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Gesunder Wachmacher: Fünf Fragen rund um den Kaffee

Gesunder Wachmacher: Fünf Fragen rund um den Kaffee

Gesunder Wachmacher: Fünf Fragen rund um den Kaffee

Julia Voigt/shz.de
Flensburg
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Einige Mythen zum Thema Kaffee stimmen nicht, weiß Andreas Tunger. Foto: dpa/Friso Gentsch

Wir haben bei einem Flensburger Traditionsröster nachgefragt, was guter Kaffee kann.

Er ist unbenommen die Nummer Eins der Lieblings-Heißgetränke weltweit. Ob in Brasilien oder Norwegen – Kaffee kommt immer und überall in die Tassen. Kein Start in den Tag ohne ihn, und zum Stück Kuchen darf er auch nicht fehlen. Allein in Deutschland lag im Jahr 2019 der Durchschnittsverbrauch pro Kopf bei 166 Litern. So weben sich um die Bohne ebenso unzählige Mythen und Geschichten. Doch was kann der Wachmacher wirklich und was macht guten Kaffee aus? Wir haben beim Flensburger Traditionsröster Andreas Tunger nachgefragt.

Herr Tunger, dem Kaffee wird gern zugeschrieben, dass er für Menschen mit einem empfindlichen Magen nicht gut verträglich ist und sogar schädlich ist. Was ist da dran?

Das Problem ist nicht der Kaffee an sich, sondern die Herstellung. Industriell gerösteter Kaffee kann die Magenschleimhäute angreifen, für Bluthochdruck, Schwitzen oder Sodbrennen sorgen. Das wird fälschlicherweise auf das Koffein geschoben. Schuld sind jedoch unter anderem die Gerbsäuren. Das extrem kurze Röstverfahren der Industrie verbrennt den Kaffee oft außen, während er innen noch roh ist. Hinzu kommen Chemie und Füllstoffe, die auch für Allergien verantwortlich sein können. Wenn man dann noch viel Milch dazu mischt, wird das Ganze erst recht schwer verdaulich. Eine echte Koffein-Unverträglichkeit dagegen ist selten. Wird Kaffee jedoch in hohen Mengen konsumiert, kann das Koffein das Nerven- und Herz-Kreislauf-System und den Magen-Darm-Trakt belasten sowie für Schlaflosigkeit sorgen.

Das heißt dann für gesundheitsbewusste Kaffeetrinker?

Besser auf trommelgerösteten Kaffee umsteigen und ihn mit allen Sinnen bewerten. Guten Kaffee kann man riechen, sehen und schmecken. Durch das Langzeit-Röstverfahren entstehen beispielsweise die natürlichen ätherischen Öle, die den Geruch ausmachen.

Also nicht das kaufen, was gerade im Angebot ist, sondern Qualität statt Quantität.

Andreas Tunger

Lange Zeit wurde dem Kaffee nachgesagt, dass er dem Körper Flüssigkeit entzieht. Stimmt das?

Das ist längst widerlegt worden. In mehreren Studien hat man nachgewiesen, dass Kaffee dem Körper, wie andere Getränke, Flüssigkeit sogar zuführt.

Kaffee wird von den meisten Menschen getrunken, um in Schwung zu kommen. Gibt es noch andere Argumente, die für ihn sprechen?

Laut eine britischen Studie enthält Kaffee mehr als 1000 bioaktive Substanzen, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben können. Er kann beispielsweise das Risiko für Diabetes Typ 2 verringern. Für diesen Effekt wird allerdings wieder nicht das Koffein verantwortlich gemacht, sondern die sekundären Pflanzenstoffe, die Antioxidantien (Radikalfänger). Zudem enthält er Niacin, auch bekannt als Vitamin B3, und sorgt so für einen besseren Stoffwechsel. Auch im Sport ist dem Kaffee eine leistungssteigernde Wirkung bescheinigt worden. Weiter wurde festgestellt, dass Kaffeetrinker seltener dement werden als Kaffee-Abstinenzler. Allgemein fördert er zudem die Konzentrationsfähigkeit.

Kaffee in Maßen hat eine gesundheitsfördernde Wirkung. Foto: imago/chromorange

Wie viele Tassen und damit Koffein dürfen es denn am Tag sein?

Es ist wie bei allen Lebensmitteln: das Maß ist das Ziel. Eine Kaffeebohne enthält je nach Sorte zwischen 0,8 und 4 Prozent Koffein. Der Gehalt wird aber auch durch die Kontaktdauer des Wassers mit dem Pulver bestimmt. Die übliche Menge liegt bei etwa vier Tassen à 200 Milliliter täglich.

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