel setzte Kühl im Februar auf fünf Hektar Land. Je nach Sorte stehen acht bis 12 Pflanzen in Töpfen auf einem Meter. Ein weißes Trossband zieht sich an allen Pflanzen entlang. Darauf legt sich später die Blüte und folglich auch die Frucht ab – die Ernte wird erleichtert.

Nachdem die frühe Ernte im Tunnel erledigt ist, geht es wie gewohnt im Freiland weiter und zum Abschluss folgt eine zweite Ernte im Tunnel, die bis zum Oktober andauern kann.

Nann Kühl, Erdbeerbauer aus Kirchspiel Garding

Insgesamt 6.500 laufende Meter werden so ab 10. Mai geerntet. Doch dafür müssen erst einmal die Hummel-Völker ihren Dienst als Bestäuber antreten. „Nachdem die frühe Ernte im Tunnel erledigt ist, geht es wie gewohnt im Freiland weiter und zum Abschluss folgt eine zweite Ernte im Tunnel, die bis zum Oktober andauern kann.“

Wenn alles nach Plan läuft, werden mit der Hilfe eines 50-köpfigen Teams rund 100 Tonnen der roten Frucht geerntet und anschließend vermarktet – seine Saison startet dieses Jahr mit den frühen Premium-Sorten Magnum und Flair, die im eigenen Hofladen, in Verkaufsständen und auf Supermärkten von St. Peter-Ording über Büsum, Friedrichstadt und Husum bis nach Pellworm verkauft werden.

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