Modellregion

Kritik: Binnenland-Tourismus soll auch öffnen dürfen

Kritik: Binnenland-Tourismus soll auch öffnen dürfen

Kritik: Binnenland-Tourismus soll auch öffnen dürfen

Marle Liebelt/shz.de
Schleswig
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Baden in der Natur in der Urlaubsregion grünes Binnenland. Foto: Photocompany/Grünes Binnenland

Während die Modellregionen bereits ihre Verlängerungen planen, warten Anbieter im Binnenland auf Perspektiven.

Während die Modellregionen schon ihre Verlängerung vorbereiten, fehlt es im restlichen Landesteil an Perspektiven. Das kritisieren Vertreter des Binnenland-Tourismus, die nach wie vor auf den Saisonstart warten, in einer gemeinsamen Mitteilung.

„Es ist niemandem in unserer Region zu erklären, dass zwischen den beiden Modellregionen Ostseefjordschlei und Nordfriesland die Vermieterinnen und Vermieter nicht ebenfalls öffnen dürfen“, moniert Thomas Klömmer, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Eider-Treene-Sorge GmbH.

Besonders vor dem Hintergrund, dass sich die Region um Schleswig seit Wochen durch sehr niedrige Inzidenz-Werte auszeichnet, fehlt Klömmer das Verständnis für dieses Vorgehen. Der Landesteil sei als strukturschwache Region insbesondere auf den Tourismus angewiesen. Er ist besorgt: „Wir müssen leider miterleben, dass zunehmend Ferienhausvermieter aus der Vermietung aussteigen und auf Dauervermietung umstellen.“ Auch Restaurants, Gaststätten und Saalbetriebe würden zunehmend schließen, da auch sie keine Perspektive sehen.

Täglich über 100 Anfragen

Auch Marianne Budach, Geschäftsführerin der Gebietsgemeinschaft Grünes Binnenlandes e. V., beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. Es entstehe ein Gefühl der Ungerechtigkeit bei Vermietern, aber auch bei Gästen: „Unsere Gäste können nicht erkennen, welche Vermieter zu den Modellregionen gehören. Uns erreichen täglich über 100 Anfragen, ob Urlaub bei uns möglich ist.“

Außerdem sei die Region gar nicht klar abzugrenzen. Ein Beispiel: Der Wikinger-Friesen-Weg, für den es Radpauschalangebote gibt. 80 Prozent der Übernachtungen auf dieser Rad-Tour liegen in der Modellregion, 20 im grünen Binnenland. Das führe dazu, dass diese Touren nicht möglich sind.

Klare Perspektive ab Montag gefordert

Auch Yannek Drees, Geschäftsführer der Eider-Treene-Sorge GmbH, schließt sich der Kritik an. „Wir sind dankbar für das Engagement der Modellregionen und freuen uns über den Erfolg“, macht Drees deutlich. Jedoch sei das Land nun gefordert, eine nachvollziehbare und verbindliche Perspektive für die gesamte Region zu schaffen. Denn durch die Modellregionen zeichne sich langsam aber sicher ein „räumlicher und auch zeitlicher Flickenteppich ab, der zu dem Eindruck einer aufschiebenden Wirkung für den Rest des Landes und damit zu einem unverantwortbaren Gefälle zwischen den Regionen führt“.

Marianne Budach macht Nägel mit Köpfen: „Nach drei Wochen Modellregion Schlei ist zu erkennen, dass der Tourismus kein ‚Inzidenzen-Treiber‘ ist.“ Die Vermieter seien vorbereitet und einem Start stehe daher nichts mehr im Wege. Es sei aus ihrer Sicht jedoch nicht zielführend, nun die siebte Modellregion zu starten, um die Lücke zu schließen. „Wir fordern unsere Regierung daher auf, den Tourismus im Grünen Binnenland und in der Eider-Treene-Sorge-Region ab dem 10. Mai wieder möglich zu machen.“

Schleswig-Holstein: Modellregion für Deutschland?

Yannek Drees: „Wenn Verlängerungen für Modellregionen gewährt werden, gehen wir davon aus, dass es nachweislich gelingt, einen verantwortungsvollen Tourismus durchzuführen. Dann muss auch eine Perspektive für das gesamte Land Schleswig-Holstein geboten werden – als Modellregion für die Bundesebene.“

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