Erholung

So wichtig sind Kuren für Mütter nach der Pandemie

So wichtig sind Kuren für Mütter nach der Pandemie

So wichtig sind Kuren für Mütter nach der Pandemie

Sabine Voiges/shz.de
Pellworm
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Zum Kur-Programm zählen Entspannungstechniken sowie Schulungen zur Selbstfürsorge und Stressbewältigung. Foto: Sabine Voiges

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„Ich habe eine Kur beantragt, weil ich aus dem kräftezehrenden Hamsterrad des Alltags zwischen Beruf, Familie und den Corona-Herausforderungen ausbrechen wollte, um nicht vollends durchzudrehen.“ So beschreibt A. Jenrich ihre Lebenssituation.

Damit benennt die zweifache Mutter ein Gefühl, das vermutlich viele Eltern mit jüngeren Kindern gut kennen. Dafür brauchte es auch nicht erst Covid 19. Doch seit das Virus den Alltag (fremd)bestimmt, ist die Belastung für viele fast unerträglich geworden.

Doch auch das Dr. Gabriele-Akkermann-Haus, die Mutter-/Vater-Kind-Kurklinik des Müttergenesungswerks (MGW), das auf Pellworm in der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) als Zentrum für Gesundheit und Familie betrieben wird, musste im März 2020 in den Lockdown.

„Der Bedarf war bereits vor der Pandemie riesig. Und die Bedürftigkeit hat durch die coronabedingten Belastungen wie Homeoffice und -schooling sowie den fehlenden Kontakt zu entlastenden Großeltern noch einmal enorm zu genommen. Deshalb fiel uns jede abgesagte Anreise besonders schwer“, berichtet die Leiterin der Einrichtung, Elke Kuckoreit-Plamper.

Reduzierte Belegung

Erst Mitte Juli konnten die ersten Frauen, zunächst mit stark reduzierter Belegung wieder anreisen. Aktuell werden allerdings 36 Kurplätze wieder durchgängig belegt. Doch der Einnahmeausfall hat große Löcher in die ohnehin nicht üppig gefüllten Kassen der Kliniken gerissen.

„Die finanziellen Einschnitte sind massiv und bedrohen sogar teils die Existenz der Kliniken“, heißt es in einer MGW-Pressemitteilung. Meist könnten die Häuser nur 80 bis 90 Prozent ihrer Plätze belegen und damit nicht wirtschaftlich arbeiten.

Deshalb musste auch A. Jenrich (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt) viel Geduld aufbringen, bis sie ihre Mutter-Kind-Kur endlich antreten konnte. Jetzt, zum Ende ihrer Pause vom Alltag, klingt sie zuversichtlich: „Auf der Suche nach Ruhe habe ich mich bewusst für diese kleine Klinik entschieden. Und dies war genau richtig, da ich erst während des Aufenthaltes realisiert habe, wie sehr ich völlig überfordert auf der Überholspur unterwegs war.“

„Jede hat eine Auszeit verdient"

Doch das vielfältige Angebot aus Entspannungstechniken, Bewegungskursen sowie die Schulungen mit konkreter Möglichkeiten zur Selbstfürsorge und Stressbewältigung habe ihr neue Denkanstöße und Erfahrungen vermittelt. „Die Bewährung zuhause kommt natürlich erst noch. Aber jede Mutter hat eine solche Auszeit verdient“, erklärt die Schwäbin.

Damit die Patientin für all das Zeit hatte, waren ihre Kinder in der qualifizierten Betreuung, wo sie „regelrecht aufgeblüht“ seien. „Durch die Corona-Isolation haben wir zwei- und dreijährige Kinder, die das soziale Spielen noch gar nicht lernen konnten. Dies kommt zu den bekannten Verhaltensmustern der Kinder nun noch obendrauf. Doch eine Kur kann nur gelingen, wenn eine gute Kinderbetreuung sichergestellt ist“, erläutert Elke Kuckoreit-Plamper.

25-jähriges Bestehen des Dr. Gabriele-Akkermann-Hauses

In diesen Tagen begeht das Dr. Gabriele-Akkermann-Haus als Pellwormer DRK-Einrichtung und anerkannte Klinik des Müttergenesungswerkes das 25-jährige Bestehen. Seither ist das DRK-Schleswig-Holstein der größte Arbeitgeber auf der Insel und versorgt in Kooperation mit dem Kurmittelhaus und weiteren Einrichtungen Patienten aus ganz Deutschland. „Noch heute zählen Mitarbeiterinnen der ersten Stunde zum engagierten 38-köpfigen Team. Ebenso tragen zahlreiche Insulaner den Geist des Hauses mit. All das erfüllt uns mit großer Freude. Denn gerade in der jetzigen Zeit merken wir, wie wichtig es ist, Familien gezielt zu unterstützen“, erklärt Elke Kuckoreit-Plamper, die sich deshalb auch eine bauliche Erweiterung des Hauses wünscht.

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