Online-Petition

Eltern wollen Schulpflicht aussetzen

Eltern wollen Schulpflicht aussetzen

Eltern wollen Schulpflicht aussetzen

Frank Jung/shz.de
Kiel
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Einige Eltern wollen die Wiedereröffnung der Grundschulen nicht nutzen. Foto: Robert Michael/dpa

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Aus Angst vor Ansteckung wollen einige Eltern selbst entscheiden, ob sie von geöffneten Grundschulen Gebrauch machen.

Nicht allen Eltern gefällt, dass ab kommendem Montag die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an Grundschulen geplant ist. Eine Mutter aus Bad Bramstedt hat eine Online-Petition für eine Aufhebung der Schulpflicht an die Landesregierung gestartet. Sie fordert: Die Erziehungsberechtigten sollten angesichts der Pandemie selbst entscheiden dürfen, ob sie ihren Nachwuchs in die Klassen schicken.

Die Schritte zurück zur Normalität müssen klein und mit Bedacht getan werden.

Franziska Schulze, Mutter aus Bad Bramstedt

„Das Infektionsgeschehen ist nach Zahlen und Statistiken zwar rückläufig, die täglichen Schwankungen zeigen jedoch, dass es einen reinen Abwärtstrend nicht gibt“, argumentiert Petentin Franziska Schulze. Zudem verweist sie auf Virus-Mutationen. Sie meint: „Schleswig-Holstein hat einen guten Vorsprung und steht in vielen Kreisen sehr gut da. Diesen Vorsprung sollten wir nicht verspielen, indem wir die Grundschulen im Eiltempo von 0 auf 100 wieder füllen.“ Ihr Ziel: „Die Schritte zurück zur Normalität müssen klein und mit Bedacht getan werden.“ Sofern die Eltern die Betreuung der Kinder und deren Begleitung beim Lernen zu Hause sicherstellen könnten, solle das Land für diese Mädchen und Jungen die Schulpflicht aussetzen. Immerhin nähmen die Kinder sonst „um die 25 direkte Kontakte mit nach Hause“.

Bis Redaktionsschluss hatten die Initiative auf dem Portal openpetition.de 409 Personen unterstützt.

Landeselternbeirat fordert besseren Informationsfluss durch die Schulen

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats für Grundschulen und Förderzentren, Volker Nötzold, bestätigt, „dass es Eltern gibt, die Angst vor Ansteckungen in der Schule haben oder die einfach etwas zur Eindämmung der Pandemie tun wollen“. So lange sie sich in der Lage sähen, sich um ihre Kinder zu kümmern, befürwortet Nötzold ein Wahlrecht der Erziehungsberechtigten, ob sie von den wieder geöffneten Schulen Gebrauch machen.

Wir haben die nötige Flexibilität.

Volker Nötzold, Vorsitzender Landeselternbeirat für Grundschulen

Den Bedarf für eine Petition sieht er dennoch nicht. Begründung: Das Bildungsministerium habe die Möglichkeiten zu einer Beurlaubung von Grundschülern mit einem Erlass am Wochenanfang ausreichend vereinfacht. Demnach reichen dazu eine kurze Mail oder ein Brief an die Schule ohne nähere Begründung aus. „Man muss es also nur noch anzeigen, damit haben wir die nötige Flexibilität“, stellt Nötzold fest. Einen Haken an der Sache“ macht er dennoch aus: „Viele Eltern wissen nichts von diesem Erlass.“ Und nach den Erfahrungen des Landeselternbeirats „ist die Schuladministration sehr verschieden bei der Verbreitung solcher Informationen. Einige wenige Schulleitungen tun das binnen Stunden, andere brauchen viele Tage, andere tun es gar nicht. Aber von einem Recht Gebrauch machen können Eltern natürlich nur, wenn sie davon wissen.“

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