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Föhrer Sperrgutbasar öffnet am Mittwoch seine Türen

Föhrer Sperrgutbasar öffnet am Mittwoch seine Türen

Föhrer Sperrgutbasar öffnet am Mittwoch seine Türen

Anna Goldbach/shz.de
Föhr
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Renate Sieck hat den Föhrer Sperrgutbasar 1992 ins Leben gerufen. Foto: Anna Goldbach

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Gegen die Wegwerfgesellschaft: Der Föhrer Sperrgutbasar soll ab Mittwoch wieder regelmäßig geöffnet haben.

Sucht man man auf der Insel nach Möbeln, wird der Föhrer Sperrgutbasar, den Renate Sieck 1992 ins Leben gerufen hat, häufig als erste Anlaufstelle genannt. Coronabedingt musste der Basar, auf dem von Klamotten über Möbel bis hin zu Elektrogeräten „alles“ angeboten wird, am 15. Dezember des vergangenen Jahres schließen. Am Mittwoch, 10. März, soll es wieder losgehen, wie Föhrerin Renate Sieck freudig erzählt, man kann sie lächeln sehen – trotz Mundschutz.

Nach dem ersten Lockdown hatte die Föhrerin unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen noch eine limitierte Anzahl an Gästen empfangen. Zwei Personen pro Stockwerk, also insgesamt vier, durften mit Mund-Nasen-Schutz und viel Abstand die Holzhalle auf dem Gewerbegrundstück, das von der Stadt Wyk bereitgestellt wurde, nahe des Hafens durchstöbern. Wer fündig wird, kann seine Fundstücke mitnehmen – kostenlos. „Mir ist egal wer kommt und wer was mitnimmt, Hauptsache die Menschen freuen sich und die Sachen finden einen Verwendungszweck und landen nicht im Müll.“ Genieren bräuchte sich niemand. Wer doch etwas geben kann und möchte, kann in eine Spendenbox einzahlen. Der Erlös geht an den Träger des Föhrer Sperrgutbasars, den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und würden zur Deckung der Kosten des Sperrgutbasars verwendet, Überschüsse flössen in weitere Umwelt- und Naturschutzprojekte.

Es gehe nicht darum, Geld zu machen, erläutert Sieck. Im Gegenteil. „Das ist das Wichtigste, solange ich lebe, dass einfach mal nicht die Hand aufgehalten wird. Die Leute sollen froh sein, dass sie ihre Sachen los sind und anderen eine Freude machen.“ Der Basar sei damals entstanden, weil sie etwas gegen die Wegwerfgesellschaft unternehmen wollte. „Ich fuhr auf dem Weg zur Arbeit immer an all den Sperrmöbeln vorbei. Irgendwann habe ich es nicht mehr ertragen“, erinnert sich die Föhrerin. Sie und alle anderen Mitarbeiter engagieren sie ehrenamtlich für das Projekt.

„Wir brauchen alles – außer vollen Windeln“

„Wir brauchen alles – außer volle Windeln“, so die 78-Jährige und fügt achselzuckend hinzu: „Ja, das gab es tatsächlich schon.“ Was sie damit meint ist, dass es keine Rolle spielt, ob Textilien in gutem oder schlechtem Zustand sind. Renate Sieck findet für alles Verwendung: Was nicht zum Gebrauch geeignet ist, wird wiederverwertet. So werden kaputte Schuhe gehäckselt, um anschließend zu Dämmplatten verarbeitet zu werden. Über zerschlissene Handtücher freuen sich die Maschinisten und Müllmänner. Und alles, für das auf dem Föhrer Sperrgutbasar kein Platz ist, wird kostenlos von der Reederei aufs Festland gebracht. „Das sind gut 200 Säcke voll alle drei, vier Wochen.“ Dort werden die Sachen dann von der Humana Kleidersammlung abgeholt. „Das klappt sehr gut“, findet die Föhrerin. Die Organisation würde die Kleiderspenden dann entsprechend weiterleiten – „zum Beispiel nach Berlin oder Afrika.“

Annahmestopp für Mobiliar

Anders als in anderen Orten Deutschlands waren die Container des Sperrgutbasars lange Zeit auch während des Lockdowns geöffnet. Alle zwei Tage hätten Mitarbeiterinnen die Container geleert und die Spenden sortiert. „Die Leute hatten ja Zeit und haben viel aussortiert.“ Im August folgte zeitweise der Annahmestopp. Auch jetzt seien Sachspenden weiterhin willkommen – mit einer Ausnahme: „Mobiliar von renovierten Ferienwohnungen kann ich derzeit nicht annehmen, dafür haben wir keinen Platz.“

Doch wer weiß, vielleicht ändert sich das in den kommenden Wochen, wenn der Basar wieder wie gewohnt zwei Mal wöchentlich, nämlich mittwochs von 16 bis 18 Uhr und freitags von 14 bis 16 Uhr, geöffnet hat. Die Regelungen orientieren sich an denen im ersten Lockdown: maximal vier Personen haben zeitgleich Einlass. Alle anderen müssen mit Abstand warten. Sieck hofft dabei auf Rücksichtnahme und Verständnis.

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