Coronavirus

Hausärzte impfen im Akkord – der Impfneid setzt zu

Hausärzte impfen im Akkord – der Impfneid setzt zu

Hausärzte impfen im Akkord – der Impfneid setzt zu

Stefan Petersen/shz.de
Husum
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Seit anderthalb Monaten wird in den Impfzentren und bei den Hausärzten parallel geimpft. Foto: Stefan Petersen

Die Allgemeinärzte in Husum und Umgebung kämpfen mit Vorbehalten gegen AstraZeneca und drängelnden Impfwilligen.

Die Corona-Impfungen durch Hausärzte in Husum und Umgebung sind in vollem Gange. 500 Impfungen mit BiontechPfizer und AstraZeneca sind seit Ostern allein in der Praxis Dr. Krieger & Dr. Merkel in Viöl durchgeführt worden. „Wir sind bei unseren Priorität-2-Patienten fast durch und haben schon mit ersten Prio-3-Impfungen begonnen. Und diese Woche auch die ersten Zweit-Impfungen gemacht“, sagt Dr. Nick Merkel.

Wobei AstraZeneca weiterhin ein Problem darstelle: „Nicht jeder will diesen Impfstoff und es gibt immer wieder Diskussionen. Aber wir haben einfach keine Kapazitäten, lange Gespräche darüber zu führen – wenn einer diesen Impfstoff partout nicht will, dann will er einfach nicht.“ Was jedoch nicht heißt, dass dem Patienten dann automatisch Biontech verimpft werde: „Bis Ende Mai bekommen wir Biontech nur noch für Zweitimpfungen.“

Wer darauf besteht, nicht mit AstraZeneca geimpft zu werden, muss halt abwarten.

Dr. Frauke Mehret, Allgemeinärztin in Tönning

„Es gibt Vorbehalte gegen AstraZeneca“, weiß auch Dr. Frauke Mehret. „Wir versuchen dann, mit den Patienten zu reden. Wenn man klarmacht, dass sie mit dem Bestehen auf Biontech einem Jüngeren die Impfung wegnehmen, gibt es oft Einsicht“, so die Tönninger Allgemeinmedizinerin. AstraZeneca ist weiterhin für über 60-Jährige empfohlen. „Wer darauf besteht, nicht mit AstraZeneca geimpft zu werden, muss halt abwarten.“

Appell an die Solidarität

An diese Solidarität der älteren AstaZeneca-Gegner appelliert auch Carsten Philipzig. Ansonsten sei die Impfkampagne auch bei ihm gut angelaufen, so der Allgemeinarzt in Husum. „Wir kommen auf maximal 40 Impfungen pro Woche“, sagt er. Aber man habe nicht das Gefühl, dass man die Pandemie auf diese Weise effektiv bekämpfe: „Das kommt mir alles vor wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.“

Wir impfen an drei Tagen in der Woche. Mein Praxis-Personal muss den Impfstoff für 30 Patienten vorbereiten und diese 30 auch aktiv wegen des Termins anrufen.

Carsten Philipzig, Allgemeinarzt in Husum

Was ihn am meisten störe, sei der logistische Aufwand: „Wir impfen an drei Tagen in der Woche. Mein Praxis-Personal muss den Impfstoff für 30 Patienten vorbereiten und diese 30 auch aktiv wegen des Termins anrufen.“ Das sei nicht so einfach und nur dank des unermüdlichen Einsatzes seines Teams zu schaffen. „Aber der Impfstoff ist nur begrenzt haltbar. Er wird am Dienstag geliefert und muss bis Freitag verimpft sein.“ Immerhin, nicht verimpfte Ampullen wegwerfen musste bisher keiner der befragten Ärzte – auch kein AstraZeneca.

Wenn unsere Damen des Praxis-Teams hier nicht so mitziehen würden, könnten wir das gar nicht leisten.

Harald Körner, Allgemeinarzt in Mildstedt

Dass die Impf-Kampagne ohne ein hoch motiviertes Praxis-Team nicht laufen würde, bestätigen alle Ärzte. „Wenn unsere Damen hier nicht so mitziehen würden, könnten wir das gar nicht leisten“, lobt Harald Körner, Allgemeinarzt in Mildstedt. Bei den zwei Impftagen pro Woche in seiner Praxis komme er auf zehn bis 15 Impfungen pro Stunde. „Die Vorbereitungen sind das Schwierige“, bestätigt auch er. Die Impfungen selber würden dagegen „wie am Schnürchen“ laufen. „Und die Patienten sind freundlich, willig und sehr dankbar.“

Wir werden alle täglich mit der vollen Wucht und Aggression der Menschen konfrontiert.

Dr. Nick Merkel, Allgemeinarzt in Viöl

Allerdings nicht alle: „Es entsteht schon Impfneid“, so Körner. Merkel wird deutlicher: „Seit die Impfungen auch für Prio-3-Patienten freigegeben sind, ist es richtig anstrengend für uns geworden. Prio 3 ist ja nun eigentlich fast jeder.“ Er hätte es vorgezogen, wenn die Impfungen nicht so frühzeitig komplett freigegeben worden wären. „Jetzt wird natürlich nach Terminen gedrängelt. Und wir Hausärzte sind am Ende der Nahrungskette. Wir werden alle täglich mit der vollen Wucht und Aggression der Menschen konfrontiert.“ Natürlich würden er und sein Praxis-Team die Impfungen weiter durchziehen. „Aber im Moment macht es wirklich keinen Spaß.“

Impfangebote gebe es daher nur für die eigenen Patienten. „Andere Impfwillige zu nehmen, können wir weder denen vermitteln noch überhaupt leisten.“ Und im Bereich Prio 3 stehen bei Merkel die Mitarbeiter des Viöler Einzelhandels oben auf der Liste. „Bäcker, Schlachter und so weiter, die sind für mich einfach die wichtigsten.“

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Also was jetzt?“