Gleichstellung

Frauen übernehmen 80 Prozent der Sorge-Arbeit - unbezahlt

Frauen übernehmen 80 Prozent der Sorge-Arbeit - unbezahlt

Frauen übernehmen 80 Prozent der Sorge-Arbeit - unbezahlt

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Nordfriesland
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Frauen tragen immer noch die Hauptlast der Sorgearbeit in der Gesellschaft. Foto: imago images

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Die kommunal hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten melden sich zum "Equal Care Day" zu Wort.

„Die Dethematisierung ist eine erfolgreiche Strategie. Unbezahlte Arbeit bleibt auch jetzt, in der Extremsituation der Pandemie, da die Belastung ins Absurde steigt, das private Problem der Frauen“, zitieren die kommunalen hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Nordfriesland aus einem Artikel von Elisabeth Raether über die Werschätzung beziehungsweise die Nicht-Wertschätzung der Sorgearbeit von Frauen. Der Artikel wurde im letzten Jahr auf zeit-online veröffentlicht.

Zum heutigen Equal-Care-Day wollen die Gleichstellungsbeauftragten das Thema erneut in den Fokus rücken und fordern: "Wertschätzung für Sorgearbeit jetzt!" Und fragen: „Wer ist für die Sorgearbeit überwiegend in unserer Gesellschaft zuständig? Wer trägt die Hauptlast in besonderen Lebenssituationen? Für Kinderpflege? Home Schooling? Bis hin zu allen sogenannten Haushaltsnahen Dienstleistungen sowie die Fürsorge für die ältere Generation?"

Equal Care Day am 1. März

Der Equal Care Day wurde grundsätzlich auf den 29. Februar festgelegt. "Es ist ein gutes Datum, denn wir übersehen diesen besonderen Tag ja gerne einmal und so werden auch die vielfältigen Arbeits- und Tätigkeitsfelder der zu 80 Prozent von Frauen übernommenen Sorgearbeit auch gerne einmal übersehen oder wenigstens als „Selbstverständlichkeit“ hingenommen", heißt es in einer Mitteilung von Andrea Dunker (Gemeinde Sylt), Kirsten Schöttler-Martin (Amt Nordsee-Treene), Gudrun Arndt (Amt Eiderstedt), Simone Ehler (Kreis Nordfriesland), Christine Friedrichsen (Amt Mittleres Nordfriesland), Britta Rudolph (Stadt Husum) und Sylke von Kamlah-Emmermann (Amt Südtondern).

In diesem Jahr – in Ermangelung des 29. Februar – findet der Aktionstag „Equal Care Day“ am heutigen 1. März statt. Allerdings ohne große Aktionen, da dies aufgrund der Corona-Lage nicht möglich ist. Dennoch planen die Beauftragten des Kreises bereits Aktionen für das kommenden Jahr.

Festes Rollenklischee: Care-Arbeit übernimmt die Frau

Zudem machen die Frauen auf die statistische Equal Care-Auswertung aufmerksam. Laut dieser brauchen Männer viermal so lange, bis sie dieselbe Menge an Care-Arbeit geleistet haben wie sie die Frauen auch 2021 noch leisten. "Care-Arbeit, so stellen die Gleichstellungsbeauftragten klar, ist nach wie vor ein offensichtlich von der Gesellschaft klar definiertes Arbeitsfeld von Frauen."

Keine wirtschaftliche Auswertung der Care-Arbeit

So dominierten in der Gesellschaft fest etablierte Rollenklischees, die Stereotype verstetigen, statt sie aufzubrechen und auch im Mehrwert an alle Geschlechter gleichermaßen zu knüpfen. Als besonders fatal empfinden es die Gleichstellungsbeauftragten, dass die sogenannte Care-Arbeit auch keinen Eingang findet in Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Wertschöpfungsanalysen, die überall eine Auswertung erfahren, nur nicht im Hinblick auf Care- und damit Sorgearbeit in allen Bereichen. "Das macht uns betroffen."

Haushalt, Kindererziehung und Alten- und Krankenpflege

Care-Arbeit bedeutet ein weites Spektrum an Verantwortung und Arbeit, beginnend von der Geburtshilfe über die komplette Bandbreite der Erziehungs- und Betreuungsberufe, der Kranken- und Altenpflege bis hin zu der vielfältigen ehrenamtlichen Arbeit mit unterschiedlichsten sozialen Schwerpunkten, die tatsächlich überwiegend Frauen leisten und initiieren.

Ungleiche Bezahlung und wenig Rente

Es kommen neben den Geschlechterrollen, die stereotyp wahrgenommen werden, ganz konkret der Pay- und Renten-Gap in der konkreten Auswirkung zum Tragen: "Monetäre Auswirkungen, – beispielsweise konkrete Altersarmut –, die niemals aufgeholt werden können und die dann der ,Dank der Gesellschaft´ für lebenslanges Engagement in der Sorgearbeit sind", heißt es in der Mitteilungen.

Und: "Frauen sind einsame Spitze in der Sorgearbeit – aber Sorgearbeit ist Teamarbeit und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur mit Teamgeist gelingen kann! Wertschätzung von Care-Arbeit darf in ihrer allumfänglichen Thematik nicht länger ein Lippenbekenntnis bleiben", so die Gleichstellungsbeauftragten im Statement abschließend.

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