Sonderparteitag

SSW startet mit Stefan Seidler in Mission Bundestag

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shz.de/Kay Müller
Schleswig
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Schafft er es ins Parlament? Stefan Seidlers SSW braucht dafür rund 50.000 Stimmen bei der Bundestagswahl. Foto: Michael Staudt

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Die Partei der dänischen und friesischen Minderheit wählt Stefan Seidler zum Spitzenkandidaten.

Das Symbol ist genau gewählt. „Moin Berlin“ steht auf dem Segel eines Wikingerschiffs, das auf einem großen Transparent in der A.P. Møller Skolen in Schleswig hängt. Denn in die Hauptstadt will der SSW. Und zwar mit Stefan Seidler als Spitzenkandidat. Der Flensburger setzt sich mit 68 zu 59 Stimmen gegen die stellvertretende Landesvorsitzende, Sybilla Nitsch, in einer Stichwahl durch. Zuvor ist die 21-jährige Vorsitzende der Jugend im SSW, Maylis Roßberg, in der Wahl unterlegen.

Flensburger gewinnt Kampfabstimmung

„Ich will in Berlin keine großen Reden schwingen, sondern dass man dort wieder über und mit uns redet“, sagt Seidler, den die damalige SSW-Ministerin Anke Spoorendonk bereits in der Küstenkoalition zum Dänemark-Koordinator der Landesregierung gemacht hat. „Die Großen müssen den Kleinen helfen“, fordert Seidler. Das gelte nicht nur für die Minderheitenpolitik, sondern universell. Deshalb ist er auch für eine Vermögenssteuer, ein Betreuungsangebot für Kinder nach dänischem Vorbild und eine steuerliche Entlastung der Mittelschicht. „Unser Norden kommt viel zu kurz“, meint der 41-Jährige, der das in Berlin ändern will.

Es ist das erste Mal seit 1961, dass der SSW zu einer Bundestagswahl antritt. Bislang gelang es nur dem früheren Schleswiger Bürgermeister Hermann Clausen, ein Mandat zu erringen – bei der ersten Bundestagswahl 1949. Die Partei der dänischen und friesischen Minderheit ist in Schleswig-Holstein wie im Bund von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Die SSW-Parteiführung hat ausgerechnet, dass sie zwischen 45.000 und 50.000 Stimmen braucht, um ihren Spitzenkandidaten nach Berlin schicken zu können. Bei der Landtagswahl 2017 erhielt der SSW knapp 49.000 Stimmen.

Es ist ein historischer Parteitag.

Flemming Meyer, SSW-Chef

Seidler will sich in Berlin für die regionale Entwicklung im Norden stark machen – vor allem was Bildung, Infrastruktur und Kultur angeht. Was der SSW noch in Berlin erreichen will, präzisiert dann der Parteivorsitzende Flemming Meyer: „Während es auf Landesebene dank des SSW große Fortschritte in der Minderheitenpolitik gegeben hat, gilt das nicht in gleichem Maße für die Bundespolitik.“ Deswegen sei die Wahl der Landesliste für die Bundestagswahl so wichtig: „Es ist ein historischer Parteitag.“

Wirklich historisch wird es allerdings wohl erst, wenn der SSW im Herbst tatsächlich Kurs auf Berlin nehmen und in den Bundestag einziehen sollte – ganz friedlich und wohl auch ohne Wikingerschiff.

Gewählt

Das sind die Wahlkreiskandidaten

Diese Kandidaten treten für den SSW in folgenden Wahlkreisen für die Bundestagswahl im Herbst an:

Schleswig-Flensburg: Stefan Seidler
Nordfriesland / Dithmarschen: Sybilla Nitsch
Rendsburg-Eckernförde: Maylis Roßberg
Kiel: Marcel Schmidt
Pinneberg-Helgoland: Claudia Edmund

Es gab keine Gegenkandidaten.

Der SSW hält seinen Landesparteitag an der A. P. Møller Schule in Schleswig ab. Foto: Lars Salomonsen
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