Testmethoden

Corona: Geteilte Meinungen zu Gurgeltests

Corona: Geteilte Meinungen zu Gurgeltests

Corona: Geteilte Meinungen zu Gurgeltests

Stefan Petersen/shz.de
Husum
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Ein PCR-Test wird in einem Labor auf Mutationen untersucht. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Die Westküstenkliniken setzen auf die Gurgel-Testmethode, dem Kreisgesundheitsamt NF reichen die Erfahrungswerte nicht.

Gregor Crone, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds Nordfriesland, wollte den Eltern der Kita-Kinder in den Husumer Einrichtungen des Kinderschutzbunds NF – der Villa Kunterbunt in der Hermann-Tast- und in der Asmussenstraße und der Kita in der Fliegerhorstkaserne – nach erfolgter Wiedereröffnung anbieten, dass sie ihre Kinder unter Anleitung durch einen Gurgel- und Spuck-Test selbst auf eine Covid-19-Infektion testen könnten. Doch daraus wurde nichts: „Das Gesundheitsamt hat leider nicht zugestimmt.“

Warum nicht? Immerhin werden sogar in den Westküstenkliniken in Heide und Brunsbüttel seit 15. Februar Mitarbeiter mit diesen Gurgel-Tests regelmäßig auf Corona getestet. Ab März sollen sogar alle 2800 Beschäftigten der Kliniken Gelegenheit für diese Tests bekommen, die deutlich angenehmer sind als die Nasen-Rachen-Abstrich-Methode: Beim Gurgel-Test wird der Rachen bis zu 30 Sekunden lang mit einer Salzwasserlösung gespült und das Spülwasser für eine PCR-Untersuchung ins Labor geschickt.

Diese Art der Testungen ist landesweit einmalig und durch die PCR besonders sicher.

Dr. Martin Blümke, Medizinischer Geschäftsführer der Westküstenkliniken

„Die PCR ist der Goldstandard bei Diagnose einer Corona-Infektion und eine deutlich sicherere Methode als regelmäßige Testungen mit Antigen-Schnelltests“, so die Leiterin der Krankenhaushygiene in den Westküstenkliniken, Dr. Christiane Sause. „Daher haben wir uns für dieses Verfahren, das bereits im Hamburger Universitäts-Klinikum Eppendorf und anderen großen deutschen Kliniken angewendet wird, entschieden.“ Und der Medizinische Geschäftsführer Dr. Martin Blümke ergänzt: „Diese Art der Testungen ist landesweit einmalig und durch die PCR besonders sicher.“

Was ist die PCR?

Die Polymerase-Kettenreaktion (auf Englisch: Polymerase Chain Reaction, PCR) ist eine Methode, um Erbsubstanz (DNA) in vitro zu vervielfältigen. Dazu wird das Enzym DNA-Polymerase verwendet. Kettenreaktion bedeutet, dass die Produkte vorheriger Zyklen als Ausgangsstoffe für den nächsten Zyklus dienen und somit eine exponentielle Vervielfältigung ermöglichen.

Die PCR wird für die Erkennung von Erbkrankheiten und Virus-Infektionen sowie für das Erstellen und Überprüfen genetischer Fingerabdrücke, das Klonen von Genen und für Abstammungsgutachten verwendet. Entwickelt wurde die Methode durch den Biochemiker Kary Mullis 1983. 1993 wurde ihm dafür der Nobelpreis für Chemie verliehen. Die PCR zählt heute zu den wichtigsten Methoden der modernen Molekularbiologie.

Quelle: www.wikipedia.de

Das allerdings reicht Nordfrieslands Kreisgesundheitsamt nicht – es bleibt zögerlich: „Unser Gesundheitsamt rät derzeit von Gurgel-Tests ab – und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Es fehlen zuverlässige Erfahrungswerte“, teilt Dagmar Schulze von der Kreispressestelle auf Anfrage mit. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) spreche noch keine uneingeschränkte Empfehlung aus. Je nach Spülvolumen und -technik könnte es zu Verdünnungseffekten mit unter Umständen hoher Ergebnisvariabilität kommen, habe das RKI zu Bedenken gegeben. „Beim Gurgeln besteht auch die Gefahr höherer Aerosolbildung. Deshalb sind bei der Entnahme dann größere Abstände einzuhalten beziehungsweise es wird empfohlen, dass sich die Person alleine im Raum befindet.“

Der Kreis NF verschließt sich dem Gurgel-Verfahren nicht und wird es sicher auch einsetzen, wenn es hierzu mehr gesicherte Erfahrungswerte gibt.

Dagmar Schulze, Pressestelle des Kreises Nordfriesland

Insgesamt, so die Einstellung des nordfriesischen Kreisgesundheitsamts in Husum, stelle sich also die Frage, warum man ohne Not von einem sicheren Verfahren – Nasen-Rachen-Abstrich – auf ein noch nicht restlos abgeklärtes Verfahren umsteigen soll. Immerhin: „Der Kreis NF verschließt sich dem Gurgel-Verfahren nicht und wird es sicher auch einsetzen, wenn es hierzu mehr gesicherte Erfahrungswerte gibt. In einigen Gesundheitsämtern laufen auch bereits Testläufe dazu“, so Dagmar Schulze.

Für die Westküstenkliniken liegen die Vorteile des Gurgel-Tests dagegen klar auf der Hand. „Wir haben uns entschieden, das Screening auf alle Mitarbeiter auszudehnen, weil uns die neuen Virus-Varianten Sorgen machen“, so Blümke. Er hoffe nun, durch die wesentlich angenehmere Variante der Probengewinnung möglichst viele Mitarbeiter zum Mitmachen bewegen zu können. Denn verpflichtend kann die Klinik die Tests nicht vorschreiben.

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