Duale Ausbildung

2020: Drastischer Einbruch bei neuen Ausbildungsvertägen

2020: Drastischer Einbruch bei neuen Ausbildungsvertägen

2020: Drastischer Einbruch bei neuen Ausbildungsvertägen

Michael Kierstein/shz.de
Kiel/Hamburg
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Im vergangenen Jahr wurden deutlich weniger neue Verträge geschlossen als 2019. Foto: Christoph Schmidt

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Bundesweit wurden 9,4 Prozent weniger Ausbildungsverträge geschlossen. Hamburg ist Spitzenreiter der Entwicklung.

Die Corona-Pandemie hat sich im vergangenen Jahr auch auf den Ausbildungsmarkt ausgewirkt. Bundesweit haben rund 465.200 Personen in Deutschland einen neuen Ausbildungsvertrag in der dualen Berufsausbildung abgeschlossen. Das ist ein Rückgang von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus Zahlen des statistischen Bundesamts hervor. Diese sind zwar seit Jahren rückläufig, der coronabedingte Einbruch ist jedoch einmalig. So stark sind die Zahlen innerhalb eines Jahres nie zurückgegangen.

Besonders drastisch fiel der Rückgang in Hamburg aus. In der Hansestadt wurden im vergangenen Jahr 11.100 neue Verträge geschlossen. Das ist ein Rückgang von 13,5 Prozent. Damit liegt die Elbmetropole bundesweit an der Spitze einer negativen Entwicklung.

Lage in SH besser als in Hamburg

Besser ist die Lage in Schleswig-Holstein. Hier verzeichnen die Statistiker lediglich einen Rückgang von 8,1 Prozent. 17.800 neue Ausbildungsverträge wurden in Schleswig-Holstein geschlossen.

In keinem Bundesland ist ein gegenteiliger Trend zu erkennen. Am besten schneidet noch Brandenburg ab. 10.000 neue Verträge bedeuten lediglich einen Rückgang von 2,8 Prozent.

Bei den Frauen ging die Zahl der Neuverträge bundesweit in der dualen Ausbildung um 19.100 (-10,2 Prozent) auf 168.300 zurück, bei den Männern sank die Zahl um 29.000 (-8,9 Prozent) auf 297.000 Neuabschlüsse.

Damit wurden 2020 gut ein Drittel (36,2 Prozent) aller neuen Verträge von Frauen und knapp zwei Drittel (63,8 Prozent) von Männern abgeschlossen.

Nur Landwirtschaft mit mehr Azubis

Beim Blick auf die verschiedenen Branchen zeigt zudem, dass ausschließlich die Landwirtschaft eine steigende Tendenz aufweist. Hier wurden 500 Verträge mehr geschlossen als 2019 (+3,6 Prozent). In allen anderen Branchen waren die Zahlen rückläufig. Besonders stark getroffen hat es dabei Industrie und Handel. Hier wurden bundesweit noch 265.300 neue Verträge geschlossen. Das ist ein Minus von 11,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wie sich die Zahlen in diesem Jahr entwickeln, ist noch nicht zu sagen, da Ausbildungen meist im Herbst beginnen. Sollte sich die Bekämpfung der Pandemie jedoch noch das ganze Jahr hindurch ziehen, steht die Befürchtung im Raum, dass der historische Einbruch bei den neuen Ausbildungsverträgen im vergangenen Jahr direkt übertroffen werden könnte. Fehlende Perspektiven und steigenden Insolvenzzahlen lassen hier erste Schlüsse zu.

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