Wurstfabrik Böklund

Gerüchte um Corona-Ausbruch bei Böklunder

Gerüchte um Corona-Ausbruch bei Böklunder

Gerüchte um Corona-Ausbruch bei Böklunder

Gero Trittmaack/shz.de
Schleswig
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Mit Kleinbussen werden die Mitarbeiter zur Wurstfabrik in Böklund gebracht und nach der Schicht wieder in ihre Unterkünfte gefahren. Foto: Christina Weiss

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Seit Wochen gibt es viele Hinweise auf ein Corona-Problem in der Wurstfabrik Böklunder. Der Betrieb aber geht weiter.

Seit Wochen machen Gerüchte die Runde in der Region, dass es in der Wurstwarenfabrik Böklunder schwerwiegende Corona-Probleme gibt. Die Hinweise kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen – unter anderem von Mitarbeitern, aber auch von Bekannten, die etwas gehört haben wollen. Einige der Aussagen sind sehr konkret: Es ist die Rede von mehr als 100 Infizierten, davon, dass ganze Abteilungen in Quarantäne sind, überall die Vorarbeiter fehlen, die Mitarbeiter an den Stechuhren und in den Kleinbussen drängen – und das Unternehmen die Probleme vertuschen will.

Alle Arbeitsabläufe sind an die besonderen Corona-Erfordernisse angepasst.

Martina Potztal, Kreis-Sprecherin

Gesundheitsamt stellt ein gutes Zeugnis aus

Nach Recherchen unserer Zeitung stellt sich die Lage allerdings anders dar. Am Montag schauten sich Mitarbeiter des Schleswiger Gesundheits- und Veterinäramtes in dem Werk um. Nicht, weil es Hinweise auf ein größeres Corona-Geschehen gegeben habe, wie Kreis-Sprecherin Martina Potztal betonte, sondern weil die Wurstfabrik im Zuständigkeitsbereich liege und nach einer Allgemeinverfügung des Kreises dort besondere Regelungen gelten.

Potztals Zusammenfassung der Ergebnisse fällt eindeutig aus: Es gebe in der Böklunder Wurstwarenfabrik kein Corona-Ausbruchsgeschehen, an den Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen des Unternehmens sei nichts zu bemängeln: „Alle Arbeitsabläufe sind an die besonderen Corona-Erfordernisse angepasst, es gibt regelmäßig Testungen, die von dem Unternehmen selbst durchgeführt werden – und wenn es positive Fälle gibt, was nie auszuschließen ist, werden diese dem Gesundheitsamt gemeldet. Dann wird eine Quarantäne angeordnet.“

Zusätzlich informiere und sensibilisiere der Betrieb auch die Belegschaft über die Erkrankung und gebe Empfehlungen in Bezug auf das SARS-CoV-2-Virus. Dem Testkonzept von Böklunder sei es zu verdanken, dass Infektionen der Mitarbeiter frühzeitig festgestellt würden.

Dass es in Böklund keine außergewöhnlichen Ausbrüche geben, lasse sich übrigens auch an den Corona-Zahlen des Kreises ablesen – Infizierte in dreistelliger Zahl würden sich sofort ganz anders in der Inzidenz niederschlagen. „Und das ist nicht der Fall.“ Natürlich gebe es im Umfeld der Wurstwarenfabrik Corona-Fälle, diese stellten aber für das Unternehmen kein Problem dar, da sie früh erkannt und entsprechende Schritte eingeleitet würden. Die Infektionen spielten sich vielmehr im privaten und häuslichen Bereich ab. Der häusliche Bereich – das ist für viele Mitarbeiter der weitere Umkreis um Böklund herum, für etliche Leiharbeiter aber auch die Stadt Flensburg, wo sie zum Teil in Wohngemeinschaften untergebracht sind.

Dass dies im Hinblick auf die Verbreitung des Coronavirus zu Problemen führen kann, hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt. In der ersten Jahreswoche war die Zahl der Corona-Infektionen in Flensburg stark gestiegen. Für einen Tag hatte das Gesundheitsamt 31 neue Fälle gemeldet, von denen nach Informationen unserer Zeitung 28 auf einen Corona-Ausbruch bei der Lachsverarbeitungsfirma Vega Salmon in Handewitt und bei Böklunder zurückzuführen waren.

Leiharbeiter in Flensburg untergebracht

Infiziert haben sich größtenteils rumänische Leiharbeiter, die ihren Wohnsitz in Flensburg haben. Das Unternehmen, für das sie tätig waren, stellt Personal für Vega Salmon, die Böklunder Wurstfabrik und zum Teil auch für den Danish Crown-Schlachthof in Husum.

„Es ist eine ziemlich komplizierte Geschichte“, erklärt Stadtsprecher Christian Reimer. Die Zustände in der fleischverarbeitenden Industrie werden immer wieder von Gewerkschaften kritisiert. Betroffene kommen oft aus Osteuropa und leben in Deutschland in kleinen Sammelunterkünften. Wie viele dieser Leiharbeiter sich infiziert haben, ist nicht bekannt.

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