Nordfriesland als Modellregion

Auch kritische Reaktionen aus Niebüll und Dagebüll

Auch kritische Reaktionen aus Niebüll und Dagebüll

Auch kritische Reaktionen aus Niebüll und Dagebüll

Arndt Prenzel/shz.de
Südtondern
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Dagebüll
Dagebüll ist ein beliebter Ausflugsort und Tor zu den Inseln Amrum und Föhr. Es gibt noch viele offene Fragen zum Thema „Nordfriesland als Modellregion". Foto: Arndt Prenzel

„Ein positives Signal für die gesamte Region!“, sagen die einen, „Katastrophe“ die anderen.

Die Information zum Ja zur Modellregion Nordfriesland/Sylt“ verbreitete sich in Niebüll, Dagebüll und anderen Orten in Südtondern wie ein Lauffeuer. Noch sind allerdings nicht alle Details und Bestimmungen bekannt. Dennoch ist die Grundstimmung unter den Gewerbetreibenden überwiegend positiv. Doch es gibt auch nachdenkliche Stimmen.

„Ein positives Signal für die gesamte Region!“, war die spontane Reaktion von Dirk Sprengel vom Eiscafé Sprengel. Martin Martensen, kommissarischer Vorsitzender des HGV Niebüll, sah es ähnlich: „Grundsätzlich finde ich es toll, das Nordfriesland und Sylt ausgewählt worden sind. Was das im Einzelnen bedeutet, müssen wir nun erst einmal schauen. Einzelheiten sollen ja am Montag bekannt gegeben werden.“

„Katastrophe“ für die Pendler

Der Mehraufwand sei natürlich erheblich. „Ich bin aber überzeugt: Wir schaffen das!“, so Martensen. Achim Bonnichsen, Pendler-Initiative, ist hingegen alarmiert: „Eine Katastrophe. Wie soll das werden, wenn ab dem 1. Mai die Tagestouristenschwemme kommt?“

Die Pendlerzüge nach Sylt würden übervoll, befürchtet er. „Wir müssen nun ausbaden und abnicken, was ein paar wenige Personen über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden haben.“

Wo bleibt der Mensch?

Auch Peter Schumann, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses in Niebüll, ist eher skeptisch: „Mir kommen die Menschen zuwenig in dem Konzept der Modellregion vor. Was wird denn aus Niebüll und den Niebüllern? Müssen wir als Tagestouristen in Dagebüll ab dem 1. Mai dann einen Negativtest dabei haben? Wie verhält man sich in der Stadt, in den Geschäften? Das ist doch alles zu wenig durchdacht!"

Peter Schumann
Peter Schumann, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses in Niebüll: "Mir kommen die Menschen zuwenig in dem Konzept der Modellregion vor.“ Foto: Arndt Prenzel

Andreas Kusserow, CDU-Vorsitzender des Ortsvereins in Niebüll, sagt: „Ich finde es gut, dass Nordfriesland Modellregion wird. Doch sollten wir die Zahlen im Blick haben. Insgesamt ist es nicht einfach, die Bedingungen umzusetzen. Die Gastronomen sind jetzt schon stark herausgefordert. Nicht alle können den Aufwand leisten. Bis zum 1. Mai ist allerdings auch noch etwas Zeit."

Andreas Kusserow
Andreas Kusserow, CDU-Vorsitzender in Niebüll. Foto: Arndt Prenzel

Testkapaziäten müssen erweitert werden

Silvia Brodersen vom Grenzkrug in Rosenkranz sagt zum Thema: „Das ganze Hin und Her hilft uns wenig. Wir haben sonst sehr viele Gäste aus Dänemark. Die bleiben jetzt aus. Wir öffnen erst im Juli wieder.“

Heinke Boysen, Tourismusausschuss Dagebüll: „Ich finde die Entscheidung für Nordfriesland und Sylt sehr erfreulich. Es gibt jetzt aber auch viel zu bedenken. Genaueres sehen wir erst später. Auf jeden Fall müssen die Testkapazitäten in Dagebüll ausgebaut werden, wenn mehr Gäste kommen.“

Luca-App muss aufgerüstet werden

Klar sei jedoch, dass die Gastronomen und Hoteliers Gäste und Mitarbeiter regelmäßig überprüfen müssten, ob sie negativ getestet sind. „Eine Aufgabe, die Genauigkeit erfordert, denn schon im Vorjahr wurden in Dagebüll Testergebnisse vorgewiesen, deren Herkunft nicht eindeutig war.“

Grundsätzlich froh, dass es weitergeht, ist Nils Richardsen, Wirt von Peters Pub/Bistro und Novasol-Vermietung in Dagebüll. Doch auch er sieht einige Herausforderungen.

Nils Richardsen
Nils Richardsen, Wirt von Peters Pub und Novasol-Vermietung in Dagebüll. Foto: privat

„Gestern habe ich das Konzept gelesen, es ist ein ziemlicher Hammer. Wir vermieten 136 Häuser. Wie sollen wir alle Gäste kontrollieren? Wer ist verantwortlich, wenn die Bescheinigung des negativen Tests unzureichend ist? Muss ich den Gast verweisen und die Polizei rufen?“

Klar sei, dass die Luca-App dringend weiteraufgerüstet werden müsse. „Das ist wohl auch so vorgesehen. Zudem ist es merkwürdig, dass wir ab Montag die Terrasse öffnen und auch ohne Test Gäste bewirten dürfen. Das soll ab dem 1. Mai dann wieder anders sein?"

Modellregion Nordfriesland

Am Freitag wurde bekannt, dass der Kreis Nordfriesland ab dem 1. Mai inklusive seiner Ferieninsel Sylt Tourismus-Modellregion in Schleswig-Holstein werden, zudem der Dithmarscher Urlaubsort Büsum, die Schleiregion samt Eckernförde sowie die innere Lübecker Bucht.

Die vier ausgewählten Regionen werden unter wissenschaftlicher Beobachtung vorsichtige Öffnungsschritte wagen. Voraussetzungen sind stabil weniger als 100 Corona-Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Bewohner innerhalb von sieben Tagen, die Zustimmung der jeweiligen Gesundheitsämter und wissenschaftliche Begleitung.

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