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Homeschooling: „Die Eltern sind hochgradig belastet“

Homeschooling: „Die Eltern sind hochgradig belastet“

Homeschooling: „Die Eltern sind hochgradig belastet“

Marle Liebelt/shz.de
Schleswig
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Die Schüler der Peter-Härtling-Gruppe gehören zur Hochrisikogruppe. Foto: Marle Liebelt

Schüler, Eltern und Pädagogen des Förderzentrums geistige Entwicklung gehen in der Pandemie an ihre Belastungsgrenzen.

„Ich habe den größten Respekt vor dem, was die Eltern unserer Schüler derzeit durchmachen müssen“, betont Arne Gräfingschulte immer wieder. Im Telefonat mit unserer Redaktion erklärt der Schulleiter die verzwickte Lockdown-Situation der Schüler, Eltern und Pädagogen der Peter-Härtling-Schule (PHS).

Das Förderzentrum geistige Entwicklung wird von Schülern mit einem erhöhten Assistenzbedarf besucht. Gemeint sind Kinder und Jugendliche, die mit einer Behinderung leben und dadurch einen höheren Bedarf an Pflege und Betreuung haben als Kinder ohne Behinderung.

Wir arbeiten mit Schülern, die mit ganz unterschiedlichen Formen einer Behinderung leben.

Arne Gräfingschulte

Das reicht beispielsweise von leichten Formen des Autismus bis hin zu schweren geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen. Wie alle anderen Schüler, die nicht in der Notbetreuung sind, lernen auch sie gerade im Homeschooling. Da ihre Förderung jedoch ganz besonders von individuellen Umständen geprägt und abhängig ist, läuft es hier nicht so, dass eine Lehrkraft der Klasse Aufgaben zukommen lässt und sie diese dann bearbeiten.

Eltern sind stark belastet

„Da die Voraussetzungen sehr unterschiedlich sind, bekommt jedes Kind seinen individuellen Materialkasten“, erklärt der Schulleiter. Da können Spiele, Bastelmaterial, Übungsblätter oder ganz praktische Aufgaben, wie „baue einen Schneemann“ sein.

Fernunterricht am Förderzentrum geistige Entwicklung ist fast unmöglich und läuft nur über eine sehr hohe Belastung der Eltern.

Arne Gräfingschulte

Deshalb würden Arne Gräfingschulte und seine Kollegen immer in engem Austausch mit den Eltern stehen. „Wir müssen bei jeder Familie schauen, was die Eltern leisten können, was wir ihnen zumuten und ob wir ihnen irgendwie anders helfen können. Sie müssen sagen, ob sie gerade mehr Material brauchen, oder es gerade nicht geht.“

Mehr Kriterien für einen Anspruch auf Notbetreuung

Die Lehrkräfte betreuen zwischen acht und elf Kindern in einer Klasse. Alle mit unterschiedlichem Förder- und Assistenzbedarf. In der Notbetreuung sind derzeit rund 15 Schüler und Schülerinnen. Das Land hat die Kriterien für eine Notbetreuung in Förderzentren erweitert, sodass auch Schüler mit erhöhtem Assistenzbedarf die Notbetreuung in Anspruch nehmen kann. Also im Prinzip gilt das für alle Schüler an der PHS. Das schafft der Schule die nötige Freiheit bei jedem Schüler auf die individuellen Umstände einzugehen und eine Notbetreuung zu ermöglichen.

Das bedeute aber nicht, dass man an der Schule nun einfach so gut wie alle Kinder in die Notbetreuung nehme. „So unglücklich die Situation im Homeschooling auch ist. Die Isolation ist lebenswichtig“, betont Gräfingschulte. Das Coronavirus ist für die Kinder aufgrund ihrer Behinderung und teils schweren Vorerkrankungen besonders gefährlich, die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufes sehr hoch.

Gleichzeitig sind viele der Kinder bei uns nicht in der Lage, die Hygiene- und Abstandsregeln entsprechend einzuhalten.

Arne Gräfingschulte

Deshalb gelte für alle Mitarbeiter und Schüler, die um die Präsenzzeiten nicht herumkommen besondere Vorsicht.

„Jede Besprechung und Abstimmung mit anderen Kollegen kann nur online oder telefonisch stattfinden, selbst für den Kopierraum muss man eine Zeit buchen, um sicherzustellen, dass man niemandem begegne.“ Ein Corona-Fall an seiner Schule wäre fatal.

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