Corona-Lockerungen

Neue Modellprojekte: Niederdeutsche Bühne und Pilkentafel

Neue Modellprojekte: Niederdeutsche Bühne und Pilkentafel

Neue Modellprojekte: Niederdeutsche Bühne und Pilkentafel

Lisa Bohlander und Antje Walther/shz.de
Flensburg
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Die Theaterwerkstatt Pilkentafel in Flensburg wurde ebenso wie die Niederdeutsche Bühne als Modellprojekt ausgewählt - und wird im Mai vor Publikum spielen. Foto: Michael Staudt

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Die zwei Theaterbühnen in Flensburg gehören zu den landesweit 13 Kulturstätten, die wieder vor Publikum spielen dürfen.

Lange hieß es warten, nun geht es wieder los: In der Theaterwerkstatt Pilkentafel und der Niederdeutschen Bühne Flensburg (NDB) sind ab kommender Woche wieder Aufführungen mit Publikum erlaubt. Das teilte die Kulturministerin des Landes Schleswig-Holstein, Karin Prien, am Dienstagmittag mit.

Die beiden Schauspiel-Bühnen gehören damit neben dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater und den Theatern Kiel und Lübeck zu den insgesamt 13 Kultureinrichtungen, die als Modellprojekte des Landes Schleswig-Holstein ausgewählt wurden. Beworben hatten sich landesweit 40 Kulturstätten aus unterschiedlichen Bereichen. Die Projekte können am 19. April starten und dauern vier bis sechs Wochen.

„Goot gegen Nordwind“ an der Niederdeutschen Bühne

„Wir freuen uns wirklich sehr darüber“, sagt Rolf Petersen, Bühnenleiter und Geschäftsführer der NDB. „Wir merken, dass die Leute wieder ins Theater wollen.“ Auch das Ensemble aus Freiwilligen „scharrt schon mit den Hufen, dass es wieder losgeht“. Bei der Bewerbung als Modellprojekt hatte die NDB Petersen zufolge einen kleinen Vorsprung: „Das Hygienekonzept für „Good gegen Nordwind“ hatten wir schon im vergangenen Herbst aufgestellt“ – nach zwei Vorstellungen war damals wegen des Lockdowns Schluss gewesen.

Nach etwas Probezeit soll das Zwei-Personen-Stück „Good gegen Nordwind“ am 7. Mai erneute Premiere an der NDB feiern, elf Vorstellungen werden gespielt. „Das Stück ist sehr coronatauglich, die Schauspieler halten sich auf der Bühne nämlich in getrennten Wohnungen auf“, erzählt Petersen mit einem Lachen. Am 20. Mai tritt zudem der Solo-Künstler Matthias Stührwoldt an der NDB auf, am 3. Juni folgt Jan Graf.

Kein Einlass ohne negativen Corona-Test

Ohne Hygieneauflagen geht es nicht: Die Besucherzahl ist auf 50 Zuschauer pro Vorstellung begrenzt, während der Vorstellung muss eine FFP2- oder medizinische Maske getragen werden. Die wichtigste Neuerung: Vor Betreten des Vorstellungsraums muss ein negativer Corona-Test vorgelegt werden, der personalisiert und nicht älter als 24 Stunden ist. Ein Selbsttest reicht dafür nicht aus. „Ich glaube nicht, dass das ein Hindernis wird für die Zuschauer“, ist Petersen zuversichtlich – die letzten Vorstellungen im vergangenen Oktober seien stets ausverkauft gewesen.

Bei der Kontaktverfolgung nutzt die NDB unter anderem die Luca-App, doch Petersen sagt: „Wir verkaufen ja eh personalisierte Karten, das heißt die Zuschauer hinterlegen ihre Kontaktdaten schon beim Kauf einer Karte.“ Zunächst wird die NDB nun alle kontaktieren, die noch gültige Karten aus dem vergangenen Jahr besitzen – der Vorverkauf startet voraussichtlich am Montag, 19. April, an der Theaterkasse (Telefon 0461-23388) und im Büro der NDB.

Pilkentafel: Kritik am Verfahren

Elisabeth Bohde von der Theaterwerkstatt Pilkentafel ist hin und her gerissen zwischen Freude und Ärger. Als Kopf des freien Theaters in Flensburg freut sie sich einerseits über die Zusage, Teil des Modellprojekts Kultur zu sein. Andererseits zählt sie zum Vorstand des Landesverbands Freies Theater Schleswig-Holstein, der am 9. April seine Kritik am Verfahren zum Modellprojekt öffentlich machte.

„Die Kurzfristigkeit des Verfahrens, mit der wir konfrontiert wurden, machte eine gründliche Auseinandersetzung und Bearbeitung, wie sie der Situation angemessen wäre, nicht möglich“, heißt es in dem Schreiben. Die Unterzeichner Stephan Schlafke, Sigrid Dettlof, Marc Lowitz und Elisabeth Bohde haben viereinhalb Werktage um die Osterzeit dafür errechnet.

Die Begrenzung auf drei Einrichtungen pro Stadt macht genau das, was wir die ganze Zeit versuchen, zu verhindern, nämlich: dass eine Konkurrenzsituation entsteht.

Elisabeth Bohde, Theaterwerkstatt Pilkentafel

Die Teilnahme-Beschränkung auf höchstens drei Kulturinstitutionen pro Stadt oder Kreis, die zudem nicht alle zur gleichen Zeit oder überhaupt informiert wurden, führe genau dazu, „was wir die ganze Zeit versuchen, zu verhindern, nämlich: dass eine Konkurrenzsituation entsteht“, erklärt die Theatergründerin am Dienstag mündlich.

Die Vorstandsmitglieder fragen sich zudem, „ob es angesichts der jetzigen Gefährdungslage zu verantworten ist, über Öffnungen zu sprechen, bevor die 3. Welle beherrscht scheint.“ Welcher Forschungsfrage das Ministerium nachgehe, bleibe ebenfalls offen. Selbst wenn man beweisen würde, dass in der Pilkentafel niemand infiziert werde, so hofft Bohde natürlich, könnte man daraus noch keine Rückschlüsse auf Theater allgemein ziehen.

Drei Bewerbungen für das Modellprojekt Kultur aus Flensburg

Ein auf die Bewerbung passendes Hygienekonzept habe sie nicht aus der Schublade ziehen können, denn seit der letzten Anfertigung seien mit Teststrategien und Nachverfolgungen neue Herausforderungen entstanden.

Darüber hat das letzte Wort das örtliche Gesundheitsamt, erklärt Clemens Teschendorf, Sprecher der Flensburger Stadtverwaltung. Diese habe alle Bewerbungen für das Modellprojekt Kultur „positiv unterstützt“ und mit einem Empfehlungsschreiben begleitet. Tatsächlich haben sich nach Auskunft von Teschendorf und Bohde nur drei Institutionen aus Flensburg beworben. Theatermacherin Bohde vermutet als einen möglichen Grund die unzureichende und späte Kommunikation an der Basis.

Wir mutmaßen, dass unsere Zuschauer froh sind, wenn man wieder etwas Analoges sehen kann.

Elisabeth Bohde, Theaterwerkstatt Pilkentafel

Abseits der Kritik wird Elisabeth Bohde ihre Pilkentafel (sonst 49 Plätze) im Modellprojekt ab Mai für drei ohnehin corona-kompatible Stücke öffnen. Man habe sehr früh im Jahr mit Mai geplant. Das Programm beinhaltet das interaktive Spiel („68 Entscheidungen“), Einblicke in die Filmwerkstatt sowie „Gevatter Tod, Gebrüder Grimm und Rilke – Variationen für Totenkopf und Cello“ der Puppenspielerin Karin Schmitt und die Solo-Musik-Theater-Performance „Shower“ von Torsten Schütte. Die Sitzplätze sind auf 16 reduziert.

„Wir mutmaßen, dass unsere Zuschauer froh sind, wenn man wieder etwas Analoges sehen kann“, sagt Schauspielerin und Regisseurin Bohde und ergänzt: „Natürlich sind wir total froh, unserem eigentlichen Beruf nachzugehen.“ Auch wenn der Aufwand „extrem teuer“ sei und sich wirtschaftlich nicht rechne.

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