Corona-Virus

Corona im Schlachthof Husum: Kreis prangert Hygienemängel an

Corona im Schlachthof Husum: Kreis prangert Hygienemängel an

Corona im Schlachthof Husum: Kreis prangert Hygienemängel an

Carlo Jolly/shz.de
Husum
Zuletzt aktualisiert um:
Konzernsprecher Jensen Hansen pendelt seit zwei Wochen zwischen dem Husumer Schlachthof und der Zentrale im dänischen Randers. Foto: Carlo Jolly

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Der Kreis hat im Schlachthof erneut alle negativ getesteten Mitarbeiter abgestrichen: Es gibt neue Positivfälle.

Am diesem Mittwoch und Donnerstag sind rund um den Husumer Schlachthof und die Mitarbeiterfamilien noch einmal mehrere hundert PCR-Tests auf das Coronavirus genommen worden. Am Mittwoch sollten nach Angaben von Danish Crown alle Kontaktpersonen 1 der Belegschaft, 33 Familienangehörige der überwiegend rumänischen Schlachter getestet werden, am Donnerstag alle diejenigen Mitarbeiter, die nach den ersten Testergebnissen nicht infiziert waren. Allein 179 Testproben hat der Kreis Nordfriesland an diesem Donnerstag nehmen lassen.

Die ersten Ergebnisse liefen am Nachmittag ein. Kreissprecher Hans-Martin Slopianka mochte zunächst noch keinen Trend melden. So viel aber: „Der eine oder andere positive Test ist schon dabei." Bereits am Montag war die Zahl der positiven Testergebnisse rund um den Husumer Schlachthof um zwölf auf 115 geklettert – nachdem nur 13 Schlachthofbeschäftigte nachgetestet worden waren.

Blick auf den Husumer Schlachthof. Foto: Volkert Bandixen

Die Kontrolleure der Husumer Kreisverwaltung werfen dem Schlachtbetrieb auch einen teilweise laxen Umgang mit den Hygienevorgaben vor. Unter anderem sollen Gesichtsmasken falsch oder gar nicht getragen worden sein: „Im Endergebnis war wohl eine ganze Reihe einzelner Verstöße gegen die Hygienebestimmungen – von Masken über Abstände bis hin zur nicht strikt durchgehaltenen Kohortentrennung – ursächlich für die zahlreichen Infektionen auf dem Betriebsgelände", erklärt Slopianka.

Danish-Crown-Sprecher Jens Hansen und der gesamte Krisenstab um den Husumer Geschäftsführer Dirk Hartmann arbeiten fieberhaft an den Problemen. Bis mindestens kommenden Mittwoch steht das Schlachtzentrum still: "Wir haben gestern eine digitale Konferenz mit den Behörden gehabt und müssen unser Hygienkonzept präzisieren", sagt Hansen. "Am Montag, wenn die Ergebnisse vorliegen, geht der Dialog weiter."

Gewerkschafter haben schon lange keinen Binnenblick mehr in den Husumer Betrieb: Da die Stammbelegschaft über Jahre zu mehr als 80 Prozent aus Werkvertragsarbeitern bestand, hat Danish Crown Husum heute weder Betriebsräte noch einen Tarifvertrag: „Das ist ein dickes Brett, das wir zu bohren haben“, sagt Philipp Thom von der NGG Schleswig-Holstein Nord. Vor gut zwei Jahren zählte die Stammbelegschaft auf dem Husumer Schlachthof gerade mal noch 35 Festangestellte.

33 Leiharbeiter vier externer Dienstleister im Werk

Nach dem Verbot der Werkvertragsarbeiter hat Danish Crown heute wieder 273 Festangestellte. Lediglich 33 Leiharbeiter vier externer Dienstleister arbeiten noch im Schlachtzentrum - zwei sind Reinigungsfirmen, zuständig für unterschiedliche Bereiche des Betriebs, eine Firma arbeitet in der Kuttelei, wo die Innereien verwertet werden, und eine nimmt Warenkontrollen vor. "Bisher ist nur eine externe Person positiv, und zwar aus einem der Reinigungsunternehmen", sagt Kreissprecher Slopianka.

Foto: Volkert Bandixen

Dass die Innereinenverwertung noch mit Externen arbeitet, wird sich bald ändern. Zum 1. April ist auch dies nicht mehr erlaubt, nachdem die Werksverträge zum Jahreswechsel gekippt wurden. Dass der Arbeitgeber sich jetzt, wo die Politik Werkverträge in der Fleischwirtschaft verboten hat, für die überwiegend rumänischen Mitarbeiter auf Wohnungssuche macht, beurteilt Thom zwiespältig: „Die Frage ist, warum man das erst tut, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Gut sei aber in jedem Fall, dass Danish Crown nun verantwortlich ist. Immerhin hat das Unternehmen nach eigenen Angaben kurzfristig rund 50 Schlafmöglichkeiten gefunden, um positiv Getestete von Nichtinfizierten zu trennen. Die Zimmersuche dürfte weitergehen.

Mehr lesen