Nach der Wahlniederlage

Ex-Ministerpräsident Albig hat neuen Job als DHL-Lobbyist in Brüssel

André Klohn, dpa/shz.de
Brüssel
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Der ehemalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Torsten Albig Foto: Carsten Rehder/dpa

Der Ex-Regierungschef arbeitet schon ab dem nächsten Jahr als Unternehmens-Repräsentant der DHL-Gruppe.

Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat gut ein halbes Jahr nach seiner Wahlniederlage einen neuen Job. Der 54-Jährige fängt am 1. Januar als Unternehmens-Repräsentant der DHL-Gruppe in Brüssel an. „Wir ziehen nach Brüssel“, sagte Albig am Mittwoch. „Ich sofort – der Rest nach den Schulferien.“ Albigs offizieller Titel lautet „Vice President Corporate Representation Brussels“.

Albig führte von 2012 bis 2017 in Schleswig-Holstein eine Koalition aus SPD, Grünen und der Partei der dänischen Minderheit SSW. Die Landtagswahl im Mai 2017 verlor die SPD. Eine Woche nach der Niederlage kündigte Albig seinen Rückzug aus der Politik an. Nach der Wahl von Daniel Günther (CDU) zu seinem Nachfolger zog sich Albig weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Landtagsmandat nahm er nicht wahr.

Vor seinem Wechsel an die Spitze der Landesregierung war er Sprecher mehrerer Bundesfinanzminister und Konzernsprecher der Dresdner Bank in Frankfurt und zuletzt bis 2012 drei Jahre lang Kieler Oberbürgermeister. 2016 hatte sich Albig nach 27 Jahren Ehe von seiner Frau getrennt. Mit ihr hat er zwei Kinder. Er zog zu seiner neuen Lebensgefährtin Bärbel Boy, die drei Kinder hat.

Erst im September ging Albig in einem Interview in den Lübecker Nachrichten auf Jobsuche. Dort sagte er, er plane eine neue berufliche Zukunft, „zum Beispiel, in dem ich als Jurist, Verwaltungsprofi und Generalist die Verantwortung für die Kommunikation oder andere Prozesse eines großen Unternehmens übernehme.“ Albig betont, sich unterordnen zu können. „Ich muss nicht immer die Nummer eins sein – ich kann sehr gut in einem Team arbeiten.“

Bereits zu seiner aktiven Zeit als Politiker hatte der gebürtige Bremer einen späteren Berufswechsel nicht ausgeschlossen. „Es wäre kein dramatischer Bruch in meinem Leben, wenn nach der Frankfurter, der Berliner und der Kieler Zeit noch eine Tätigkeit in London, Chicago oder Buenos Aires stehen würde“, sagte der SPD-Politiker Ende 2014. Es wäre für ihn auch nicht die Niederlage seines Lebens, noch einmal etwas anderes als Politik machen zu können. Nun führt der Weg des Mannes mit dem markanten Glatzkopf also nach Brüssel.

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