Kinderschutz

Corona-Zeit: Die Not der Kinder wird oft nicht gesehen

Corona-Zeit: Die Not der Kinder wird oft nicht gesehen

Corona-Zeit: Die Not der Kinder wird oft nicht gesehen

Sabine Voiges/shz.de
Nordfriesland
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Die Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Westküste Ursula Funk und der Jugendpfleger der Stadt Husum lars Wulff werben für mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Foto: Volkert Bandixen

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17 Fachkräfte aus verschiedenen Jugendhilfe-Einrichtungen aus Kreis und Stadt diskutieren die Problematik.

Kinderschutz in Corona-Zeiten ist eine besondere Herausforderung. Die zunehmende Belastung durch die Pandemie bringt Familien an ihre Grenzen – und damit die Kinder häufig in große Not. Doch durch die eingeschränkten Kontakte finden sie oft keinen Ansprechpartner, dem sie ihre Ängste und Probleme anvertrauen können.

Kontakt in Schulen und Kitas

„In den Jugendeinrichtungen und -institutionen sowie in den Kitas und Schulen werden die Kontakte soweit dies möglich ist aufrechterhalten und wir setzen alles daran, um dieses Netzwerk möglichst engmaschig zu gestalten. Dennoch erreichen wir längst nicht alle Kinder. Dies gilt insbesondere für Jüngere sowie Jugendliche, die keinen Zugang zu Medien haben. Das bereitet uns große Sorge“, erklärt Husums Stadtjugendpfleger Lars Wulff.

Mit dem Problem dieser „nicht gesehenen“ Kinder setzten sich kürzlich denn auch 17 Fachkräfte, darunter der Kinderschutzbeauftragte des Kreises, Vertreter des Jugendamtes, des BISS und des evangelischen Kinder- und Jugendbüros, dem Mädchentreff Husum sowie dem Dänischen Gesundheitswesen für Kita und Schule in einer Videokonferenz auseinander.

Kinder genau beobachten

Im Ergebnis wollen die Beteiligten neben der engeren Zusammenarbeit den Fokus zukünftig verstärkt auf die Öffentlichkeitsarbeit im Hinblick auf die Sensibilisierung und Information der Bevölkerung richten. Hilfsangebote und -portale die Unterstützung anbieten sollen dazu auf den Internetseiten der Schulen und Einrichtungen sowie auf beliebten Web-Portalen wie Instagram und Tiktok veröffentlicht werden. Zudem soll eine Zusammenfassung aller im Kreis zur Verfügung stehenden Hilfen erstellt werden. Ebenfalls als Informationsträger soll der Kreisjugendring mit ins Boot geholt werden.

„Es braucht jedoch vor allem die Erwachsenen, sprich Oma, Opa, Tante, Onkel, Nachbarn, Freunde und andere Multiplikatoren die aufmerksam hinschauen und auch handeln, wenn ihnen etwas auffällig erscheint“, lautet der Appell des Stadtjugendpflegers.

Menschen, die sich Sorgen um ein Kind machen sollten deshalb nicht zögern, sich an uns zu wenden. Und wenn wir einmal dahin kommen, haben wir schon viel gewonnen.

Ursula Funk, Leiterin Kinderschutz-Zentrum Westküste

Das Kinderschutz-Zentrum Westküste sei in seiner Funktion als zentrale Anlaufstelle in jedem Fall für alle Anliegen die richtige Adresse, erklärt dessen Leiterin Ursula Funk. Oft helfe schon ein Gespräch, um eine Sachlage oder Unsicherheit zu klären. Es müsse auch niemand Angst haben, jemanden anzuschwärzen, denn es werde auch anonymen Meldungen nachgegangen und was im Zentrum besprochen werde, bleibe grundsätzlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit. „Menschen, die sich Sorgen um ein Kind machen sollten deshalb nicht zögern, sich an uns zu wenden. Und wenn wir einmal dahin kommen, haben wir schon viel gewonnen“, erklärt sie.

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