Nach vergeblichen Sprengversuchen:

Windrad stürzt im Wind einfach um

Windrad stürzt im Wind einfach um

Windrad stürzt im Wind einfach um

Peter Hamisch/shz.de
Sörup
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Windrad Sörup
Die Aufräumarbeiten begannen noch am Freitagabend. Foto: Jürgen Jordt

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„Die Standhafte“, wie der Volksmund die störrische Windkraftanlage in Sörup getauft hat, steht nicht mehr.

Es war am Freitagnachmittag um 16.25 Uhr. „Ich saß gerade im Büro, als es rumste“, berichtet Anwohner Jürgen Jordt von dem Moment, in dem die inzwischen bundesweit bekannte Windkraftanlage in Sörup-Barg aufgab und einfach umfiel.

Zwei Sprengversuche hatte die Anlage in den vergangenen Tagen überstanden. Auch mit Seilen war der Mühle nicht beizukommen. Sie blieb standhaft an ihrem Ort. Erst als nun von Westen der Wind mit Stärke 4-5 über Barg sauste, gab die Mühle auf und fiel um. Personen kamen nicht zu Schaden.

Windrad Sörup
Die Absturzstelle: Der Aufprall ließ Wände und Fenster noch in mehreren hundert Metern Entfernung wackeln. Foto: Jürgen Jordt

Zunächst, sagt Jordt, habe er gedacht, über ihm wäre ein Stuhl umgefallen. Aber dann hätten wohl die Fenster und Wände nicht gezittert wie bei einem Erdbeben. Ein Blick aus dem Fenster genügte: „Wo eben noch das Windrad stand, war nichts mehr.“

Im Söruper Orsteil Barg atmet man auf. Viele Neugierige waren in den vergangenen Tagen durch das sonst so ruhige Dörfchen mit den engen Straßen gefahren. Dazu kam, dass einige Straßen aus Sicherheitsgründen gesperrt waren.

Die Anlage war schon seit einem Sturmschaden im März stark beschädigt. Weil sich das Motorhaus in 60 Metern Höhe gelöst hatte, war an eine geregelte Demontage nicht mehr zu denken. Es wäre zu gefährlich gewesen, auf die Anlage zu klettern. Nach den zwei gescheiterten Sprengversuchen hatte man in dieser Woche versucht, das Windrad mit einem Stahlseil zum Umsturz zu bringen. Das Seil wurde mit einer Drohne oben an der Anlage befestigt – unten zog ein Schlepper mit kräftigem Motor. Die 20 Jahre alte Mühle blieb stehen, das Seil riss. Es wurde spekuliert, dass der Turm zwar im Inneren gebrochen sein könnte, sich die Teile des Stahlmantels aber so verkantet haben, dass er einfach stehen blieb.

Kein Kommentar vom Hersteller

Bei der Betreiberfirma WKN aus Husum ist man nun erleichtert, dass das kostspielige Spektakel vorbei ist. Noch am Freitagabend rückten erste Bautrupps an, um die „Standhafte“, wie sie Volksmund inzwischen getauft wurde, zu beseitigen. Die Herstellerfirma Vestas lehnte es unterdessen ab, einen Kommentar zu den Vorgängen abzugeben. Auch der verantwortliche Sprengmeister hatte sich zu dem Vorgang nicht äußern wollen.

Windrad Sörup
Foto: Jürgen Jordt
Die gefallene Anlage soll nun durch zwei neue ersetzt werden. Das war ohnehin geplant, schon vor dem Sturmschaden im März.
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